Gedanken Pfarrer Hofius 12.03.2019

Am vergangenen Montag habe ich mit meiner dritten Klasse angefangen über die Passionszeit zu sprechen. . Seit Mittwoch letzter Woche befinden wir uns in dieser Passionszeit, die vierzig Tage und vierzig Nächte dauert. Zeit, um inne zu halten, um nachzudenken, um unsere Sicht zu überprüfen, um neu zu sichten.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, so sagt bzw. singt man ja in einigen Landstrichen. Was das „alles“ ist, … und was damit „vorbei“ ist? – Zunächst einmal das lustige Treiben, das Verkleiden, das Auf-den-Putz-Hauen, der Spaß. Denn es beginnt eine andere Zeit. In den Gemeinden unserer katholischen Mitchristen ist es Brauch, dass Menschen zu Beginn dieser anderen Zeit gesegnet werden. Sie bekomme ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gezeichnet. Asche als Zeichen. Erinnerung an unsere Vergänglichkeit. Gezeichnet auf die Stirn werden sie, um wach zu werden für das, was gerade passiert. Asche ist ja doch nicht das Letzte. Aus Asche kann Neues entstehen.

Asche im Kamin reinigt übrigens wunderbar Kaminfenster. – Und dazu fällt mir folgende Geschichte ein: Ein Ehepaar zieht in ein neues Haus. Beim Frühstück sieht die Frau ihre Nachbarin draußen. Diese hängt gerade Wäsche auf. „Die Wäsche ist nicht besonders sauber“, sagt sie, „sie weiß wohl nicht, wie man richtig wäscht. Vielleicht braucht sie auch ein besseres Waschmittel.“ Ihr Mann sieht hin, bleibt aber still. Jedes Mal, wenn ihre Nachbarin die Wäsche zum Trocknen aufhängt, macht die Frau die gleichen Bemerkungen. - Einen Monat später sieht sie plötzlich im Nachbargarten schöne saubere Wäsche an der Leine. Überrascht sagt sie zu ihrem Mann: „Guck mal, endlich hat sie gelernt, wie man  richtig wäscht! Ich frage mich, wer ihr das beigebracht hat.“ Darauf entgegnet ihr Mann trocken: „Heute Morgen bin ich früh aufgestanden und habe unsere Fenster geputzt.“ J

Ich mag diese kleine Geschichte. Denn sie sagt so viel über uns. Und sie passt in diese Kirchenjahreszeit: Manchmal hilft es, den Blickwinkel zu ändern; die verrußten Scheiben der Seele zu putzen, sich eigene Begrenztheit einzugestehen, ehrlich mit uns und anderen zu sein.

Die Passionszeit, diese Zeit vor Ostern, kann uns dazu verhelfen, klar zu sehen, den Durchblick zu bekommen. Es gibt bewährte und erprobte Mittel. Fasten zum Beispiel reinigt Körper und Seele. Sich beim Essen und Trinken und auch bei unseren Gedanken und Worten auf das Wesentliche und Notwendige zu beschränken. Denn so können wir auch bei dem, was wir tun, einen anderen Blick - für uns und sicher auch für unsere Nachbarn - bekommen.

 

Meint Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 05.03.2019

Eine der großen Erfindungen der Menschheit ist die Fernseh-Fernbedienung. 

Ohne das Sofa verlassen zu müssen zappt man von einem Kanal zum anderen.

Manchmal sehe ich dabei zufällig etwas, das ich so gar nicht zu sehen erwartet hatte.

So wurde mir kürzlich ein junger Unternehmer aus der Schweizer vorgestellt, der in der ganzen Welt unterwegs und quasi zuhause ist. Irgendwann hatte er daraus die Konsequenzen gezogen und entschieden: Ich brauche keinen festen Wohnsitz mehr. Er reduzierte sein gesamtes „Hab und Gut“ auf dreiundsechzig Gegenstände. Diese hatte er fortan immer bei sich. - Trotz des erst einmal spontan einsetzenden inneren Kopfschüttelns war meine Neugier geweckt. Dann erzählte der Weltenbummler, was ihm hilft, Ordnung in sein Leben zu bringen. Es gibt ein festes Ritual, das ihm Halt gibt. Alle drei Monate nimmt er sich Zeit und schreibt sich selbst eine ausführliche eMail:

Im ersten Teil hält er Rückschau auf das, was in den vergangenen drei Monaten war und was er erreicht hat.

Im zweiten Teil der eMail hält er Ausblick auf das, was er in den nächsten drei Monaten erreichen möchte. - Dabei geht es ihm nicht nur um unternehmerischen Erfolg, sondern auch um ganz private Dinge.

Diese Mail vertraut er sodann einem Dienstleister an, der sie ihm nach genau drei Monaten wieder zuschickt. Und nun beginnt „das Spiel“ erneut: Er schaut auf das, was vor drei Monaten noch Zukunftsmusik war … und hält sodann Rückschau, was er davon verwirklichen konnte. Mit diesem geschärften Blick plant er dann für die kommenden drei Monate.

Mich hat das fasziniert; auch wenn ich nicht glaube, dass ich die Disziplin für so etwas aufbringen könnte. – Doch dann fällt mir ein, dass ich auch schon etwas Ähnliches getan habe – auf Auszeiten für den Pfarrberuf. Eine Woche (oder auch mehr) raus aus dem Alltag und den festen Aufgaben. In diesen Tagen schrieb auch ich mir einen Brief bzw. mehrere. Mit einer ganz ähnlichen Zielsetzung wie der junge Unternehmer: Was liegt in deinem Glauben, in deinem Leben, bei deinen Aufgaben und Anforderungen gerade offen? Wo sind die Stellen, die weh tun … und was ist gerade gut? – Diese klassischen, auf Papier geschriebenen Briefe wurden uns Teilnehmenden nach einer festgelegten Frist per Post zugesandt – ein Brief von mir an mich mit meinen Gedanken, Sorgen, Wünschen, Hoffnungen, Plänen.

Immer mal wieder hole ich mir den einen oder anderen Brief wieder hervor. Manches hat sich geklärt, manches ist plötzlich drängender geworden oder wirkt aus diesem späteren Blickwinkel fast albern und unverständlich.

Und trotzdem: „Schreib mal wieder“ - und zwar dir selbst.

Mit dem Blick aus der Vergangenheit lassen sich Gegenwart und Zukunft manches Mal ganz anders angehen.

 

Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 12.02.2019

Unser SeniorenNachMittag braucht „Kümmerer“

Im Dezember letzten Jahres haben wir langgediente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres zweimonatlichen SeniorenNachMittages geehrt und von ihrer übernommenen Verantwortung entbunden.

Seitdem konnten trotz intensiver Bemühungen aber leider (noch) keine neuen Mitarbeiter/innen bzw. „Kümmerer“ gefunden werden. – Das ist schade … und eigentlich ein Armutszeugnis für unsere Gemeinde mit gut 15oo Mitgliedern!

Warum?

Nun, ‚Kirche‘, das ist doch nicht nur das Gebäude unserer Stephanskirche; ‚Kirche‘ sind doch vor allem auch die Menschen – wir alle.

Die Stephanskirche lebt durch Gott. Und Gott wirkt durch Menschen.

Diese Menschen – also Sie, Ihr, wir alle - geben ihr Geld, ihre Zeit, ihre Begabungen, ihre Kontakte … für ein gelingendes Leben der Gemeinschaft ‚Kirche‘.

Und gerade dieses Stichwort „Gemeinschaft“ ist bei den SeniorenNachMittagen groß geschrieben: Gemeinsames Singen, eine Andacht zu Beginn, dann das gemütliche Beieinander-Sein in großer Runde (wo doch leider auch bei uns „auf dem Land“ viel zu viele Seniorinnen und Senioren alleine zu Hause sitzen), dazu leckerer Kuchen und Kaffee, und letztlich dann auch immer noch ein inhaltlicher Teil, der die kleinen grauen Zellen anregt und seinerseits für gemeinsamen Gesprächsstoff sorgt.

Soll das alles nun der Vergangenheit angehören?

Ich fänd’s schade … und darum bemühe ich mich um den Erhalt des SeniorenNachMittages! – Nur: Alleine oder zu zweit kommen wir da nicht weit.

Aus diesem Grund suchen wir weitere „Kümmerer“ (das Wort gibt’s leider nicht in der weiblichen Form; aber gesucht werden MÄNNER – ja, auch die! – und FRAUEN J )!

 

Wer mag helfen, den Kaffee zu richten?

Wer mag beim Auf- und Abbau der Tische und Stühle aushelfen?

Wer kann sich praktisch beim Kuchenbacken einbringen?

Wer hat Lust, im inhaltlichen Teil mitzuarbeiten?

Wer engagiert sich bei maximal 6 Terminen im Jahr, um den SeniorenNachMittag auch in Zukunft attraktiv zu machen?

Wer hat die Gabe der Predigt und Gottesdienstleitung? Wer mag sich dazu ausbilden lassen?

 

Wir suchen „Kümmerer", die die Stephanskirche und unsere Gemeinde sowie das Gelingen „im Auftrag des Herrn“ lieben und sich dafür ehrenamtlich einbringen wollen.

Im Gegenzug bieten wir Freude, Gemeinschaft und Sinn.

Bisher sind wir alle zwei Monate an einem Donnerstag-Nachmittag beieinander. Das hat sich so eingebürgert, ist aber m.E. nicht für alle Ewigkeit festgeschrieben. Veränderung rüttelt manchmal ja auch wach.

Wenn SIE Lust und Interesse, Zeit und Liebe haben, dann melden Sie sich bitte bei Pfarrer Hofius oder im Pfarramt (Tel.: 07032-75567). Alles Weitere wird sich finden. Danke! Wir freuen uns auf Sie / auf Dich.

 

Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 05.02.2019

Der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten."

Aus manchen krummen Wegen können gerade werden, davon handelt die Bibel, dieses Buch des Lebens immer wieder. Gerade im ersten Teil der Bibel, im Alten Testament, wird gerne erzählt; und es kommen dabei so viele Seiten von Gottes Geschichte mit uns Menschen in den Blick. Insofern finde ich es einen Gewinn, dass in der neuen Leseordnung der evangelischen Kirche für die Sonntage der Anteil der alttestamentlichen Texte verdoppelt wurde.

Eine dieser neu hinzugekommenen Geschichten ist die von Rahab in Jericho; sie steht in Josua 2,1-21 und ist für den 17. Sonntag nach Trinitatis vorgesehen – aber das ist erst am 13. Oktober 2o19. – Ich erzähle sie Ihnen und Euch trotzdem heute schon:

 

Rahab ist eine Frau, die die Grenzen in mehrfacher Hinsicht überschreitet. Eine Fremde, eine Prostituierte, eine, die geschickt verhandelt und sich nicht auf das Säbelrasseln und die Gewalt einlässt. Später wird sie sogar als Stammmutter im Stammbaum Jesu aufgeführt. – Und so erzählt das Josuabuch: Als Josua mit dem Volk Israel in das Gelobte Land einzieht, scheint Jericho uneinnehmbar. Aber eine mutige und listige Frau aus Jericho - eben Rahab - macht es möglich, dass die Stadt ausgekundschaftet wird. Sie versteckt die Spione auf ihrem Dach, nachdem der König von Jericho und seine Männer ihnen auf die Spur gekommen waren. Rahab führt die Verfolger geschickt in die Irre. Die Kundschafter schmuggelt sie an einem roten Seil aus der Stadt. Und am roten Seil im Fenster erkennen die Israeliten schließlich die Verbündete, als die Stadt später eingenommen wird.

Der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten." So sagt Rahab. Das ist ihr roter Faden … und zugleich das erste Bekenntnis zu dem einen Gott nach den fünf Büchern Mose, von einer Fremden ausgesprochen. Nicht Heer oder Macht, nicht Krieg und Gewalt, sondern Weitblick und Verhandlungsgeschick retten sie. Damit unterbricht ihre Geschichte und durchbricht ihr Glaube auch die Spirale der Gewalt inmitten der Eroberungsgeschichten um sie herum.

Ein guter roter Faden, finde ich: Eine große Portion Gottvertrauen im Rücken zu spüren … und dann an dieser Welt mit zu gestalten ohne die Sprache der Gewalt. Das ist manches Mal überraschend. Alle vier Frauen aus dem Stammbaum Jesu - Tamar, Rut, Batseba und eben Rahab - waren Fremde oder haben Befremdliches getan. Und sind doch Vorbilder des Lebens und des Glaubens geworden.

 

Von ihnen zu hören, von ihnen zu lernen, mit ihnen zu bekennen, das tut  uns gut. – Das tut mir gut!  Findet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 08.01.2019

In dieser ersten ganzen Woche des neuen Jahres steht in meinem Kalender unter dem Datum „Sonnabend, 12.01.“ das Stichwort „ 1982 Lima-Erklärung “.

Was hat es damit auf sich?

Die sogenannte „Konvergenzerklärung über Taufe, Eucharistie und Amt“ oder kurz „Lima-Erklärung“ (englisch heißt sie „Baptism, Eucharist and Ministry“ / BEM) wurde von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im Januar 1982 in Lima (Peru) verabschiedet. Sie war und ist das „Ergebnis“ eines über 3o-jährigen Gesprächsprozesses des Ökumenischen Rates (ÖRK), der zum damaligen Zeitpunkt etwa 3oo Mitgliedskirchen vertrat – heute sind es um die 35o. Dabei ist der ÖRK (World Council of Churches / WCC) nach seiner Verfassung „eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes".

Gegründet am 23. August 1948 in Amsterdam und heute mit Sitz in Genf, gilt der ÖRK als zentrales Organ der ökumenischen Bewegung. Die Mitgliederbasis des ÖRK umfasst inzwischen mehr als 500 Millionen Christen in Kirchen, Denominationen  und kirchlichen Gemeinschaften in aller Welt: Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen. Während die meisten ÖRK-Gründungsmitglieder europäische und nordamerikanische Kirchen waren, setzt sich die heutige Mitgliedschaft vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum zusammen. – Die römisch-katholische Kirche ist bezeichnender Weise kein Mitglied des ÖRK, wird aber gleichberechtigt beteiligt und würdigt die Arbeit des ÖKR durch Besuche der letzten Päpste (zuletzt am 21. Juni 2o18).

Diese Kirchen repräsentieren eine reiche Vielfalt von Traditionen und kulturellen Prägungen, feiