Gedanken Pfarrer Hofius 19.12.2018

Gedanken

 

Weihnachten geht weiter

Eigentlich ist die Weihnachtszeit viel zu kurz für die Bedeutung, die sie hat. Wir feiern immerhin, dass Gott Mensch wird. Vier Wochen lang dauert der Advent, die Vorbereitungszeit. Am 24. Dezember müssen die meisten noch arbeiten (und immer öfter auch am 25.und 26.). Und dann soll alles schon vorbei sein?

Silvester und Neujahr folgen bald, und dann – an „Epiphanias“ oder „Dreikönig“ - sind die Weihnachtsferien vorbei und schnell denkt man an neue Termine.

Auch in unserem Kirchenjahr reicht die Weihnachtszeit nur bis zum 6. Januar. – Aber beginnt dann mit der sogenannten ‚Epiphaniaszeit‘ wirklich etwas Neues? Ist diese nicht eigentlich nichts anderes als die Fortsetzung der Weihnachtszeit unter anderem Namen. „Epiphanias“ übersetzt man am besten mit „Erscheinung“. Und an diesem Tag, am 6.Januar, denken wir doch vor allem an den Besuch der Weisen aus dem Morgenland an der Krippe. Und damit denken wir – wie eben auch an Weihnachten – an das Erscheinen Gottes in der Welt. An diesem Tag ziehen auch die Sternsinger los, Kinder oder Jugendliche, die als die „Heiligen Drei Könige“ verkleidet von Haus zu Haus gehen. Dabei sammeln sie für einen guten Zweck und schreiben mit Kreide C + M + B (Caspar und Melchior und Balthasar, aber auch „Christus Mansionem Benedicat“, das heißt übersetzt „Christus segne dieses Haus“) sowie die Jahreszahl an die Haustür. Auch wenn wir Evangelische nicht glauben, dass sich Gegenstände mit einem Segen verbinden können, freue ich mich über das Zeichen. Denn es erinnert mich daran, dass Gott auch in diesem Haus (wie überall) segensvoll wirken kann.
Das Epiphaniasfest wird mit verschiedenen Traditionen in Verbindung gebracht:

* Da ist von der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland die Rede;

* ferner denkt man an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer,

* an die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana als dem ersten Wunder Jesu.

Und tatsächlich deuten diese Legenden und Geschichten ja auch aus, was Jesu Geburt bedeutet:

* Bei der Taufe wird Jesus als geliebter Sohn Gottes ausgerufen;

* seine Fähigkeit Wunder zu wirken zeigt seine besondere Kraft zum Heil.

Dies alles gehört zur Epiphaniaszeit. In dieser Klarheit liegt auch eine bessere Chance, die Bedeutung der Weihnacht angemessen nachklingen zu lassen.

Die Epiphaniaszeit ermöglicht so - auch nach der Verteilung der Geschenke und der familiären Festlichkeiten -, den Inhalten und der Besinnlichkeit des Weihnachtsfestes weiter Raum zu geben. - In der neuen Ordnung der Lesungen und Predigttexte im Gottesdienst erhält die Epiphaniaszeit eine feste Länge. Bisher hing diese davon ab, wie spät oder früh Ostern liegt. Jetzt liegt die Anzahl der Epiphaniassonntage fest.
Eine besondere Symbolik hat die Epiphaniaszeit auch: Christus wird als Licht, das in der Dunkelheit scheint, wahrgenommen. So ist er an Weihnachten in die Welt gekommen. Ich finde, dass es im Januar oft eine Klarheit in der Luft gibt, wenn die Sonne in der Kälte scheint, die eine besondere Stimmung in die Natur bringt. Doch das besondere Symbol ist der Morgenstern, der mit Christus identifiziert wird. – Das ‚Licht der Welt‘ lässt sich nicht so schnell ad acta legen; Gott sei Dank!

Dass Christus als Licht Ihnen und Euch ganz persönlich leuchten möge, von der Adventszeit der Vorfreude über Weihnachten bis in die Epiphaniaszeit hinein, wünsche ich Ihnen und Euch allen von Herzen!

 

Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 05.12.2018

Ein Stern weist den Weg …

Ein kleiner Junge kramt in einer alten Schachtel. Zwischen schmutziger Nähseide zieht er einen silbernen Stern hervor. „Was ist das?“, fragt er seine Mutter.

Der Fernseher läuft, die Mutter telefoniert, sie ist genervt, als der Junge seine Frage wiederholt: „Was ist das?“ Sie legt auf, antwortet kurz: „Das ist ein Stern, ein Weihnachtsstern. „Ein was?“, fragt das Kind. Inzwischen hat die Mutter den Fernseher ausgeschaltet. Widerwillig antwortet sie dem Jungen: „Das ist etwas von früher, es hängt mit einem Fest zusammen, einem langweiligen Fest. Die ganze Familie stand in der Wohnstube um einen Baum herum und sang Lieder, oder die Lieder kamen aus dem Fernsehen.“

„Wieso um einen Baum herum?“, fragt das Kind. „Bäume wachsen doch nicht in Wohnzimmern. „Na ja“, sagt die Mutter, „der Baum war in einem Ständer befestigt, und man behängte ihn mit Lichtern, die entzündet wurden, mit Kugeln oder glitzernden Ketten.“  

„Das kann doch nicht wahr sein“, sagt das Kind. „Doch“, sagt die Mutter … und fügt noch ein paar Details hinzu: Vom Stern, der die Hirten zum kleinen Jesus in seiner Krippe führte. - „Jesus?“, fragt das Kind, „wer ist denn Jesus?“

„Das sage ich dir später“, antwortet die Mutter, die sich nur vage an die Geschichte erinnert. Aber nun ist die Neugier des Jungen geweckt. „Das muss doch ein schönes Fest gewesen sein“, sagt er. „Nein“, sagt die Mutter heftig. „Alle hatten Angst davor und waren froh, wenn es vorüber war.“

Sollte das alles noch einmal von vorn anfangen, zuerst die Hoffnung und die Liebe und dann die Gleichgültigkeit und die Angst? Zuerst die Freude und dann die Unfähigkeit, sich zu freuen, denkt sie. Nein, ach nein. Sie öffnet die Klappe des Müllschluckers, gibt dem Kind den Stern in die Hand und sagt: „Du darfst ihn hinunterwerfen und aufpassen, wie lange du ihn noch siehst.“ Der Junge lacht, als der vergilbte Stern in der Tiefe verschwindet.

 Marie Luise Kaschnitz hat diese Geschichte wohl in den 1960er-Jahren niedergeschrieben. Gut zwei Generationen ist das her. Doch für Marie Luise Kaschnitz war es eine fiktive Geschichte. Sie wird, so meinte sie, erst in ferner  Zukunft wahr werden.   -   Ich frage mich: Sind wir in dieser Zukunft nicht schon längst angekommen? Ist der Weihnachtsstern mit seiner strahlenden Bedeutung nicht bereits in der Tiefe eines imaginären Müllschluckers verschwunden?

 Nicht nur der kleine  Sohn weiß nichts  von  Weihnachten ,  weil  er  nie  die  Fenster  in  einem  Adventskalender  geöffnet  hat  und  nie  in  ein weihnachtlich  geschmücktes  Zimmer  getreten  ist.  Die  Geschichte  erzählt  von  einer Zeit,  die  ihre  Verfasserin  kommen  sah.  So  wird  es  sein,  meinte  sie  damals,  als  die Menschen hierzulande nicht mehr froh sein mussten, wenn sie das Nötigste zum Le-ben  hatten.  Der  beginnende  Wohlstand  wird  das  Fest  verdrängen  und  überflüssig machen.  Die  Kinder  werden  nicht  mehr  wissen,  was  ein  glitzernder  Stern  bedeutet, wofür  man  ihn braucht  und  mit  welchem  Fest  er  als  Symbol  verbunden  ist.  Und  die Generation der Eltern wird wohl noch Erinnerungen an Weihnachten haben, aber sie wird  nichts  mehr  davon  wissen  wollen.  Das  Fest  hat  zu  viele  Erwartungen  geweckt und sie immer wieder enttäuscht.

Aber enthält das Fest und die ihm zugrunde liegende Geschichte nicht auch etwas Unverzichtbares? Etwas, worauf man  nicht  verzichten  kann,  weil  es  ohne  sie  noch  dunkler  wäre? – Ich denke an dieses „Friede  auf  Erden“, an das „fürchtet euch nicht“ und die „große Freude“ über dieses Kind, das irgendwie aus dem Himmel kommt,

 

Was  Marie Luise Kaschnitz wohl  nicht  hat  kommen  sehen,  ist, dass das Weihnachtsfest keineswegs in der Versenkung verschwinden würde. Wenn die  winterdunklen  Straßen  der  Innenstädte  und Dörfer mit  einer  stetig wachsenden  Lichterpracht  überzogen sind, weiß man: Bald ist Weihnachten. Aber es ist doch mehr als der äußere Glanz. Es ist ein heller Schein, der sich nicht ersticken … und schon gar nicht entsorgen lässt.                    Denkt Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 27.11.2018

Gedanken

 

Trauer, Erinnerung, Mahnung und Hoffnung

 

Diese letzte Woche des Kirchenjahres bis zum ersten Advent wirft Fragen auf. Ist das eine ‚leere‘ Zeit, weil doch irgendwie ‚nichts‘ ist zwischen dem letzten Sonntag im Kirchenjahr und dem ersten Advent? Oder gehört diese Woche schon zum ersten Advent dazu?

 

Schon die Überschrift lässt erahnen, dass da ‚mehr‘ ist – mehr als bloße Leere.

 

Dazu muss man (1) einiges mitbedenken, was gesamtgesellschaftlich in Vergessenheit geraten ist: Wir wünschen uns Freitags oder Samstags „Ein schönes Wochenende“.  Noch nie habe ich gehört: „Einen schönen Wochenanfang“ oder „eine schöne Woche". - Liegt das daran, dass wir nur von der Freizeit etwas Schönes erwarten und nicht von der Arbeit? Wird diese nur als Last oder Übel gesehen? Und: Haben wir vergessen, dass der Sonntag gar nicht zum Wochenende gehört, sondern der erste Tag der Woche ist? Zu Ostern hörten wir: „Als der Sabbat (Sonnabend) vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen" - da denkt doch zu Recht keiner an den Ostermontag.  -  Es ist schon seltsam, wie viele den Sonntag, den alten Tag eins, heutzutage als letzten Tag der Woche fühlen. Es stellt sich die Frage, ob wir nicht wieder anfangen könnten, vom Sonntag her zu leben; zu leben aus und auf dem Tag des Herrn, an dem Gott Jesus auferweckte und ganz neu sein „Ja“  zur Welt und zum Leben und gegen den Tod sprach!

 

Die Woche beginnt am Sonntag – auch wenn wir seit Januar 1976 (!)  „verblödet“ werden auf Grund einer 1975 von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) aufgestellten Empfehlung, die den ‚Montag‘ als ersten Tag zur (neuen) Regel gemacht hat.

Das bedeutet dann (2), dass der „Letzte Sonntag im Kirchenjahr“ der Auftakt der gesamten letzten Woche hin zum Ersten Advent ist.

 

Noch bedeutsamer für mich ist (3), dass er in seiner Bezeichnung als „Ewigkeitssonntag" ( den Terminus „Totensonntag“ finde ich persönlich unpassend ) Hinterbliebenen die Möglichkeit der gemeinsamen wie privaten Trauer und der Erinnerung bietet. Die Namen der Verstorbenen werden im Gottesdienst verlesen und sie werden in die Fürbitte eingeschlossen. Und – ganz wichtig - : Der Zuspruch der Auferstehungshoffnung ist tröstender Inhalt dieser Feiern.

 

Denn zugleich ist der Ewigkeitssonntag eine Mahnung an die Lebenden, sich die Begrenztheit des eigenen Lebens zu vergegenwärtigen. - Ein kalendarisches Zeichen der Hoffnung trägt der Ewigkeitssonntag in seiner Stellung vor dem ersten Advent.

Da ist also keine Leere, und da ist auch der Ernst und Schmerz über die Endlichkeit des Lebens – auch des unseren – nicht ausgeblendet. – Aber der Blick geht vom ersten Tag der Woche, vom Sonntag, hin zum ersten Advent, … mit dem dann gar ein ganzes neues Kirchenjahr beginnt. Ein – wie ich finde – ‚geniales‘ und großartiges Zeichen dafür, dass der Tod nicht das Ende ist. Denn Gott schenkt neues Leben. Weil Christus den Tod besiegt hat – ein für alle mal.

 

Und im Advent wartet die Christenheit auf sein (neuerliches) Kommen.

So werden wir an Gottes Güte und Jesu Liebe erinnert; daran, dass wir nicht nur von Leistung und Markt bestimmt werden, sondern von einem Gott, der auf uns achtet und uns Würde schenkt … und Zeit, damit wir tief durchatmen können, einander wahrnehmen und uns von Gottes Odem und Wort beleben lassen – in der Gewissheit, dass Gott uns in allem nahe kommt und bleibt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch einen gesegneten Wochenanfang … und einen guten Start in das neue Kirchenjahr J !  Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 20.11.2018

Wie ist Gott?

 

Drei Worte - und dahinter verbirgt sich so viel mehr; mehr als ein ganzer Kosmos.

Wie kann ich mir das vorstellen, diese göttliche Kraft? Wäre es nicht hilfreich, wenn ich Gott sehen könnte? Was wäre, wenn ich die göttliche Kraft erleben dürfte? – Man kann das religiöse Neugier nennen. Oder ist es nur vorwitzig? Mir macht die Bibel Lust, mehr darüber zu erfahren. Viel mehr über Gott zu erfahren: Wie er ist, wie er sich  konkret zeigt.

Hinweise gibt die Bibel uns. Aber die alten Geschichten warnen auch: Es kann gefährlich sein, Gott zu nahe zu kommen. Dem Göttlichen zu begegnen, ist faszinierend und erschütternd zugleich. Und es färbt ab; das hat schon Mose erfahren.

Auch der Prophet Elia darf, was nur ganz wenigen vergönnt ist: Gott will sich ihm zeigen, während Elia im Schutz einer Höhle verborgen auf ihn wartet. Zuerst zieht draußen ein grausiger Sturm auf. Er zerreißt Berge. Er zerbricht Felsen. Aber Gott ist nicht im Sturm. Dann kommt ein Erdbeben. Aber Gott ist nicht im Erdbeben. Dann ein Feuer. Aber Gott ist nicht im Feuer. Gott zeigt sich dem Elia in Gewalten, dass Himmel und Erde zittern, aber das alles ist nicht Gottes ‚eigentliches‘ Wesen. Nach Hurrican, Erdbeben und Feuersturm erscheint Gott dann tatsächlich: In der erfüllten Stille. Eine Stimme verschwebenden Schweigens. Schschschschschsch. So kommt Gott dem Propheten ganz nah.

Daraus folgere ich für mich: Die Frage „Wie ist Gott? Wie kann ich ihn erkennen?“ ist ohne Frage vorwitzig. Aber solches Fragen bleibt nicht ganz ohne Antwort. Gott zeigt sich ja in den erstaunlich leisen Momenten des Lebens. Eben gerade nicht im Fortissimo, im Donnerschlag, im Lärm – sondern Gott erscheint im zarten Klang, in der Pause, wenn die Musik schweigt. Gott kommt in der Stille zu mir. Im Hören. Wer solch eine erfüllte Stille bemerkt, spitzt die Ohren. Ist bereit, aufzunehmen. Und dann … kommt … Gott.  -  Manchmal geht das nicht; weil unser Alltag zu laut ist – wie wir selbst. Vielleicht drängt Gott sich dann wie mit einem Tusch dazwischen, als Unterbrechung meines Lebenslärms. Aber nur, damit ich still werde, um zu hören. In der Stille klingt zu mir seine Weisung, seine Tröstung und das Raunen seiner Liebe.

Hören wir hin! Werden wir stille vor Gott. Denn er kommt!    

Dessen ist sich sicher Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius.


Gedanken Pfarrer Hofius 13.11.2018


Segen und Segnen

 

Eine Anfrage per Mail: „Gibt es bei Ihnen vielleicht die Möglichkeit, sich persönlich  segnen  zu  lassen? Ich habe eine große Reise vor mir. Ich war aber lange nicht mehr in einer Kirche?“

Ich kenne den Absender gar nicht. Aber ich kann ihm sagen: Ja, es gibt tatsächlich immer die Möglichkeit, sich segnen zu lassen. – Manche Gemeinden feiern Gottesdienste mit einer Art spirituellen Freiraum: Jede und jeder kann seiner Sehnsucht nachgehen.  Man  kann  einstimmen  in  leisen  Gesang.  Man kann auch für sich beten und sich dabei die Hände auflegen lassen. Oder  eine  Kerze  anzünden  oder  einen  Stein  für  das  Schwere  unter  das  Kreuz  legen. Oder einfach still da sein im geschützten Raum.

 

Ich glaube, dass wir Freiheit und Zeit brauchen, uns  die  Schätze  der  Tradition  neu  anzueignen.  Neu  zu  schauen,  was  wir  brauchen  können. Was  Kraft gibt,  tröstet  und  weiterhilft. 

Für mich persönlich ist das zum Beispiel die Osternacht. Aber eben nicht nur. Denn in solchem Tun und Nachdenken darüber entsteht oft eine ganz  besondere,  berührende  Atmosphäre, die gleichermaßen frei ist und verbindend.

 

Bei solchen ‚Sonder‘-Gottesdienst wie auch ganz normal gibt es die Möglichkeit, sich segnen zu lassen. Lateinisch „benedicere“ heißt,  sich  Gutes  zusagen  lassen  aus  tieferen  Kraftquellen.  Der  Segen  spricht  diese Kraft zu mit Wort und Berührung. Das ist Erfahrung von Religion. Sie kann mich neu verbinden mit  jenem  tiefen  unfassbaren  Lebensquell,  der  in  unserer  Seele  gegenwärtig  ist.  Auf  dass  wir

„stark werden am inwendigen Menschen“, wie der Apostel Paulus schreibt (Epheser 3, 16).

 

Und so kommt eines (Sonn-)Tages in großgewachsener  Mann  mittleren  Alters nach dem Gottesdienst zu mir zu  mir  und murmelt: „Ich hatte gemailt.“ – Gemeinsam treten wir an das Taufbecken. Ich  tauche  meine  Hand  hinein,  verbinde  mich  so  selbst  mit  Gottes Kraft  und male ihm ein Wasserkreuz auf seine Stirn. Lege ihm die Hände auf. „Gott sendet seinen Engel vor dir her, der dich beschützt auf dem Weg und dich führt. Gott segnet dich, dass du ein Segen  bist.“

Er steht ruhig, nimmt an und auf. Hat Tränen in den Augen. Kein Wort mehr zwischen uns.     Er geht seiner Wege - gesegnet.

 

Erinnert sich und Sie / Euch Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.


Gedanken Pfarrer Hofius 30.10.2018


Nur eine Nummer?

 

Wer kennt das nicht: Ob beim Bürgeramt oder der KFZ-Zulassungstelle, beim Arbeitsamt

oder sogar beim Bäcker - häufig muss man eine Nummer ziehen, um überhaupt

einmal an die Reihe zu kommen. Dazu höre ich Anfang der Woche, dass es Überlegungen

gebe, dieses System aus Datenschutzgründen vielleicht auch bei den Hausärzten 

einzuführen. Damit ja keiner öffentlich mit Namen aufgerufen wird.

Wobei: Eine Nummer bin ich doch schon in viel zu vielen Zusammenhängen. Beim Anruf

bei meiner Krankenkasse nennen ich meinen Namen und mein Anliegen. "Wir brauchen

zuerst ihre Mitgliedsnummer", hieß es sofort.

Das gleiche Spiel kurz darauf bei einem Anruf bei der Rentenversicherung: " Ohne ihre 

Nummer können wir nichts für Sie tun." Danach noch ein paar Rechnungen überweisen - 

natürlich immer mit Nummer; wer da zahlt, ist letztlich gleich. Überall bin ich eine Nummer.

Eine Nummer, die spätestens nach meinem Tod hoffentlich irgendwann mal gelöscht wird.

Das war´s dann. Oder bleibt noch was von mir?

Auch mit dem Blick auf unsere katholischen Glaubensgeschwister überlege ich das.

Denn am Freitag dieser Woche ist Allerseelen-Tag. Katholische Christen denken an diesem

Tag an die Verstorbenen. Viele besuchen die Gräber oder andere Trauerorte. Sie beten und 

hoffen, dass die Seelen der Toten bei Gott aufgehoben und vollendet sind.

"Seele", das ist nicht irgendwie ein kleiner Teil des Menschen. "Seele" meint hier das, was die 

Persönlichkeit ausmacht: Die einmalige, unverwechselbare Person, deren Name in Gottes Hand

geschrieben ist - so die Bibel in Jesaja 49,16.

Auf einem großen Friedhof für Soldaten, deren Namen niemand kennt, sah ich auf jedem 

Grabstein geschrieben: "Bei Gott bekannt". - Wie tröstlich in diesem Grauen. Bei Gott ist keiner

vergessen. Christen glauben, bei Gott bin ich keine Nummer, kein Rädchen in einem Riesen Getriebe,

sondern ein einmaliger und wertvoller Mensch. Einer, der einen Namen hat. Im Buch Jesaja heißt

es, Gott spricht: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen

gerufen, du bist mein! - Weil Du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil

ich dich liebhabe." (Jesaja 43,1+4)

Christen jedweder Konfession vertrauen darauf, dass diese Liebesbeziehung stärker ist als die Macht

des Todes. Wenn mich alle vergessen, alle meine Nummern gelöscht sind, dann hoffe ich, dass ich

eingezeichnet bleibe in Gottes Hand - mit Namen... und nicht als Nummer.

 

Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius


Gedanken Pfarrer Hofius 23.10.2018


Der vergessene Reformator: Michael Servet

 

Die „großen“ Reformatoren werden mit Gedenkjahren geehrt. Die Opfer der Reformation hingegen werden vergessen. Zum Beispiel Michael Servet, geboren im Jahr 1511, gestorben am 27. Oktober 1553 – also vor nunmehr 465 Jahren.

Denn da wurde der humanistische Gelehrte aus Spanien als Ketzer auf dem Scheiterhaufen der evangelischen Stadt Genf hingerichtet.

Wie kam es dazu? - Durch einen franziskanischen Mönch hatte Michael Servet den Geist des Humanismus entdeckt, jener Denkrichtung, die von Norditalien aus ganz Europa erreichte. Er beginnt, Rechtswissenschaft zu studieren. Doch seine Leidenschaft gehört der Theologie. Wenn die Humanisten Recht haben mit ihrer Lehre, man solle zu den Quellen zurückkehren – dann müssten sich die Christen von der Trinititätslehre verabschieden. Die Vorstellung, dass Gott „dreifaltig“ sei, dass er als drei Wesenheiten bestehe: Gott-Vater, Sohn und Heiligem Geist -, so sei das schlicht unbiblisch, meinte Servet.

 

Ein weiterer Grund treibt Servet zu der Ablehnung der Trinitätslehre. Er will Muslimen wie Juden ein wichtiges Argument gegen den christlichen Glauben nehmen. Denn ein Dialog zwischen den drei verschwisterten Religionen könne nur gelingen, wenn alle an eine – und nicht an mehrere – Gottheiten glauben würden.

Im Alter von zwanzig Jahren präsentiert Michael Servet seine Argumente in Buchform. „De trinitatis erroribus“, lautet der Titel, „der Irrtum der Dreifaltigkeit“.

 

In seltener Einmütigkeit bezichtigen der  katholische Klerus und die Reformatoren Servet der Gotteslästerung. Servet ist ihnen zu radikal.

Servet wendet sich unter einem Decknamen in Paris sehr erfolgreich der Medizin zu. Von dort kommend besucht er auf der Durchreise einen Gottesdienst in Genf – Johannes Calvin war der Prediger. Der Reformator erkennt Servet und lässt ihn sofort festnehmen; ja, er liefert dem Gericht Briefe, aus den Servets „Ketzerei“ hervorgeht. In unheiliger Allianz wird Calvin somit zum Zeugen, Ankläger und Gutachter zugleich. Servets Hinrichtung ist für ihn unbedingt nötig – „aber es ist mein Wunsch, dass die Grausamkeit der Hinrichtung gemildert wird“, schreibt er einem Freund.

 

Am 26. Oktober fällt der Rat der Stadt das Todesurteil. In der Todeszelle verweigert Calvin Servet Trost und Segen. Tags darauf wird Servet auf besonders grausame Art auf dem Scheiterhaufen geröstet; mit ihm gehen seine Bücher in Flammen auf.

Der humanistische Gelehrte Michael Servet wurde Opfer der Angst um den Fortbestand der Kirche. Einer Angst, die sogar die Reformatoren umtrieb, die ja angetreten waren, die Kirche von Grund auf zu erneuern.

 

Ist Servet ‚nur‘ ein „Betriebsunfall der Reformation“, wie viele meinen?

Oder anders herum spekuliert: Was hätte in den letzten 450 Jahren alles im Positiven passiert sein können, wenn Servets Grundidee eines Dialogs zwischen Christen, Juden und Muslimen gefruchtet hätte?!

 

Denkt sich Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius


Gedanken Pfarrer Hofius 16.10.2018


„21. Oktober 2018 – Männersonntag“

 

Das lese ich beim Blättern in meinem Pfarrerkalender – und bin einigermaßen erstaunt. Ist nicht jeder Sonntag ein Tag für die Gemeinde, für Frauen UND für Männer? … O.k., zugegeben, meine Geschlechtsgenossen treten deutlich weniger in Erscheinung als das ‚schöne Geschlecht‘; aber die Einladung seht doch – für alle!

 

Wobei ich denke: Man muss die Männer ansprechen und einbinden. Man muss Angebote für Männer finden. Man muss das finden, was Männer wollen – auch und gerade von der Kirche wollen. Denn besonders Männer in der Mitte des Lebens sieht man eher selten in der Kirche. Oft scheint es, als ob die Kirche für Männer nicht mehr attraktiv ist.

 

Ist ein „Männergottesdienst“ am „Männersonntag“ eine Möglichkeit, wie Männer in der Kirche Heimat finden können?

 

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat  den Männersonntag 1946 ins Leben gerufen. Der wurde damals gemacht, damit die Männer, die aus dem Krieg nach Hause kamen eine erste Anlaufstation hatten. Damit man vielleicht eine Perspektive schaffen kann, damit man Männer wieder ans Gemeindeleben bindet.

 

Mittlerweile entwickelt die Evangelische Kirche in Deutschland - wie ich gerade lerne - in jedem Jahr ein Werkheft, nach dem man in den einzelnen Gemeinden den Gottesdienst zum Männersonntag gestalten kann. - Noch etwas, was ich nicht gewusst habe. Und da bin ich nicht der Einzige. Denn anders als die Frauenarbeit kann die spezifische Männerarbeit nicht auf ähnlich gewachsene Strukturen zurückgreifen.

 

Und jetzt?

 

Die Idee bzw. diesen Anstoß finde ich spannend. Läßt sich daraus nicht etwas machen? – Gewiß nicht innerhalb weniger Tage bis zum kommenden Sonntag; aber grundsätzlich. … Das möchte ich gerne aufnehmen und weiterverfolgen. Ohne zu wissen, ob und was ‚am Ende‘ dabei herauskommt und welche Form das annehmen soll. Machen SIE sich mit auf den Weg?

 

Mich würde es freuen, wenn mir jemand seine Sicht, seine Vorstellungen, Wünsche oder auch Ängste mitteilen würde. Wege der klassischen wie auch modernen Kommunikation gibt’s ja genug. … Der vielleicht ‚klassischste‘ wäre eventuell ein Mitfeiern im ‚normalen‘ Gottesdienst am Sonntag – und dann das Gespräch darüber, wie ‚man(n)‘ sich was wünschen würde.

 

 

Die Türen sind offen! Herzliche Einladung.

 

Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius


Gedanken Pfarrer Hofius 25.09.2018

 

Ernte Dank barkeit

 „Ich lebe mein Leben in wachsenden  Ringen,

die sich über die Dinge ziehn,

ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.“

 

Der Anfang eines Gedichtes von Rainer Maria Rilke.

Erfahrungen legen sich um den Dichter wie die Jahresringe eines Baumes.

Was der letzte Ring ist - davon schweigt er.

Rilke beschreibt nur die Bewegung seines Lebens: Er will vollständiger werden. Der Ausgangspunkt seiner Reise ist die Mitte, aus der die Ringe reifen. Rilke schreibt dieses Gedicht im Alter von 24 Jahren. Er wird nach weiteren 27 Jahren sterben. Dazwischen verfasst er tausende Verse über das Leben. Er dichtet über Panther und

Bettler, über Inseln und Berge, über Erze und antike Götter, über Liebe und Tod.

Rilke nimmt die Dinge der Welt wahr, lässt sie wirken und verwandelt sie in eigene Sprache. Manche seiner Gedichte ähneln einer Bildungsreise. Er braucht aber kein Wikipedia und kein Faktenwissen, die Welt spricht direkt zu ihm: Kinder und Greise, Rosen und Engel, der Herbst und die Bäume - alles bildet ihn. Die Sinnfrage aber, die lässt Rilke offen. Lieber in eine Frage hineinleben, als eine Antwort geben, die nicht stimmt. Der Dichter zeigt, dass es für die Bildung einer Persönlichkeit auch Pausen braucht, Schweigen, Leerstellen. Momente, in denen nicht bewertet wird, sondern nur wahrgenommen. Momente, die zulassen: Ich nehme die Welt an, wie sie ist. Und nehme mich an, wie ich bin.

Eine poetische Betrachtung der Welt lässt auch scheinbar unproduktive, scheinbar passive Zeiten zu; Zeiten, in denen mit etwas zu-wächst. Dann können mich die Dinge der Welt bilden. Und die Mitte, aus der ich lebe. Sie tun es anders und größer, als alle Fakten der Welt es könnten. Ja, es gibt viel Größeres als mein Wissen, mein Recherchieren und Erkennen. Bei Rilke endet das Gedicht mit dieser Ahnung … und läßt die Frage offen, wer er selbst ist. Das ist entlastend und schön:

„Ich kreise um Gott, um den uralten Turm

 und ich kreise Jahrtausende lang.

 Und ich weiß nicht, bin ich ein Falke, ein Sturm

 … oder ein großer Gesang.“

Dieser ‚große Gesang‘ kann aber doch von großem Dank geprägt sein. Dankbarkeit für all das, was mich hat wachsen lassen.   -  Singen Sie, singt Ihr mit … beim ‚großen Gesang‘ am ERNTEDANKFEST am kommenden Sonntag, 3o, September?

 

Ich fänd’s klasse!  Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.


Gedanken Pfarrer Hofius 20.09.2018

Europaweites Glockenläuten zum Internationalen Friedenstag

am 21. September 2018

Ein prägendes Kulturelement in Europa sind Glocken. In Kirchen und Rathäusern, auf Friedhöfen und an Gedenkorten sind sie ein hör- und sichtbares Zeichen des europäischen Wertefundaments.

In diesem Jahr sind alle Glockeneigentümer am Internationalen Friedenstag, dem 21. September 2018, von 18:00 -18:15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit zu einem europaweiten Glockenläuten eingeladen.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg unterstützt diese Initiative.

In diesem Jahr 2018 erinnern wir an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und den gescheiterten Versuch Frieden zu schließen, an Ausbruch und Ende des 30-jährigen Krieges. Die aktuelle Lage Europas und der Welt braucht das Gebet für den Frieden. Deshalb sollen auch bei uns in Nebringen am 21. September die Glocken im Rahmen eines Friedensgebets ab 17.50 Uhr in der Evang. Stephanskirche für den Frieden erklingen.

Glocken gibt es viele. In den Städten Europas, im Mailänder Dom oder dem Ulmer Münster befinden sie sich. Sie tragen klangvolle Namen: Gloriosa, Dominica, Hosanna. Sie erinnern an die große Geschichte Gottes mit den Menschen.

Glocken gibt es auch in einem Dorf in der Pyrenäen, einem Weiler in Tschechien, hoch in den Bergen der Alpen. Ihre Namen dort sind alltäglich (und meist weiblich): Maria, Anna, Susanne. Sie locken zum Innehalten, zum Gebet.

Glocken-Spiele kennen wir auch, die zum Verweilen und Zu-Hören einladen: Im Stachus in München, am Erlöserturm des Moskauer Kreml, vor der Astronomischen Uhr in Bern. Wo sie mit der Hand zu spielen sind – wie zum Beispiel in der Herrenberger Stiftskirche - klingt ihr Name wie ein Joker im Kartenspiel: Carillon.

Weniger erheiternd sind Sturmglocke und Feuerglocke: Als Warnung bei Gefahr rufen sie zum gemeinsames Handeln. – Und das Totenglöckchen und die Friedhofsglocke am Ende des Lebens tragen den Klang der Ewigkeit in die Endlichkeit.

Glocken wurden zerstört … durch Luftangriffe und Brandbomben. Oder weil man sie einzog und umschmolz … in Kanonen und Granaten. Millionen Tote forderte der Krieg. - Heute klingen neue Glocken in Dresden und London, Coventry und Lübeck: Sie rufen uns  „Versöhnung, Versöhnung“ zu!

Die Freiheitsglocke im Schöneberger Rathaus, die Friedensglocke an der Oder-Neiße-Grenze, die europäische Friedensglocke im Straßburger Münster haben auch eine Botschaft: „Frieden und Freiheit - über Grenzen hinweg.“

Zum gemeinsamen Nach-Denken und Zu-Hören lade ich hier in Nebringen herzlich ein: Am Freitag zwischen 18.00 und 18.15 Uhr.

 

Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 11.09.2018

„Schule hat begonnen" - so ist es seit einiger Zeit wieder an vielen Straßen groß auf Transparenten zu lesen. Und hoffentlich halten sich die Autofahrer/innen daran und drosseln ihr Tempo … langfristig, nachhaltig. - Für die meisten Schüler, die „Großen“, ist Schulbeginn ein ganz normaler Termin. Die Ferien sind zu Ende … und die Schule fängt halt wieder an. Hoffentlich gut ausgeruht. Hoffentlich nach einer wunderbaren Ferienzeit mit vielen schönen Erlebnissen!

 Für die neuen Erstklässler/innen allerdings sieht das ganz anders aus:

Die – vermeintlich ach so behütete - Kindergartenzeit ist jetzt beendet. Nun kommt etwas ganz Neues; der sogenannte „Ernst des Lebens“. Zeichnerisch dargestellt muß der ziemlich grimmig und abschreckend aussehen. … Aber man kommt ja nicht drum herum: Die Schulzeit beginnt. Und der allererste Schultag ist sehr wohl etwas ganz Aufregendes. Für die kleinen ABC-Schützen beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt. 2Wird wohl alles gut gelingen? Werde ich neue Freunde und Freundinnen finden? Werden die Lehrerinnen und Lehrer auch nett sein und nicht zu streng? Werde ich wohl alles gut lernen und behalten können?" Solche und viele andere Fragen werden in so manchem kleinen Köpfchen jetzt umherschwirren!

 Und auch für die Eltern beginnt ein neuer Abschnitt im Leben mit ihrem Kind. Da heißt es schon wieder, ein Stück weit loslassen. Und da gilt es vor allem, Vertrauen zu gewinnen, dass die Kinder in der Schule und bei ihren Lehrerinnen gut aufgehoben, „in guten Händen“ sind. Da kommt vielleicht auch manche Erinnerung an die eigene Schulzeit wieder hoch. Und wohlmöglich auch die Sorge: „Werde ich meinem Kind ein guter Begleiter in seiner Schulzeit sein können?“ Auch hier wieder dieselbe Mischung aus Freude und Stolz, aber auch ein wenig Unsicherheit und Ängstlichkeit.

 Gut finde ich, dass der erste Schultag nicht nur mit einer schönen Begrüßungsfeier in der Schule beginnt. Vielmehr gehört es als gute Tradition dazu, dass die neuen Erstklässler/innen ihren wichtigen Lebensschritt auch mit einem Einschulungsgottesdienst beginnen. Und hier sollen sie vor allem das zugesprochen bekommen: „Du bist auf deinem neuen Lebensschritt nicht allein.

                     Gott ist ganz nah mit dabei.

                     Er freut sich, wenn dir etwas gelingt.

                     Er will Schweres mittragen.

                     Und seine Versprechung ist ganz wahr: ‚ch bin bei dir alle Tage!‘“

 Beim ökumenischen Einschulungsgottesdienst in Nebringen haben wir seit Jahren die schöne Tradition, jedes Kind mit Handauflegung zu segnen. Das ist immer wieder ein ergreifender und sehr tiefer Moment. Einem Kind wird zugesprochen: „Du bist ein geliebtes Kind Gottes. Du bist nicht allein! Du bist bei Gottes geborgen. Du bist gesegnet!“

 Möge das neue Schuljahr - nicht nur für unsere neuen Erstklässler/innen - in diesem tröstlichen Gottvertrauen beginnen. Möge Gottes Segen jeden von uns im neuen Schuljahr begleiten: Schülerinnen und Schüler, „Große“ und angeblich ‚Kleine‘, Eltern und Geschwister, Großeltern und Nachbarn, Freunde und Gemeinde.

 Denn wir alle brauchen das, dass einer auf uns Acht gibt … und sich mit uns über unsere Schritte und Erfolge freut.

 

Denkt auch Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 24.07.2018

„Reif für die Insel“

 Die Schulferien haben begonnen, für viele ist der Urlaub da. Millionen Menschen setzen sich in Bewegung, sagen Stress und Alltag „Adieu“ und suchen in der Ferne Erholung und Entspannung. Wir Menschen freuen uns auf diese wertvollen Wochen im Jahr, denn Hektik und Anstrengung fordern ihren Tribut. Viele fühlen sich ausgelaugt, haben keine Kraft mehr.

Mancher sagt: „Ich bin reif für die Insel“ und wünscht sich: Zeit für sich selbst, für Natur, für Kultur und auch für Gott. Vermutlich weiß jeder nach Monaten voller Arbeit in Fabrik oder Büro, in Familie und Freizeit, um was es geht. Endlich „weg“ zu können, „weg“ von all dem, was den Alltag so grau macht. Klar, dass in unserem Wortspiel „Insel“ nicht immer Insel bedeutet. „Reif für die Insel“ ist ein Ausdruck von Sehnsucht: Blaues Meer und Sonne, einsamer Inselpfad und belebte Piazza, gutes Essen und kühle Getränke, und vor allem: Viel freie Zeit.

Gefüllt wird dieser Ausdruck von Sehnsucht: für den einen mit der Affinität zum Meer, für den anderen mit dem Weg in die Berge, für einen mit der Einsamkeit, für andere gerade mit Gemeinschaft. Dazu gehört auch die innere Bereitschaft zum Abschalten, zum Bei-sich-Sein oder zum Zeithaben für andere. Ohne solche innere Planung ist Erholung auch „auf der Insel“ nicht möglich, im Gegenteil, so wird Urlaub sogar zum Stress.

Zu einem erholsamen Urlaub gehört für mich und für viele andere das Atemholen bei Gott. Für ein paar Minuten bleibe ich in der Kapelle am Wegesrand; und unterwegs  kommt mir ein Lied in den Sinn: „Herr, ich sehe Deine Welt, das weite Himmelszelt, die Wunder Deiner Schöpfung. Alles das hast Du gemacht, den Tag und auch die Nacht, ich danke Dir dafür. Berge, Flüsse und die Seen, die Täler und die Höh'n, sind Zeichen Deiner Liebe. Sonne, Wolken, Sand und Meer, die loben Dich so sehr, sie preisen Deine Macht. Darum bete ich Dich an, weil ich nicht schweigen kann; die Freude füllt mein Singen. Staunend habe ich erkannt: Ich bin in Deiner Hand, und Du lässt mich nicht los.“ - „Reif für die Insel“ heißt also: Das Schöne unserer Welt zu sehen und dankbar zu genießen. Heißt: Es ist wunderbar zu leben, wenn auch manches im Alltag dagegen spricht. Denn: Die Erde ist schön, sie war einmal ein Paradies. Ich wünsche Ihnen und Euch, dass Sie und Ihr im Urlaub bzw. in den Ferien ein Stück davon wiederfinden mögt - ob in der Ferne oder zu Hause.

 

 

Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 17.07.2018

Neugier und Fragen

Ich freue mich immer wieder … über Kinder voller Neugier und Fragen.

Kinder sind ja von Berufs wegen neugierig. Sie können einem Löcher in den Bauch fragen. Und frei nach Wilhelm Busch: „Eine jede Frage, sobald beantwortet, kriegt augenblicklich Junge.“ Für Kinder ist Welt voll aufregender Rätsel und spannender Fragen. Diese ungezügelte Neugierde wird leider oft gedämpft oder sogar erstickt.

„Sei nicht so neugierig.“ – „Frag nicht so viel.“ – „Das verstehst du sowieso nicht.“

Dabei hat Gott die Neugierde doch auch geschaffen; er hat sie in unser Herz gelegt … gegen jede als These formulierte Festlegung. – So sollen wir doch die Menschen, die Welt und Gott nicht fest auf das Bild festlegen, das wir uns von ihnen gemacht haben. Positiv gewendet lautet der Anspruch: Sei neugierig auf die Menschen. Besonders auf die, die Du so gut zu kennen glaubst: Also deine Familie, deine Freunde, deine Arbeitskollegen. Am meisten werden wir überrascht im scheinbar Bekannten.

Also: Mut zur Neugierde. Fragen Sie Ihren Arbeitskollegen einfach mal nach seinen Hobbys, oder eine Freundin nach einem Erlebnis, das sie besonders berührt hat.

Vielleicht ist Ihr Bild von Gott ja auch schon in die Jahre gekommen - verblasst  oder

völlig vergessen. Und wenn Sie nicht so recht wissen, was Sie mit diesem verstaubten Bild machen sollen, dann wecken Sie das neugierige Kind in Ihnen. Fangen Sie an, Fragen zu stellen. Fragen Sie Ihre Freunde und Bekannten nach Gott. Vielleicht rufen Sie Ihren Pfarrer oder Ihre Sie wenden sich direkt an Gott - das geht auch. Mit einem Gebet.

Manchmal suche ich mir ruhigen Ort, nehme mir Zeit und sage dann Gott alles, was mir gerade durch den Kopf geht. - Und wenn ich mich frage: Hört da überhaupt jemand zu? Dann hilft das Kind in mir, das mir sagt: Gott ist da und sieht mich freundlich an. Und dann werde ich still - und höre - und warte, was passiert. Ich bin überzeugt: Gott mag neugierige Menschen. Besonders, wenn sie das Kind in sich bewahrt haben. Schwarz auf weiß nachzulesen bei Markus im zehnten Kapitel:

„Lasst die Kinder doch zu mir kommen

 und hindert sie nicht daran;

 denn für Menschen wie sie

 steht Gottes neue Welt offen.

 Ich versichere euch:

 Wer sich Gottes neue Welt

 nicht schenken lässt wie ein Kind,

 wird niemals hineinkommen.

 Dann nahm er die Kinder in die Arme,

 legte ihnen die Hände auf

 und segnete sie.“

 

Solche Neugier, solches Fragen und solchen Segen wünsche ich auch Ihnen und Euch! Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 10.07.2018

Unser Körper besteht zu einem Großteil aus Flüssigkeit – so um die 75 Prozent. Die Salatgurke schafft immerhin 97 Prozent.

Aber auch wir Menschen sind eigentlich - abgesehen von den Knochen und ein paar Organen - gewissermaßen wandelnde Wasserkörper.

Wie ein Reifen die Luft braucht, so braucht unser Körper Wasser. Spucke für den Mund. Tränen für die Augen. Schweiß für die Haut. Wenn wir mit dem Trinken aufhören, meldet sich unser Körper deutlich: Trockener Mund, dicke Zunge, benommener Kopf, schwache Knie, welke Haut. Die Zellen melden dem Kopf: „Wir brauchen Wasser!“ Der Durst sagt uns, dass wir Mangel leiden. Durst ist ein „Flüssigkeitsmangelanzeiger“. Denn hätten wir keinen Durst, würden wir sterben.

 Nun heißt es in der Bibel aber auch: „Meine Seele dürstet“. Nicht nur der Körper teilt uns mit, wenn Flüssigkeit fehlt. Auch unsere Seele meldet sich, wenn sie versorgt werden will. Mein vertrocknetes Herz sendet verzweifelte Botschaften. Wenn ich mich zum Beispiel gestritten habe. Dann bin ich innerlich unruhig, gehe in Gedanken rastlos hin und her und werde von meinem schlechten Gewissen geplagt. Manchmal bin ich bitter gegenüber dem anderen und mir selbst, habe Angst vor dem, was auf mich zukommt. All das sind Warnzeichen. Symptome „innerer Trockenheit“.

 „Meine Seele dürstet“ - wie wäre es, wenn ich den Kummer meines Herzens nicht als

Schicksal betrachte, sondern als einen inneren Durst, der gestillt werden will?

Immerhin spricht Gott doch in dem Vers, der über diesem Jahr 2018 steht, in der Jahreslosung, etwas sehr Spannendes. Er spricht Gott in diesem Vers von Wasser, das den Durst unserer Seele stillt und unser vertrocknetes Herz befeuchtet:

Ich will dem Durstigen geben

 von der Quelle des lebendigen Wassers

 umsonst.“ (Offenbarung 21,6).

Lebendiges Wasser für meine Seele. Danach sehne ich mich. Wegspülen, was mich innerlich austrocknet und bitter macht. Das verkrustete Gewissen erweichen. Mein erstarrtes Herz berühren. Denn alles das traue ich dem lebendigen Wasser zu. Das traue ich dem Wort zu, das Gott zu mir spricht. Ich lese es in der Bibel. Ich höre es in der Predigt oder Andacht; oftmals ganz unverhofft in der Tageslosung. Gottes Wort möchte mein Inneres erreichen und meinen Seelen-Durst stillen.

 

Davon nehme ich gerne einen tüchtigen Schluck …und gebe auch den anderen davon ab.  -  Denkt sich Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 03.07.2018

Das politische Hin und Her der letzten Wochen … und vor allen des Wochenanfangs jetzt … lässt mich staunend zurück. Stimmt denn der Satz jetzt nicht mehr, dass wir Deutschen grundsätzlich sehr tolerant sind? Neun von zehn Personen befürworteten vor kurzem noch  Glaubensfreiheit. Rede- und Meinungsfreiheit galten bis jetzt als hohe Güter des Zusammenlebens. Die übergroße Mehrheit der Deutschen konnte daher scheinbar problemlos tolerieren, dass andere Menschen andere Meinungen haben oder an etwas Anderes glauben als sie. - Da, wo es konkret wird, sehen diese Zahlen allerdings völlig anders aus: Nur jeder Vierte von uns befürwortet beispielsweise Moscheebauten und noch weniger den Bau von Minaretten. Und knapp die Hälfte aller Deutschen ist der Ansicht, dass die Ausübung islamischen Glaubens eingeschränkt werden muss. Wenn es also um die konkrete Praxis geht, kommt Toleranz schnell an ihre Grenzen. Toleranz ist nicht leicht. Denn Toleranz ist nicht Gleichgültigkeit. Was mir egal ist, muss ich nicht tolerieren. Toleranz ist aber auch nicht Wertschätzung. Sondern Toleranz bedeutet, dass ich etwas dulde, was ich nicht gut finde. Sinnvoll ist es also, zwischen ‚Toleranz‘ und ‚Anerkennung‘ zu unterscheiden. Manches Fremde kann ich anerkennen und wertschätzen. Anderes gefällt mir nicht, aber ich kann es tolerieren. Ich tue mich beispielsweise schwer damit, dass meine Schwester ein großer Fan von Tieren aller Art ist – speziell in der eigenen Wohnung und auf dem Balkon. Das ist meins nicht; zumal man vor dem Urlaub dann immer auch noch nach ‚Tier-Sittern‘ für die Menagerie suchen muss. Aber ich kann es tolerieren.

 

Doch Toleranz stellt immer eine Herausforderung dar. Denn wer tolerant ist, dem ist es weder einfach egal, was der andere glaubt, sagt oder tut. Noch hält er es für gut. Wer tolerant ist, duldet etwas, dem er nicht zustimmt. Damit ist Toleranz eine Haltung, die mir einiges abverlangt. Und natürlich gibt es Grenzen von Toleranz. Dort, wo Gewalt mit im Spiel ist. Wo die Gleichberechtigung aller Menschen geleugnet wird. Rassismus z.B. darf nicht toleriert werden. Toleranz macht in meinen Augen überhaupt nur dann Sinn, wenn sie einem bestimmten Zweck dient. Dieser Zweck ist der Schutz unserer freien demokratischen Gesellschaft, in der allen Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte zugesprochen werden. Und diese sind absolut unabhängig vom Ort der Geburt, von der Sprache und der Hautfarbe. Selbst einigen Bayern gegenüber kann man tolerant sein; ob’s zielführend ist, ist eine ganz andere Frage.   Findet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 19.06.2018

Gottes Segen … auf allen Wegen

In den vergangenen zwei Wochen war ich auf einem Pilgerweg zwischen Volkenroda in Thüringen und Loccum westlich von Hannover unterwegs. Von Kloster zu Kloster, von Kirche zu Kirche. An vielen dieser kirchlichen Orte evangelischer wie auch katholischer Prägung gab es neben einem Pilgerbuch mit Pilgerstempel ein Körbchen oder eine Schale mit den oben zu sehenden Bändern fürs Handgelenk: „Gott segne und behüte dich.“

Dieser Text findet sich auch auf zwei kleinen aufgerollten Silberblechen, die vor bald 4o Jahren in einem Familiengrab in Hinnomtal unterhalb der Jerusalemer Altstadt gefunden wurden. Sie sollen nach Auskunft der Archäologen um das Jahr 6oo vor Christi Geburt angefertigt worden sein … und enthalten einen kurzen Text - nämlich den aaronitischen Segen.

Von diesem Segen sagt die Bibel im vierten Buch Mose, dass er von Gott stammt:

„Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.“ (Numeri 6,22-27).

Wenn im Alten Testament vom „Namen des Herrn“ die Rede ist, ist damit Gott selbst gemeint. Wann immer der aaronitische Segen im jüdischen oder christlichen Gottesdienst erklingt, wird verheißen, dass Gott selbst gegenwärtig ist, dass er mich mit seinem Segen umhüllt und begleitet.

Aus vielen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen weiß ich, dass ein persönlich ausgesprochener Segen für sie ganz wichtig ist. Darum ist es für viele so wohltuend, wenn ihnen der Segen Gottes zugesprochen wird – bei der Taufe, bei der Konfirmation, bei der Eheschließung wie auch nach jedem Gottesdienst … oder auch im Rahmen eines seelsorglichen Gespräches. Die Wirksamkeit dieses Segenszuspruchs ist zwar objektiv nicht messbar, aber er bestärkt Menschen; er  baut sie – und auch mich selbst - auf und begleitet sie. – Wie schön, wenn man sich an das zugesagte und zugesprochene Dabei-Sein Gottes erinnern darf … mit einem auf Silberblech gravierten Spruch, der wohl zum Amulett gerollt um den Hals getragen wurde, … oder mit einem gewobenen Bändchen am Handgelenk, wenn man mit Gott unterwegs ist. – Die Wirksamkeit der Zusage hängt aber nicht von diesen Erinnerungszeichen ab; sie helfen ‚nur‘ dabei.

 

Ich wünsche Ihnen und Euch, dass Sie, dass Ihr von Gottes Segen begleitet eine gute Woche haben/habt.  Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Vikarin Bast 12.06.2018

Ich bin ein Königskind!

Wer träumte nicht schon einmal davon Königskind zu sein: Die schönsten Kleider tragen, jeden Wunsch erfüllt bekommen und in einem wunderschönen Schloss wohnen, wo jeden Tag ein anderes Abenteuer wartet oder der ganze Tag Wellness angesagt ist?!

Ich bin ein Königskind!

Spricht da der frisch verheiratete Prinz Harry? Oder Prinz William? Denn… wer ist denn wirklich ein Königskind?! Ich jedenfalls nicht, denken Sie jetzt vielleicht.

Die Bibel weiß da mehr: „Ich bin ein Königskind!“. Das können wir (!) von uns (!) sagen. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Ich entdecke bereits erste Königskinder-Spuren, wenn ich die Bibel ganz vorne aufschlage. Da heißt es in 1. Mose 1,27: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“ Wir sind nicht

 irgendein Geschöpf, das eben auch noch die Erde bevölkern soll. Nein. Gott machte uns zu seinen Stellvertretern auf der Erde. Er vertraut sie uns an und gibt uns den Auftrag, gut für die Erde und alle Bewohner darauf zu sorgen. In Psalm 8,6 heißt es: „Du hast ihn wenig geringer gemacht als Gott, mit Ehre und Hoheit hast du ihn gekrönt.“ Wow, da sind wir echt „gekrönt“, ganz schön „nuff glupft“ (auf Hochdeutsch: „hoch gehoben“).

Und gleichzeitig: Ganz schön gefordert! Das klingt nach Verantwortung… und das ist es auch. Auch Prinz William oder Prinz Harry können ein Lied davon singen, dass Königskind-Sein nicht nur angenehme Seiten hat. Ich habe Rechte – und ich habe Pflichten. Aus der schöne Traum vom Königskind-Sein?!

Auch das Neue Testament will uns bekräftigen zu sagen: „Ich bin ein Königskind!“. Denn „seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“ (1 Joh 3,1) Wir sind Kinder von diesem Gott, der König der ganzen Erde ist (Psalm 47,3). Weil er uns liebt.

Darum glaube ich auch, können wir die Aufgaben, die er uns gibt, getrost annehmen. Zum einen traut Gott sie uns zu. Zum anderen liebt er uns und wir können um Seine Kraft und Hilfe dafür bitten. Wenn wir einmal scheitern sollten, bin ich mir sicher, dass er uns als guter Vater und König wieder aufhilft. Also, ran an den Speck!

Mit königlichen Grüßen

 

Ihre und Eure Vikarin Ulrike Bast

Gedanken Vikarin Bast 05.06.2018

Lebensmitte(l)

Ich stehe im Supermarkt. Und es quält mich mal wieder die Frage: „Was nehme ich denn jetzt?!“ Ich muss zugeben: Einkaufen stresst mich. Ich will die richtige Kauf-Entscheidung treffen und gleichzeitig auch noch schnell mit dem Einkaufen fertig sein.

Lebensmitte? Lebensmittel? Haben Sie sich das auch schon mal gefragt?

Was ist meine Lebensmitte? Worum dreht sich mein Leben? Was ist mein Mittelpunkt? Und wo bin ich geerdet?

Und: Was sind die „Mittel“ die ich zum „Leben“ brauche? Was sind meine „Lebensmittel“? Was brauche ich zum Leben? Auf was wöllte ich unter keinen Umständen verzichten?

Nur ein Buchstabe unterscheidet die Worte. Das „L“. Dieser Buchstabe lässt zwei ganz unterschiedliche Worte entstehen. Und gleichzeitig meine ich, die Lebensmitte und die Lebensmittel hängen zusammen.

Da sagt auch die Bibel manches dazu… Jesus vergleicht unser Sorgen um das, was wir haben -oder haben wöllten- mit einem reichen Menschen (Lk 12,16-21). Der Reiche spart seinen ganzen Reichtum und wähnt sich sicher. So sorgt er am besten für sein Leben, meint er. Doch die Rechnung geht nicht auf. Jesus will damit klar machen: „Auch wenn jemand im Überfluss lebt: Sein Leben hängt nicht von dem ab, was er besitzt.« (Lk 12,15).

Wenn ich dann mal wieder gestresst im Supermarkt stehe, rufe ich mir das manchmal in Erinnerung: Liebe Ulrike, von dieser Entscheidung wird nicht die Welt untergehen und dein Leben hängt auch nicht davon ab…

Oder doch?!

Das frage ich Sie!

Und zwar wird es im nächsten kreuz+quer-Gottesdienst um dieses Thema gehen: Lebensmitte(l). Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam diesen Gottesdienst feiern und uns in das Thema auch mithilfe eines Anspiels und moderneren christlichen Liedern vertiefen.

Herzliche Einladung dazu!

 

Seien Sie/ Seid herzlich gegrüßt von Ihrer/ Eurer Vikarin Ulrike Bast

Gedanken Pfarrer Hofius 29.05.2018

„Kauf drei, zahl zwei“ – will sagen; Das dritte Produkt gibt’s gratis. – Ist das wirklich so? – Wenn mir etwas umsonst angeboten wird, bin ich meist skeptisch. Wirklich gratis? Die dritte Jeans im Kleidergeschäft ist es jedenfalls nicht; die habe ich bereits vorher dadurch bezahlt, dass ich die anderen beiden kaufe.

Werbegeschenke sind umsonst; aber dafür auch nichts wert … und meist recht schnell defekt.

Ich frage mich: Gibt es das eigentlich: Die Kombination von umsonst und dennoch wertvoll? Gratis und ohne versteckte Kosten?

Ich denke nach … und komme … auf … Heckenrosen am Wegesrand – sie blühen wunderschön und ich freue mich darüber.

Ich erinnere mich an einen alten Herrn, der mich letzte Woche in Belgien freundlich angelächelt hat.

Und dann fällt mir der Herr ein, der uns ob des überfüllten Campingplatzes den Rasenparkplatz vor seinem Schrebergarten im Grünen angeboten hat – einfach so.

Und ich freue mich an der und über die Liebe der Einen, die mein Herz kennt.

Ich glaube, bei der Liebe und allem, was damit zusammenhängt, ist das so: Man kann sie nicht bezahlen. Man bekommt sie nicht, indem man etwas leistet oder irgendwelche Geschäfte macht. Denn Liebe schenkt gerne. Sie ist kostbar und unbezahlbar.

 

Daran erinnert die Jahreslosung für dieses Jahr 2018: Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

Gott gibt umsonst. Als Geschenk. - Was er gibt, ist kostbar. In der Wüste weiß man, dass Wasser kostbar ist. Und es wird global immer wertvoller, wie uns Experten sagen. Inzwischen kämpfen Menschen darum, wer Zugang zu Wasserquellen bekommt.

Das lebendige Wasser, das Gott uns anbietet, ist wertvoll.

Und Gott schenkt es, weil er liebt – Dich, mich, uns. Was er schenkt, ist nicht zu bezahlen. Dafür gibt es keine Währung.

Gott liebt, indem er schenkt. Wasser des Lebens. Ewiges Leben von ihm für uns. Gott schenkt das Kostbarste umsonst! Gratis. Aus Gnade. Ohne versteckte Kosten.

Hoffentlich kann ich bei etwas derart Wertvollem meine Skepsis ablegen!

 

 

Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 21.05.2018

Freuen dürfen sich alle, denen Gott ihr Unrecht vergeben und ihre Verfehlungen zugedeckt hat!

(Psalm32,1 in der Gute Nachricht – Übersetzung)

 Unter diesem Tagesspruch für den 24. Mai diesen Jahres steht in meinen Losungsbüchlein folgende Geschichte:

 „Simon, der Pharisäer, erzählt:

Als Jesus damals zu mir zu Besuch kam, war ich sehr stolz. So ein bekannter Gast! Aber, oh, der Abend wurde ein absolutes Fiasko. Wobei: Gelernt habe ich viel!

Wir hatten uns gerade zum Essen hingelegt, da kam diese Frau, eine stadtbekannte Prostituierte, herein. Sie begann, Jesus mit ihren Tränen die Füße zu waschen, trocknete sie mit ihren Haaren und cremte ihn mit einem teuren Öl ein.

Mir war das so schrecklich peinlich. »Jesus muss doch wissen, dass sie eine Hure ist!«, dachte ich. Immerhin war er doch der große Prophet. Ich hätte ihn am liebsten rausgeschmissen. War enttäuscht von ihm, dass er sie nicht zurückwies.

Aber dann fragte er mich, wer wohl glücklicher sei: einer, der sich ein bisschen Geld geliehen hat und es nicht zurückbezahlen muss, oder einer, der sich einen Haufen Geld geliehen hat und das nicht zurückzahlen muss? Die Antwort war ja klar: der, der mehr nicht zurückgeben muss. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Natürlich, sie war dankbar, so, so dankbar, weil Jesus ihr ihre Schuld vergeben hat. Und ich hatte meine Lektion auch gelernt: Nicht so schnell verurteilen. Ein zweiter, ein anderer Blick ist manchmal der viel bessere.“

(erzählt nach dem 7. Kapitel des Lukasevangeliums)

 

Vielleicht gar nicht so schlecht – auch für uns: Einen zweiten – wenn auch kritischen – Blick auf die Dinge zu werfen. Und erst danach zu ‚urteilen‘.

 

 

Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 15.05.2018

An wen oder was glaube ich / glauben wir – und warum?

Am vergangenen Sonntag Gottesdienst mit drei Taufen bei uns in Nebringen. Fester Bestandteil der Taufliturgie ist das Glaubensbekenntnis. Formuliert wurde es im Konzil von Konstantinopel (heute Istanbul) im Jahre 381. Dort heißt es: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“ [So steht’s auf dem Bildchen in dem unteren großen Kreis auf lateinisch.]

Eine Kirche – die Einheit der Christen ist nicht eine Option, die man treffen oder auch lassen könnte, sondern eine Aufgabe und Verpflichtung, die sich aus dem Testament Jesu ergibt, der will, „dass alle eins seien (...), damit die Welt glaube“ (Joh 17, 21). Um der Glaubwürdigkeit des Evangeliums Willen ist die Einheit der Christen also nötig. Andernfalls wäre nicht sichtbar, was Kirche ausmacht: „ein Leib und ein Geist (...), ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ -wie es im Epheser-Brief heißt (Eph 4, 4f).

Evangelische Christen reiben sich vielleicht eher an dem Wort „katholisch“. „Ich bin nicht katholisch, ich gehöre der evangelischen Kirche an“, könnten sie sagen. – Leider immer noch ein Missverständnis … auf beiden Seiten! Denn dieses „katholisch“ in Abgrenzung zu „evangelisch“ zu verstehen, das hat dann dazu geführt, dass der Satz in den evangelisch-lutherischen Kirchen also „die heilige christliche Kirche“ gesprochen wird. Die evangelisch-reformierten Kirchen sprechen von der „allgemeinen Kirche“. Denn das ist der Wortsinn des griechischen „katholisch“: kathhólon - über das Ganze hin. Als „ganzheitlich, allgemein, allumfassend, weltweit“ hat sich die Kirche von Anfang an verstanden. So gibt der auferstandene Christus den Aposteln den Auftrag: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Die Kirche ist also seit Anfang an schon Weltkirche: nicht Landeskirche, gebunden an ein begrenztes Territorium; nicht Staatskirche, gebunden an eine staatliche Autorität; nicht Nationalkirche, gebunden an ein bestimmtes Volk und seine Kultur; sondern gesandt zu allen Völkern, offen für alle Kulturen. In ihrer 2ooo-jährigen Geschichte hat diese weltoffene Kirche es mal besser, mal schlechter verstanden, sich zu inkulturieren, also in wechselnden Zeiten und unterschiedlichen Kulturen Wurzeln zu schlagen und diese Kulturen von innen her zu prägen. Die äußere Gestalt von Kirche kann darum sehr verschieden aussehen - gerade weil sie „katholisch“, also allumfassend ist. Im Kern ist und bleibt sie dieselbe.

Andere stoßen sich noch mehr an dem Wörtchen „heilig“: Wie heilig ist denn die Kirche, egal ob katholisch oder evangelisch oder sonst was? Bietet die Kirche, bieten die Kirchen nicht immer wieder ein Bild, das an ihrer Heiligkeit zweifeln lässt?

Berechtigte Fragen. – Und zugleich wieder ein Missverständnis: „Die Kirche“, das ist in den Augen der meisten zunächst mal die „Amtskirche“ -also die Institution mit ihrem Personal, ihren Gebäuden und Finanzen, ihren Strukturen und Einrichtungen. Daran muss ich nicht glauben; das kann ich wissen. All das ist ja sichtbar, bekannt und nachprüfbar.

Aber dass die Kirche, die „unam sanctam et catholicam et apostolicam ecclesiam“ nicht nur Menschenwerk ist, sondern Gottes Projekt in dieser Welt, das kann ich nicht wissen. Das lässt sich nicht an ihrer äußeren verfassten Gestalt ablesen, die oft genug allzu Menschliches zu erkennen gibt. Dass diese konkrete Kirche von ihrem Ursprung her und durch ihre ganze wechselhafte und oft verworrene Geschichte hindurch bis heute ein Werk des Heiligen Geistes ist, das kann ich nur glauben. Das ist eine Zumutung des Glaubens, ähnlich wie die Jungfrauengeburt oder die Auferstehung Christi. Das kann ich nur glauben, wenn ich glaube, dass Gott sich durch seine Menschwerdung so sehr auf diese Erde und diese Menschheit eingelassen hat, dass er definitiv nicht mehr von außen oder von oben eingreift, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Sondern dass er in der Geschichte und durch die Geschichte hindurch mit uns Menschen zusammen seine Sache voranbringen will.

Dafür genügt nicht eine Idee. Dafür braucht es Menschen, die sich bewegen lassen und in seinem Geist handeln. Kirche, das ist die Gemeinschaft derer, die an Gottes neue Welt glauben. Kirche, das ist Weg-Gemeinschaft derer, die die Hoffnung für diese Welt noch nicht aufgegeben haben.

Und da macht’s ‚Spaß‘ und tut’s gut, immer wieder neue Menschen in diese Gemeinschaft hineinnehmen und für ihren Weg mit Gott segnen zu dürfen. Auf dass wir miteinander unserem Ziel näherkommen können: Dem Sein bei und mit Gott!

 

Darüber freute sich Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius!

Gedanken Pfarrer Hofius 09.05.2018

„Reif für die Insel“, das sagt man so daher. Wenn man erschöpft ist, wenn um einen herum ganz viel Trubel ist. Vielleicht auch, wenn man Sehnsucht nach einem anderen Leben hat. Einfach mal raus - weg aus dem Alltag - hinein ins Paradies. Und wenn es nur ein paar Tage sind. Etwas Abwechslung, sich entspannen, erholen.

Nicht immer kann ich aber auf Reisen gehen, wenn ich das wünsche. Zumindest nicht weit weg. Auf eine  Reise gehe ich trotzdem. Nicht in die Ferne, sondern ganz nah bei mir.

Eine Reise nach innen. Und schon finde ich auch dort wohltuende Inseln. Ob sie mir Gott dort hinein geschaffen hat? Da sind die Inseln der Erinnerungen und der positiven Erfahrungen. Wann habe ich Liebe erfahren? Wo ist mir etwas gut gelungen? Wie habe ich eine Krise überwunden? Wer hat meine Kinderzeit glücklich gemacht? Ich schließe für einen Moment die Augen … und gehe auf Reisen zurück in meine Kindheit. … In der Ferne höre ich es noch, dieses:

Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen, weiten Meer.

 Mit vier Tunneln und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr.

 Nun, wie mag die Insel heißen? Ringsherum ist schöner Strand.

 Jeder sollte einmal reisen in das schöne Lummerland.

Ach ja, Lummerland. Eine der Inseln meiner Kindheit. Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. - Und ich sehe plötzlich auch mich, den kleinen Jungen , der staunt, lacht und weint, ehrlich mitfühlt. Da ist das innere Kind, das - Gott sei Dank - noch in mir ist. … Kindergottesdienstbilder tauchen auf: Jesus als kleines Baby in der Krippe, als Zwölfjähriger im Tempel … und Jesus selbst, wie er Kinder zu sich ruft und sie segnet. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder.“

Viele biblische Texte zum Kind-Sein gibt es in der Bibel leider nicht. Aber Kinder haben bei Jesus, haben bei Gott ihren Platz. Eben nicht am Rande, sondern mittendrin. Und da, in dieser Mitte ist viel Platz. So etwas wie eine große Lummerland-Insel für kleine und für große Kinder, für Kindheitserinnerungen, verletzte Seelen … und auch für mein inneres Kind.

Das da sein darf, wie es ist. Das sich begleitet und geliebt erfahren darf im Spielen, im Lernen und bei komplizierten Aufgaben. Und auch wenn manches zum Weinen oder schlicht ‚doof‘ ist, ist Gott doch mit dabei und hält das aus. Denn er beschützt und behütet - heute, morgen und alle Zeit.

 

Amen. Ja, so sei es.    -   Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 26.04.2018

Bei weit über einer Million Menschen liegen sie auf dem Frühstückstisch, erscheinen sie auf dem Smartphone, stecken sie im Rucksack, sind sie die erste eMail-Nachricht des Tages oder Ausgangspunkt einer gemeinsamen Andacht auf einer Fortbildung, im Büro, in der Schule, im Krankenhaus … die Losungen. Einige wenige Worte aus der Bibel verbinden Tag für Tag weltweit Menschen unterschiedlicher Konfession, unterschiedlicher Kultur und unterschiedlicher Frömmigkeit.

Das Datum der ersten Losung steht fest: Am 3. Mai 1728 – also vor nunmehr 29o Jahren - : Bei der abendlichen Versammlung in Herrnhut, im sächsischen Landkreis Görlitz in der Oberlausitz zentral zwischen den Städten Löbau und Zittau gelegen, verkündete Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (17oo-176o), der Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine (ja, ohne ‚d‘!), den versammelten Menschen ein kurzes Wort für den kommenden Tag. Damit begann die beispiellose Geschichte der Losungen. - Bald schon wollten die Herrnhuter auf die »Parole für den Tag« nicht mehr verzichten. Die Losungen wurden zu einem wichtigen Kommunikationsmittel. Zinzendorf nannte sie »fortgesetzte Gespräche des Heilands mit der Gemeinde«. Er empfahl, dass sie »ins Gemüt und ins Herz« hineingenommen werden.

1731 wurde die erste gedruckte Losung herausgegeben. Seit diesem Jahr erscheinen die Losungen ohne Unterbrechung, Jahr für Jahr. Mit der Herrnhuter Missionsarbeit, die 1732 beginnt, wurden dann die Weichen für die weltweite Verbreitung der Losungen gestellt.

Die äußere Gestalt der Losungen wandelte sich in den vergangenen 287 Jahren immer wieder. Auch inhaltlich gab es Veränderungen. Heute haben sie für jeden Tag des Jahres je ein Bibelwort aus dem Alten und dem Neuen Testament sowie einen Liedvers oder ein Gebet. Dabei wird die alttestamentliche »Losung« aus 1824 Bibelversen gelost. Danach werden der neutestamentliche »Lehrtext« und der »Dritttext« thematisch dazu passend ausgewählt.

Zum 25o-jährigen Jubiläum widmete die Deutsche Bundespost den Losungen eine Sonderbriefmarke. - Briefmarken sind heute weitestgehend nicht mehr ‚in‘; die Losungen sind es sehr wohl! … Vielleicht ja auch bald bei Ihnen? Schreiben Sie mir doch Ihre Erfahrungen mit den Losungen! 

 

  Ihr Pfarrer Christoph.Hofius@elkw.de .

Gedanken Pfarrer Hofius 17.04.2018

Taufe und Konfirmation

In einem Bleiglasfenster im Seitenschiff der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Nideggen in der Eifel ist es abgebildet: Ein weißes Taufkleid, das aus dem Wasser der Taufe durch ein dahinterliegendes helles Dreieck emporgezogen wird.

 

Manche Familien haben es auch heute noch: Ein Taufkleid, das von Generation zu Generation weitergegeben wird -. Der meist weiße Stoff ist alt, die zarten Spitzen oft ein Kunstwerk. Und manchmal ist das Kleid für das kleine Kind viel zu lang. Das muss wohl so sein. Groß und unvorstellbar ist das, was wir mit der Taufe feiern. Kaum zu fassen ist das: Dass in der Taufe ein Identitätswechsel geschieht.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.

 Altes ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ so beschreibt Paulus die Veränderung in 2. Korinther 5,17. – Für die Eltern kommt dieses „Neue“ schon mit der Geburt eines Kindes. Das „Neue“ der Taufe wird auch im Taufkleid sichtbar, als Kleid Jesu Christi. Und ja, das ist groß. „So wie wir mit Jesus in den Tod hinein getauft sind, so werden wir durch die Auferstehung Jesu Christi hineingezogen in das Licht Gottes, damit auch wir in einem neuen Leben wandeln“, erklärt Pau-lus in Römer 6,1-11. Gott widersprach dem Tod, gab sich nicht zufrieden mit: „Alles halb so schlimm.“ In Jesus Christus bricht die Gotteszeit in der Weltenzeit hervor. Das feiern wir am Taufbecken, weil sich hier ein neuer Hoffnungsraum eröffnet.

 Als Christen, als Getaufte sind wir berufen, in einem neuen Leben unter Gottes Verheißung zu wandeln. – Darauf werden Jugendliche bei ihrer Konfirmation angesprochen; und sie werden an die Taufe erinnert, in der sich Gott ihnen deutlich sichtbar zugewandt und an ihre Seite gestellt hat … oder sie an die seine. Und trotzdem sind wir alle mal zweifelnd oder verunsichert, dann wieder energisch und kraftvoll. … Doch wir sind gerade so, wie wir sind, in der Taufe in dieses manchmal viel zu groß scheinende Kleid Gottes eingehüllt worden. Denn es geht um viel: Unter Gottes Verheißung können wir Mitgefühl wagen. Wir dürfen den Unkundigen eine Stimme geben und den Wortführern widersprechen; weil wir doch in dieser Welt nicht von dieser Welt sind. Wir sind gegründet im Himmel, bei Gott. Und deshalb dürfen und können wir hartnäckig von einer Welt in Frieden träumen. Wir können gemeinsam träumen und handeln, hineingestellt  in die Gemeinschaft der Getauften -  ob sie auf in der Ukraine, in Armenien oder Ägypten leben … oder in Syrien mit ihren Nachbarn leiden.

 Mir gefällt die Tradition der Taufkleider. Auf manch altem Familientaufkleid sind – zumal im Norden unseres Landes - die Namen all derer liebevoll eingestickt, die schon früher darin getauft wurden. Das will daran erinnern: Niemand macht sich allein auf den Weg. Da sind Vorgängerinnen und Weggefährten, die weiter hofften - und für morgen Besseres erwarten als heute ist. - Ihnen sind wir vielleicht nicht familiär, wohl aber im Glauben und der Hoffnung und in unserem Auftrag verbunden.

 

 Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius … - … und lädt herzlich zur Konfirmation mit Taufe am Sonntag, 22. April 2018, in die Stephanskirche ein.

Gedanken Pfarrer Hofius 10.04.2018

Christus … und sein Freund

Bei der Beschäftigung mit der Predigt für den Katechismus-Gottesdienst am kommenden Sonntag fiel mir eine uralte Ikone aus Ägypten ein; es ist die älteste bekannte koptische Ikone. Im Jahr 19oo wurde sie in den Ruinen des Apollon-Klosters in Bawit gefunden … und ist heute im Louvre in Paris zu sehen. 

Sie zeigt vor einem dunklen, hügligen Hintergrund zwei Personen - einen Älteren und einen Jüngeren. Nah beieinander stehen sie … und der eine legt dem andern die Hand auf die Schulter. Neben diesem Jüngeren steht in griechischen Buchstaben das Wort  „ΨΩΤΗΡ“ (SOTER) = „Retter / Erlöser“; das ist also Christus. Er ist auch gut zu erkennen an dem Kreuz im Heiligenschein.

Neben ihm steht – auf Augenhöhe – der Abbas Menas, der Klostervorsteher. Dieser ist auch schon verstorben – das zeigt sein Nimbus, sein ‚Heiligenschein‘ an; und daneben steht „ΑΠΑ ΜΗΝΑ ΠΡΟΕΙCΤΟC“ (APA MENA PROEISTOS), „Vater Menas, Wächter“. Der Legende nach soll er im 3. Jahrhundert als römischer Soldat gedient und sich später als Einsiedler in die Wüste zurückgezogen haben.

 

Jesus hält in der linken Hand das kostbare Evangelienbuch. Seine Rechte hat er liebevoll auf die Schulter des Menas gelegt. So stehen sie nicht nur nebeneinander, sondern sind eng miteinander verbunden. Und wer genau hinschaut, der sieht, dass Menas seine rechte Hand zum Segen erhebt – gerade so, wie Christus sonst auf Ikonen im Segensgestus dargestellt wird. Er kann es einzig und allein deshalb, weil Jesus ihm die Hand auf die Schulter gelegt hat. So fließt der Segen Jesu durch ihn auf die Gemeinde.

 

Eine tiefe Wahrheit bringt diese Ikone zum Ausdruck: Kein Mensch könnte zum Segen wirken, wenn nicht Christus neben ihm stünde und ihm die Hand auf die Schulter gelegt hätte. Und kein Gottesdienst könnte gefeiert werden, kein Segen zugesprochen werden, wenn nicht Christus gegenwärtig wäre und den Segen schenkt.

 

Nur wenn und weil Christus bei ihm ist, kann Menas verkündigen (dazu hat er eine kleine Schriftrolle in seiner Linken!) und auch den Segen spenden. – Er kann es, weil dem auferstandenen, allmächtigen, unsichtbaren Christus, dem Retter der Welt, an der Freundschaft mit jedem einzelnen Menschen liegt.

Freundschaft – das bedeutet doch:

            Beziehung auf Augenhöhe.

            Sich kennen.

            Vertrauen.

            Einander alles erzählen.

            Zuhören.

            Für den anderen einstehen.

            Ihm den Rücken stärken

 

Was wäre, wenn ich es wagte, mich an die Stelle von Menas zu denken? Dann würde ich ja sicht- und spürbar … an Christi Seite stehen, als seine Freundin / sein Freund, ganz nah, und er legte seine Hand auf meine Schulter. – Ein Gedanke, der mir keine Angst macht. Ein Gedanke, bei dem mir wohlig warm wird.

 

Und dann entdecke ich noch etwas: Menas und Christus sehen einander ziemlich ähnlich. - Vielleicht wird man so, wenn man lange Zeit gemeinsam durch dick und dünn gegangen ist. Ich stell’ mir vor: Als Menas auf grausame Weise als Märtyrer starb, weil er seine Freundschaft zu Christus nicht verraten wollte, da hat dieser wieder seinen Arm um dessen Schulter gelegt und ihn nach Hause geholt … und allen in der himmlischen Welt verkündet: „Das ist Menas – er ist mein Freund!“

 

 

„Welch ein Freund ist unser Jesus …“ (EG 642) – denkt und summt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 03.04.2018

Gibt es Österliches außerhalb der Evangelien?

Ein Besuch bei einen gut 9o-Jährige bleibt mir im Gedächtnis.

Er wiederholte während unseres Gesprächs immer wieder eine Wendung aus dem alttestamentlichen Hiob-Buch: „Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“ [Hiob 1,21 (Lutherübersetzung 2o17)]

Es war sozusagen das Lebensfazit dieses alten Mannes, der so viel mitgemacht und erlebt, ja, auch erlitten hatte. Er war der Letzte aus seiner Sippe. Sieben Geschwister waren verstorben: Von Krieg über Flucht bis Krebs. Eine Tochter tot geboren, ein Sohn mit 6o gestorben, ein Jahr vor unserem Gespräch dann seine Frau, aber keine Enkelkinder; so bilanzierte er nüchtern. „Das erklärt mir keiner, auch der da oben nicht“, kommentierte er mit Blick auf das Wandkreuz.

Doch er blühte geradezu auf, als er mir von seiner großen Leidenschaft, der Gärtnerei, erzählte. Im eigenen Garten hat er Gemüse aller Art angebaut und Blumen selbst gezogen. Hier hat er wohl eingeübt, wie geduldig man die Dinge wachsen lassen muss. Und bis ins hohe Alter war der wöchentliche Gottesdienstbesuch unverzichtbare Seelennahrung: „Den Herrgott darf man nie vergessen“, sagte er.

Bei der Erinnerung an diesen Besuch fällt mir dann auch immer wieder der Apostel Paulus ein, der solche „Brüche“ im Leben auch kannte. Vor diesem Hintergrund rang er in seinen Briefen um Tod und Auferstehung. Denn immer wieder stehen wir Christen in der Versuchung, Gott in unsere Vorstellungen von Welt oder von einem gelungenen Leben zu verrechnen. Immer wieder sind wir dabei, uns behaglich einzurichten  bei Gott – und zwar gerade so, wie wir ihn brauchen.

Paulus dagegen führt uns tiefer hinein in einen Raum, wo es keine Geborgenheit gibt … und doch tiefste Geborgenheit; wo der Mensch verlischt und neu geschaffen wird; wo uns Gott begegnet - als Frage und offener Raum. – Und in diesem Raum plötzlich und unerwartet … Licht; helleres Licht als wir fassen können, Licht der Auferstehung.“

Eindrücklich ist, dass der alte Herr sich nicht von Gott abgewandt hat, als es unbehaglich wurde. – Darin ganz ähnlich dem Hiob, der von seiner Frau und dem Teufel in Gestalt eines Affen verspottet und zum Abfall von Gott aufgefordert wird (in Szene gesetzt im Altar des Doberaner Münsters). - Verstehbar wurden die Lebensbrüche für meinen Gesprächspartner zwar auch im Glauben nicht wirklich; doch er hat sie trotzdem immer mit Gott durchgestanden. Als hätte Paulus seinen Brief an die Korinther auch an ihn gerichtet:

Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit.

[1 Korinther 15,43 (Lutherübersetzung 2o17]

 Ja, es gibt Österliches auch außerhalb der Evangelien! Ein wacher Blick und offene Sinne helfen bei der Entdeckung.

 

Diese wünscht Ihnen, Euch und sich Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 27.03.2018

„Erde zur Erde  -  Asche zur Asche  -  Staub zum Staube“

und dann ‚vergessen und vorbei‘?

Diktaturen töten ihre Gegner nicht nur, sie wollen sie völlig auslöschen. Kein Grab, keine Gedenkstätte soll mehr an sie erinnern. Als im Juli 2017 der chinesische Bürgerrechtler, Dichter und Friedensnobelpreisträger Lui Xiaobo nach jahrelanger Haft starb, wurde seine Asche ins Meer gestreut. Seine Frau konnte nichts dagegen unternehmen … und muss bis heute einen hohen Preis für ihre Liebe zahlen: Sie lebt in Peking unter Hausarrest. Ihr einziges Vergehen besteht in der Liebe zu einem Mann, den der Staat hasst.

Diktaturen vernichten ihre Gegner, indem sie die Liebe durch Hass ersetzten. Aber es gelingt ihnen nicht immer. In seiner Schlusserklärung vor Gericht formuliert der Dichter an seine Frau gerichtet: „Selbst wenn man mich zu Staub zermahlt, werde ich dich noch mit meiner Asche umarmen“ (so zitierte ihn DIE ZEIT vom 20.12.2017).

 

Vor 4o Tagen traten wir mit dem Aschermittwoch ein in die Fastenzeit. Bei unseren katholischen Glaubensgeschwistern begann mit dem Zeichen der Asche auf der Stirn

ein Weg durch die Passionszeit, der wider Erwarten mit Erneuerung und Leben. am Ostermorgen an sein Ziel kommt. – „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.“ schreibt Paulus in 1. Korinther 1,18. Das, was in den Augen der Welt das absolute Ende bedeutet, der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit, ins Nichts, … wird nicht bloß eine Fußnote der Geschichte, sondern bildet das große ‚Plus‘, das in Zeit und Ewigkeit von Gottes Leben und Einsatz für uns spricht. Dieses kantige Holzgestell, an dem Jesus zu Tode gequält wurde, wurde schon bald zum Zeichen des wahren Lebens. Weil Jesu Tod aus Liebe geschah, um uns vor dem Tod zu bewahren, wurde aus grobem Holz ein Symbol für Heil und Erlösung. - Wir feiern Ostern, die Auferstehung unseres Herrn!. Auch sie geschieht ja aus Liebe; Liebe zu uns.

Diese Liebe kann so viel. Sie kann einen unbeweglichen Stein ins Rollen bringen, Sie und ich, wir dürfen dabei sein und das mitfeiern; dürfen es für die Welt und für uns als wahr erkennen und bekennen.

 

Asche und Holz genügen für die Liebe. Auch wenn unser Glaube oftmals nicht haltbarer ist als Asche und weit weniger kunstvoll als grobes Holz, auch wenn wir so oft mit leeren Händen dastehen: Ostern kommt, weil Ostern Auferstehung aus Liebe ist. - Für den chinesischen Friedensnobelpreisträger wird seine Asche zum tiefsten Zeichen seiner Liebe. Das kann Liebe: Aus dem, was andere verachten, schafft sie ein Symbol für das Leben: „Ich werde dich mit meiner Asche umarmen.“

Es ist der Auferstandene, der uns umarmt. Er tut es mit seinen Wunden. Mehr hat er nicht. Wo die Liebe ist, reicht alles aus. Da reichen sogar Wunden, um die ganze Welt zu retten.

 

 

Ich wünsche Ihnen und Euch gesegnete Kartage … und dann eine frohe und lebendige Osterzeit. Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 20.03.2018

Palmsonntag  -  Was soll das?

„Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ -Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht: „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

Die Pharisäer aber sprachen untereinander: „Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.“ “                                                      (Johannes 12,12-19)

 

Eigentlich kann sich Jesus jetzt im Erfolg sonnen. Ist das der Anfang einer steilen Karriere? Die Auferweckung des Lazarus hat sich herumgesprochen wie ein Lauffeuer. Die Leute strömen zu Jesus. Sie sind hellauf begeistert von ihm. Wenn Jesus jetzt in Bethanien eine Praxis als Heilpraktiker eröffnen würde, müsste er sich um Werbung kaum kümmern. Das Geschäft würde laufen. Das ist es doch, wovon viele träumen: Erfolg, Geld, Glück.

 

Warum aber greift Jesus nicht zu? Auch andere verlockende Möglichkeiten hätten sich Jesus geboten: Als der Teufel ihm in der Wüste alle Reiche der Welt bot, als Jesus im Garten Gethsemane hätte fliehen können, bevor man ihn festnahm, jetzt beim Einzug in Jerusalem und schließlich am Kreuz, wenn man ihm zurufen würde: „Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz!““ Die Leute hätten vielleicht Augen gemacht, wenn Jesus wirklich vom Kreuz gestiegen wäre! Warum tat er es nicht? - Antwort: Weil er nicht an sich dachte, sondern an uns. Jesus verzichtete für sich selbst auf Glück und Wohlstand … und ermöglichte dadurch unsere Rettung.

 

Als Jesus auf dem Esel in Jerusalem einritt, wusste er, dass sich die Laune des Volkes drehen würde wie das Fähnchen im Wind. Dieselben Menschen, die jetzt „Hosianna!“ riefen, würden in wenigen Tagen Kreuzige! schreien und die Hinrichtung fordern. - Was für ein Glück, dass Jesus anders war als wir es sind! Er schlängelte sich nicht auf dem Weg des geringsten Widerstandes entlang, sondern ging geradlinig den Weg der Liebe Gottes.

 

Denn wie ist das bei uns? Wie wechselhaft ist doch mein Glaube? Wenn ich im Gottesdienst bin, bekenne ich mich zu Jesus und lobe ihn öffentlich. Wenn ich in einer glaubenskritischen Umgebung bin, ... dann …?

Und wie wichtig ist es mir, Erfolg, Geld oder Reichtum zu bekommen?

 

Übrigens: Der Palmsonntag hat seinen Namen von den Palmzweigen, die das Volk beim Einzug in Jerusalem Jesus auf den Weg legt (neben den Kleidern, um das Stauben des Weges zu vermeiden; so wie heute in Analogie ein roter Teppich ausgebreitet wird).

Und dass der Messias auf einem Esel reiten wird, wird in Sacharja 9,9 vorausgesagt.

 

 

Geben wir am Sonntag doch ein öffentliches Bekenntnis zu Gott ab – auch wenn’s wegen der Umstellung auf die Sommerzeit eine Stunde ‚bälder‘ passiert. – Ich freue mich auf Sie und Euch!                Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 06.03.2018

Ein gutes Miteinander – das kann schön sein, bestärkend. Im Miteinander merke ich: Ich bin nicht allein. Es gibt andere, die die gleiche Wellenlänge haben wie ich. Wir ergänzen uns gut. Es gibt Freunde, die sich schützend vor mich stellen, wenn es hart auf hart kommt. Oder die mir helfen aufzustehen, wenn ich gefallen bin. Und es gibt Freunde, denen ich beistehen kann, wenn sie sich schlecht fühlen. Auch das kann schön sein: Das Gefühl, gebraucht zu werden … und helfen zu können.

Es gibt natürlich auch die andere Seite: Ein Miteinander, das anstrengend ist. Das herausfordert, das nervt, weil mir der andere auf den Geist geht. Der andere ist zu langsam, zu ‚korrekt‘, sehr bedacht und penibel. Jede Eventualität soll da im Vorfeld ausgeräumt werden; aber so ist ‚Leben‘ doch nicht – oder?!? Vielleich will ich anders oder schneller voranpreschen, aber ich muss warten … oder mich ändern.

Der Apostel Paulus, der ja viele Gemeinden kennengelernt hat, scheint einen realistischen Blick zu haben auf das Miteinander im Positiven wie im Negativen. Und darum schreibt er: „Ertragt einander  …  in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens!“ (Epheser 4,2b-3)  Dieser Satz steht in einem Zusammenhang, in dem es um die Einigkeit unter Christinnen und Christen geht. Wie in einer Ehe gibt es auch unter nicht-verheirateten Menschen im Miteinander Tage, an denen es nicht leicht fällt, sich zu ertragen - und gerade dann kann sich die Liebe bewähren. Das bedeutet auch, dass man sich nicht in jeder Kleinigkeit immer einig sein muss, sondern es geht um eine grundsätzliche Einigkeit, die es ermöglicht, auf Dauer miteinander im Frieden zu leben.

Das Miteinander muss ja keine 'rosige' Illusion sein; aber es muss und kann gelebt werden im Vertrauen darauf, dass die (von GOTT geschenkte) Liebe auch durch schwierigere Zeiten trägt. – Auch dann, wenn es punktuell manchmal nur darum zu gehen scheint, dass man sich erträgt, dass man sich aushält.

Ein gutes Miteinander durch die von Gott geschenkte Liebe?

Mich fasziniert, dass Jesus einzelne Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld herausruft und ihnen sagt, sie sollen ihm folgen. Und diese Menschen schließen sich ihm an und merken: Da sind auch schon andere, die ihm folgen. Ich bin da nicht allein. Und wenn Jesus seine Jünger dann aussendet, sendet er sie nicht alleine, sondern zu zweit oder zu dritt. Das kann schön sein, wenn man sich gegenseitig bestärkt. Das kann auch anstrengend sein, wenn man sich ertragen muss. – Das kann aber auch dazu führen, dass ich mehr über mich selbst erfahre, über meine Art, meinen Umfang mit Anderen, meine Stärken und auch Bedürftigkeiten.

Aber am Miteinander kann ich auch wachsen. Der andere korrigiert mich, macht mich auf Dinge aufmerksam, die ich selbst nicht sehe. Das ist manchmal hart. Aber es ist oft wie ein reinigendes Gewitter.

Miteinander – was wären wir Menschen ohne das Miteinander?

Miteinander – was wären wir Christinnen und Christen ohne das Miteinander mit unserem Herrn … und eben auch mit einander?

Denkt … und hofft … und wünscht Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius; und hat dabei im Hinterkopf auch noch 1.Petrus 4,10: „ … dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.

Gedanken Pfarrer Hofius 27.02.2018

„Gottes Schöpfung ist sehr gut“

So lautet das Motto des Weltgebetstags 2018, zu dem an diesem Freitag Frauen UND Männer herzlich zur Mitfeier eingeladen sind.

Und dieses Motto passt so gut zu Surinam. Denn die Natur ist einzigartig in diesem Land. Wer dort (mit wachen Sinnen) lebt, fühlt sich wohl im Paradies. Das kleinste Land Südamerikas hat eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Im Mittelpunkt des surinamischen Weltgebetstags-Gottesdienstes steht darum folgerichtig die Schöpfungsgeschichte. Und auf einmal lese ich diese ganz neu. Die Surinamerinnen teilen die Schöpfungserzählung nämlich neu ein. Es sind nicht die einzelnen Tage, die die Struktur geben, sondern Gottes Aussage: „Und siehe es war gut“ am Ende jeder Strophe. Und darauf antwortet die Gemeinde jedes Mal mit einem Lied: ‚Seht, alles, was Gott gemacht hat, ist wunderbar.‘

Jeder Teil, der geschaffen ist, ist gut. Jede Pflanze, jedes Tier, jeder Berg, jeder Mensch. - Die Surinamerinnen fordern uns mit ihrem Gottesdienst zuerst einmal dazu auf, die Schöpfung und ihre Schönheit zu loben. Denn: Wieviel leichter fällt es uns, für etwas zu sorgen, wenn wir dessen Schönheit und Einzigartigkeit erkannt haben. Erkannt haben, dass wir ein Teil davon sind - ein Teil der Schöpfung.

In einem Text der Gottesdienstordnung heißt es:

Und Gott sah alles an, was geschaffen war,

und sah: Es war alles sehr gut!

Gott schaut – und die Erde lebt aus Gottes Blick.

Gott sieht – Gott sieht auch dich.

Gott sieht dich als Teil dieser Schöpfung.

Du bist geschaffen nach Gottes Bild.

Alles, was ist, gehört zusammen.

Du gehörst zu dieser Erde,

zu ihrer strahlenden Schönheit,

zu ihrer reichen Vielfalt, . . . auch zu ihren Wunden;

zum Schmerz der verwüsteten Hügel,

der abgeholzten Wälder, des vergifteten Wassers.

Aber wir müssen nicht den Kopf in den Sand stecken oder mit den Händen in den Taschen erstarren, wenn wir von den vielen Umweltzerstörungen hören. Denn wir können uns immer noch – jeden Augenblick neu - für das Leben entscheiden. Trotz all der schrecklichen Prognosen können wir immer noch handeln, um eine lebensfähige Welt zu erhalten.

Ich hoffe sehr, dass sich viele Männer und Frauen einladen und zu neuen Ideen und Wegen inspirieren lassen! Darum noch einmal: Herzliche Einladung zum Weltgebetstag am Freitag, 2. März, um 19.30 Uhr in der Stephanskirche in Nebringen … mit anschließendem leckeren (!) Ständerling im Anbau.

 

Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 20.02.2018

 ‚MOKSI‘ in Surinam … und für uns

Das Land Surinam, aus dem in diesem Jahr die Liturgie des Weltgebetstags stammt, kennen nicht viele. Und noch weniger Menschen können es von der Lage her auf Anhieb richtig verorten: Liegt es in Afrika … oder … in Asien? – Weder – noch; Surinam liegt in Südamerika!

Es ist das kleinste unabhängige Land in Südamerika. Und gleichzeitig findet man dort ein einzigartiges Phänomen: In diesem winzigen Land leben Menschen aus vier Kontinenten und unzähligen Volksgruppen seit Jahrhunderten relativ friedlich zusammen. Als Kolumbus das Land entdeckte, waren die Arawak, die Ureinwohner, da. Im 17. Jahrhundert kamen die Holländer - und mit ihnen die aus Westafrika verschleppten Sklaven. Diese brauchten die Holländer zum Betrieb der riesigen Zuckerrohrplantagen. Einigen der Sklaven gelang die Flucht in den Regenwald. Seit dem 18. Jahrhundert leben die Maroons, wie sie genannt werden, in Dörfern und haben viele ihrer afrikanischen Traditionen bewahrt. Als die Sklaverei später endlich verboten wurde, kamen indische Vertragsarbeiter ins Land. Danach folgten Menschen aus China und Java.

Die Bewohner Surinams verstehen sich als ein Gemisch aus vielen Volksgruppen. Es gibt sogar einen Begriff dafür: „Moksi“. Das heißt so viel wie „Mischmasch“. „Moksi“ bedeutet aber auch „gemeinsam“. Dieses Bewusstsein um … und Staunen über … ein (weitgehend) friedliches Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln ist einer der größten Schätze Surinams. Denn eine solche Vielfalt von Völkern, Religionen, Hautfarben und Kulturen auf so kleinem Raum ist selten auf dieser Welt.

Vielleicht ist es bedingt durch das enge und vor allem unaufgeregte Miteinander. Hinzu kommt, dass das Leben in tropischen Ländern sich ja zumeist im Freien abspielt. So haben alle Interessierten leicht Einblick in die unterschiedlichen Kulturen. – Eine solche unbefangene Neugier und das Einlassen auf die Vielfalt der jeweiligen Prägungen wünsche ich mir auch hier bei uns. Auch wenn unsere Religionen und Kulturen oft gar nicht so weit voneinander entfernt sind wie in Surinam, tun wir alle uns mit dem Miteinander, mit „Moksi“ doch schwer.

Wer weiß, vielleicht ist der Weltgebetstag in diesem Jahr ja (wieder einmal) ein ‚Wink mit dem Zaunpfahl‘. Dass wir uns nicht weiter (künstlich) abschotten, sondern uns auf die Vielfalt einlassen, um voneinander hier in Gäufelden … und von anderen Religionen und Kulturen zu lernen - oder sie zumindest zu tolerieren. „Moksi“ fordert uns nämlich dazu auf, unser eigenes Zusammenleben mit vielen Kulturen auch hier in Deutschland als Schatz zu sehen.

Denn „Gottes Schöpfung ist sehr gut“ – so das Motto des diesjährigen Weltgebetstages am 2. März.

 

Dazu lade ich Sie und Euch herzlich ein! Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 13.02.2018

Umeinander-Wissen - Voneinander-Lernen - Miteinander-Teilen

Bald ist es wieder so weit: Jeden ersten Freitag im März feiern Frauen – und auch Männer - Weltgebetstag. Nicht nur hier in Deutschland. Sondern in über hundert Ländern. Es ist die größte ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen, denn beim Weltgebetstag steht besonders die Situation der Frauen im Mittelpunkt.

Ich stelle mir diesen Tag immer wie ein buntes Gebetsband vor, das in 24 Stunden um die ganze Welt reist. Wenn wir noch in unseren Betten liegen, feiern die Menschen auf Samoa schon Weltgebetstag; … und wenn wir dann nachts schlafen, feiern unsere Geschwister in Chile und beenden damit die Gebetskette.

Wir feiern zu unterschiedlichen Stunden …. und sind doch miteinander verbunden und wissen, dass wir an diesem Tag für die gleichen Dinge beten. Ein faszinierendes, weltumspannende Netzwerk; das schaffen wir in dieser Art an keinem anderen Tag – auch nicht an Weihnachten oder Ostern.

Denn jedes Jahr wird der Gottesdienst von Frauen eines anderen Landes vorbereitet. Christliche Frauen wählen Texte, Gebete und Lieder aus. Diese werden

dann in weltweiten Gottesdiensten gefeiert. Dabei greifen die Schreiberinnen gesellschaftliche Fragen auf, die den Menschen in ihrem Land „unter den Nägeln brennen.“

Dieses Jahr kommt der Weltgebetstags-Gottesdienst aus Surinam. Sein Motto lautet

„Gottes Schöpfung ist sehr gut“.

Der Weltgebetstag ist aber noch viel mehr als ein Gottesdienst. Er weitet den Blick für die Welt. Frei nach seinem internationalen Motto „informiert beten, betend handeln“ macht er neugierig auf Leben und Glauben in anderen Ländern und Kulturen. – Und mit den gesammelten Kollekten werden zahlreiche Projekte für Frauen und Mädchen weltweit finanziert. Anfang März werden Menschen in der ganzen Welt wieder gemeinsam Gottesdienst feiern … und dabei Schritt für Schritt aufeinander zugehen und voneinander lernen, indem sie umeinander wissen. Dass dabei und dadurch dann auch noch die Situation von Frauen und Mädchen weltweit zum Besseren verändert wird, finde ich klasse.

 Im stillen Kämmerlein frage ich mich bloß: Warum klappt das im weltweiten Miteinander; und warum tun wir uns in unserer nächsten Nähe so schwer damit? Mit dem Umeinander-Wissen, dem Voneinander-Lernen und dem Miteinander-Teilen.

 Überlegt und denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius (trotz Urlaubs)

Gedanken Pfarrer Hofius 07.02.2018

Gedanken

Hat Gottes Schutz versagt?

„Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“ (Hebräer 1o,35) lese ich am Samstag-Morgen in meinen Losungsbüchlein. … Und höre dann am Abend von dem schrecklichen Unfall, der viele von uns erschüttert und bewegt.

 „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“

Wie soll man denn noch vertrauen können, wenn einem derart der Boden unter den Füßen weggezogen wird? – Und fast wie von selbst kommt die Frage auf, ob Gottes Wort und sein zugesagter Schutz nicht doch versagt haben.

- Ist es denn nicht gerade das, was an Taufen, Konfirmationen oder Trauungen weitergesagt wird, dass Gott mit seinem Wort und seinem Geleit immer und überall bei uns ist? … So wie der vielbeschworene Regenschirm, der allein durch seine schiere Existenz bereits den Regen vertreibt.

 n Psalm 91 betet der Psalmbeter: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.“ (Psalm 91,1-4)

Das sind steile Aussagen. Gott wird mich vor Krankheiten bewahren, er wird dafür sorgen, dass Menschen, die es böse mit mir meinen, mir nicht schaden können. Wie eine starke Burgmauer wird er mich beschützen. - Doch erlebe ich das wirklich? Nicht so ganz. Manchmal scheint die schützende Burgmauer eher eine dünne Theaterwand aus Pappmaché zu sein. … Also alles nur ‚Show and Shine‘? Kann Gott nicht, oder will er gar nicht schützen, wie und wo er es doch versprochen hat?

 Und wo ist Gott, wenn liebgewonnene Menschen krank werden und sterben? Ja, wenn sie für uns unbegreiflich verunfallen? Warum erlebe ich in meinem Leben so wenig von dem Schutz Gottes?

 Auch nach –zig Jahren im Pfarramt habe ich auf diese Fragen keine Antwort; und ich glaube sogar, dass ich darauf nie eine Antwort finden werde. Zumindest keine, die befriedigend wäre für mich wie auch für andere. - Ist Gottes Schutz dann sinnlos?

Hier regt sich Widerspruch in mir; denn ein ‚Ja‘ würde nicht stimmen. Ich habe doch ganz persönlich schon mehrfach erfahren, dass Gott beschützt – mich selbst und auch andere Menschen. Manchmal ist mir erst im Nachhinein klargeworden, dass Gott vor einem falschen Weg bewahrt hat. Aber nicht immer bewahrt und schützt er so, wie wir es uns wünschen. Und doch gilt: Gott hält seine Versprechen!

 Wir aber missverstehen Gottes Segenszusprüche und auch Psalm 91 oft genug als Zusicherung für ein Leben ohne Krankheit und Probleme. Doch das ist nicht der Fall. Der entscheidende Punkt ist, dass Gott verspricht: Egal, wie groß das Problem, egal wie schwer eine Krankheit oder ein Leid ist, ich bin mit dabei. - Das ist weit mehr als ein Leben ohne Probleme. Denn Gottes Nahe-Sein und Schutz, auch sein Segen reichen weit über das Hier und Jetzt hinaus; das glaube ich von ganzem Herzen. Sein Wort gilt für alle Zeit … und über die Zeit hinaus.

 

 Denkt und glaubt voller Anteilnahme und Trauer Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 30.01.2018

 

 

Gedanken

 

Es ist das Wort ganz nahe bei dir,  in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.    5. Mose 3o,14

 

Monatsspruch für den Februar 2o18. – Ja, es ist tatsächlich schon Februar; ein ganzer Monat liegt hinter uns; ein Zwölftel des Jahres ist schon vergangen.

Wie schnell das ging. Und wie schnelllebig die Zeit ist. … Was hat da noch Bestand?

Es ist das Wort ganz nah bei dir.“ – heißt es im Deuteronomium, im ‚zweiten Gesetz‘ (so wörtlich übersetzt), weil hier vor dem Einzug des Volkes Israel ins Gelobte Land nochmals an alle Gesetze, Gebote und Weisungen Gottes erinnert wird.

Die Israeliten haben das Gefühl, diese Worte sind weit weg und sie sind zu schwer für sie. Aber sie sind ganz nahe, auf ihren Lippen und in ihrem Herzen. – Doch sie sollen kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern ja von Herzen befolgt werden, umgesetzt werden, gelebt sein. Denn so können die Israeliten … und auch wir … sie halten.

Und da tut sich für uns Christ/innen dann noch ein ganz anderer Horizont auf:

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ – so erinnert der Evangelist Johannes am Anfang seines Evangeliums an den Beginn der gesamten Bibel: ‚Bereschit – im Anfang schuf Gott Himmel und Erde … .‘ Und hier wie dort: Was Gott spricht und sagt, das geschieht und wird Wirklichkeit.

Dass Gott und das Wort hier so eng beieinander gesehen werden, zeigt, welchen Stellenwert das Wort hat, welche Bedeutung ihm letztlich zugemessen wird. Das Wort ist Mitteilung, Kundgabe, Anrede und vor allem Zuwendung. Denn Gott, wie er in der Bibel bezeugt wird, ist ein durch das Wort entgegenkommender und ansprechender Gott.

„Gott war das Wort … und dasselbe war im Anfang bei Gott.“

Das heißt doch auch: Das Wort ist gottgleich, aber es ist doch unterschieden von Gott. Das Wort ist, wenn man so will, die uns zugewandte Seite Gottes. Das Wort ist das Entgegenkommen Gottes. Das Wort ist das Leben, das durch Gott in diese Welt gekommen ist. Das Wort ist Gott in der Welt.

Sie merken, welchen Stellenwert das Wort dadurch bekommt.

Auch und gerade das Wort, das wir dann sprechen. Gerade in unserer Fähigkeit zu sprechen, sind wir Ebenbild Gottes. Auch wir können mit unseren Worten Wirklichkeiten schaffen und Wirklichkeiten zerstören. Wir können Menschen ins Licht, ins Helle und damit ins Leben rufen und können sie durch unsere Worte auch vernichten.

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen,

du es tust. 5. Mose 3o,14

 

Beim Monatsspruch für den Februar 2o18 geht es natürlich um Gott; er ist der Eine und Einzige. Er ist mein Gott. Und er ist Gott dieser Welt.

Und dort, wo andere sich als die Herren unseres Lebens aufspielen, ist für Gott … und für uns als diejenigen, die sein Wort hören und denen es ganz nahe ist … etwas zu tun. - Zunächst, indem ich nochmals genau hinhöre auf Gottes Wort … oder es heute in der Bibel lese; indem ich in den Gottesdienst gehen und mit anderen über Gott und sein Wort reden. Bibelverse auswendig lernen ist eine super Möglichkeit, um Gottes Wort zu verinnerlichen. Je mehr ich mich Gottes Wort aussetze, desto mehr wird es mich prägen, desto mehr wird es in meinem Herzen sein und auf meinen Lippen. Dann fällt auch das Handeln nach Gottes Wort leicht und es wird zur Herzensangelegenheit. – Das ist für mich das Spannende an diesem Wort: Dass es nicht an und in mir stehen bleibt; sondern dass es sich durch mich hindurch äußert und sich immer wieder neu Gehör verschafft: In Wort und (entsprechender) Tat Gottes Wort ist der Schlüssel für unser Leben.

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen,

du es tust.   5. Mose 3o,14

Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 16.01.2018

Verlässlichkeit und Verlassenheit

Der Olivenzweig gilt seit der Antike als ein Symbol des Friedens. Für Zehntausende Menschen im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei bedeutet er in diesen Tagen Krieg. Denn der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat seiner Militäroffensive gegen die kurdische YPG-Miliz in der Region Afrin ausgerechnet diesen Namen gegeben: "Operation Olivenzweig".

Kopfschüttelnd und mit Entsetzen vernehme ich am vergangenen Wochenende die Nachricht vom systematischen Angriff der Türkei gegen ihre ehemaligen Bündnispartner in Syrien. – Doch der Bericht über diesen himmelschreienden Alleingang des türkischen Staatspräsidenten ist den deutschen Medien nur eine Randnotiz wert; deutlich mehr Zeit nimmt das Abschneiden des Handballteams ein.

„Ja, geht’s noch?!?“ möchte man rufen. Sowohl zu den Nachrichtenverantwortlichen als auch zur türkischen Staatsführung. Und gerne auch zu den Unseren, die kopflos über GroKo ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ debattieren … und letztlich wenig handlungsfähig erscheinen.

Wer sich zu Wort meldet, ist der amerikanische Außenminister Rex Tillerson, der die Türkei dazu aufgerufen hat, ihre Militäroperationen gegen kurdische Milizen im Nordwesten Syriens zurückhaltend auszuüben und zivile Opfer zu vermeiden.

- Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen: Eine ‚zurückhaltende Militäroperation‘, die als Angriffskrieg gegen den letzten nicht vom Krieg in Syrien zerstörten Zipfel des Landes geführt wird. Und dann sollen ‚zivile Opfer vermieden‘ werden. Wo doch überwiegend kurdische Familien im Gebiet der Enklave Afrin im Nordwesten des Bürgerkriegslandes leben.

Was nach ‚chirurgischen Nadelstichen‘ klingt, zeigt doch nur eindrücklich die Handschrift Erdogans: Der Feind meines Feindes hat uns zur Seite gegen den IS gekämpft. Dieser scheint nun besiegt; da braucht’s die Allianz mit der Kurdenmiliz YPG nicht länger. Und Kurden sind dem Staatspräsidenten hüben wie drüben ein Dorn im Auge; also weg damit. Was kümmert die Gemeinschaft der letzten Monate und Jahre?

Und die Kurden? – Sie werden auch über 85 Jahre nach den Angriffen der Armee auf Kurdengebiete in den 1930er Jahren wieder zum Spielball großherrlicher Gedanken. Dabei ist jede Gesellschaft doch ein lebendiger Organismus – so der englische Soziologe Herbert Spencer vor gut 150 Jahren. Auch eine Gesellschaft lebt und wächst und entwickelt sich. Und eines ganz klar: Jeder Teil ist auf die anderen Teile angewiesen. Wenn man einen Teil aktiv eliminiert, wird der Organismus krank. Und wenn es ganz schlimm wird stirbt er sogar irgendwann.

In der Bibel gibt es viele Anregungen und Angebote für ein gelingendes Miteinander. Die bekanntesten davon sind die zehn Gebote. Es wird erzählt: Gott selbst schenkt diese Gebote seinem Volk. Als Angebot zum guten Leben. Für jede und jeden Einzelnen … aber eben auch für die Gemeinschaft.

Hierfür wäre der Olivenzweig ein wahrhaft sprechendes Symbol, da er doch für Frieden (Taube mit Olivenzweig) und Wohlstand, Weisheit, Erfolg, Auszeichnung, Ehre und Würde steht. – Ob wir uns als Wertegemeinschaft dieses Symbols würdig zeigen … und den Kurden zu ihrem Recht auf Frieden und Anerkennung verhelfen, … . Mir schwant Schlimmes. Und meine Gedanken und Gebete sind bei denen, die einmal mehr zum Spielball der Eigenmächtigkeiten oder der Schwächen von Politikern und der sie tragenden Gesellschaften werden.

Verlässlichkeit sieht wahrhaft anders aus! Und sie erschöpft sich beileibe nicht in der Forderung nach einem umfassenden Waffenstillstand und bedingungslosen Zugang für humanitäre Hilfe.

 

 

Denkt und bekennt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 16.01.2018

Gedanken

Eine Bekannte erzählt, wie sie abends noch schnell einkaufen geht, um die Vorräte für die Familie wieder aufzustocken. Es ist kalt und regnet; und so richtig Lust auf diesen des Seins hat sie auch nicht.  Da kommt ein junger Mann in den Supermarkt, der einen schwarzen Pullover an hat mit Schriftzug darauf. „Der hat mir irgendwie gerade noch gefehlt“, denkt sie. „Gleich wird er bestimmt mit einem Sechserpack Bier und zwei Chipstüten vor mir an der Kasse stehen … und wahrscheinlich auch noch mit Karte zahlen.“ Statt Gedanken an das Zu-Kochende zu fassen, kocht in ihr eine unfeierliche Feierabendstimmung hoch: „Das kann’s jetzt doch wirklich nicht sein …“ – da erkennt sie plötzlich in aller Deutlichkeit, was da auf seinem schwarzen Pullover aufgedruckt ist: LIEBLINGSMENSCH.

Diesem total durchschnittlichen jungen Mann hat tatsächlich jemand solch einen Pullover geschenkt. Einen, den sie selbst nie und nimmer anziehen würde; bei aller Liebe nicht. – Vielleicht seine Freundin; auf jeden Fall jemand, der ihn liebt. Und jetzt trägt er diesen Pullover an einem kalten, regnerischen Abend auf dem Weg zum Supermarkt.

LIEBLINGSMENSCH – ich möchte auch so beschriftet sein.

Denn diese Erzählung und der Pullover dieses jungen Mannes erinnert mich daran, wie schön es ist, geliebt zu sein. Und wie gut es ist, wenn man seine Liebe anderen zeigt. Am besten, bevor es zu spät ist … und Streit, Krankheit oder gar Tod uns einen Strich durch unsere (taktierende ?) Rechnung machen.

In der Bibel steht: „Gott ist die Liebe.“ (1. Johannesbrief 4,16b)

Der Verfasser dieses ersten Johannesbriefes will die Lesenden in ihrem Glauben an Christus stärken. Dazu werden viele Ermahnungen und theologische Schlussfolgerungen aneinander gereiht. Dieser Vers steht in einem Abschnitt, der Liebe untereinander als Folge der Liebe Gottes zu den Menschen beschäftigt. Es reicht nicht aus, so sagt der Text, Gott zu lieben, sondern man muss bzw. soll oder darf auch die Menschen lieben. Dass das nicht immer nur einfach ist, und dass die Nächstenliebe eine wichtige aber zugleich schwierige Forderung des Glaubens ist, können wir uns wohl nicht nur vorstellen. Wir wissen’s, wenn wir ehrlich sind, von uns selber. Dieser Ausspruch aber zeigt uns, dass die Liebe zu den Nächsten nicht allein 'geleistet' werden muss, sondern sich aus der Liebe Gottes zu jeder und jedem Einzelnen speist. - Ihre Kraft macht, dass einem sogar an einem kalten, grauen, regnerischen Abend warm ums Herz wird.

Wer ist eigentlich IHR Lieblingsmensch?

 

Überlegt sich und fragt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 09.01.2018

Ein gelber Aufkleber – wie ein Post-it. Er klebt mittig auf einem Schild in der Fußgängerzone in Tübingen. Darauf steht: „Tut es gut, was du machst?

Die Frage sitzt. Ich habe keine Ahnung wer mich da fragt, aber diese Frage auf dem kleinen Zettel trifft mich: „Tut es gut, was ich mache?“ - Ja, schon. Ich schlendere gerade nach Jahren mal wieder mit meiner Frau über einen Weihnachtsmarkt – ohne Kinder, ohne Termindruck, ohne ein klares Einkaufsziel vor dem geistigen Auge; ja, tatsächlich  einfach so. Weil’s Spaß macht – mir … und der mir Angetrauten auch.

„Tut es gut, was du machst?“ – Im Weiterschlendern bewege ich diese Frage … und sie mich. Denn es geht ja tatsächlich nicht bloß darum, ob’s MIR gut geht.  Sie kann ja auch so verstanden werden: ‚Tut es ANDEREN gut, was du machst?‘  Beide Perspektiven finde ich spannend ... und wichtig. Eigentlich sollten immer alle Beteiligten an einem Geschehen etwas Positives dabei spüren und empfinden. So ich denke noch weiter nach: Was ist mit meinem Beruf? Tut der gut? Mir selber? Anderen? Was mit meinen Vorstellungen für dieses Jahr 2018? Was mit den Dingen, die ich eigentlich lassen möchte? … Ziemlich große Fragen mitten zwischen all den Weihnachtsständen; angeregt durch einen kleinen Post-it-ähnlichen Aufkleber auf einem Schild.

Durch ‚Zufall‘ … oder doch eher Neugier … kommen wir nochmals an besagtem Schild vorbei. Obwohl es inzwischen dunkler geworden ist, schaue ich noch einmal ganz genau hin. Unter der Frage steht klein geschrieben eine Webadresse: „die-erinnerungsguerilla.org“. … Das Weitere können Sie sich denken: Zu Hause recherchiere ich erst einmal und bekomme heraus, dass die Erinnerungsguerilla ein offenes Kunstprojekt ist. Dahinter stehen einige – überwiegend junge - Leute, die an die großen Fragen erinnern wollen. Bei dem Frageprojekt mitmachen kann jeder und jede … und das Ganze ist quasi kostenlos. Denn die Post-it´s werden mithilfe von Spenden gedruckt. Jeder, der will, kann sich ein paar Zettel bestellen und sie dann bei sich vor Ort ankleben. So dass möglichst viele Leute mal wieder über das nachdenken, was wirklich zählt im Leben. Die Erfinderin der Aktion ist zuversichtlich, .dass das funktioniert: „Wir glauben an die Kraft von Fragen.“

Keine Frage: Fragen haben Kraft! - Ich bin der beste Beweis dafür. Bei mir hat diese eine Frage voll ins Schwarze getroffen. „Tut es gut, was du machst?

Fragt sich und Sie/Euch Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius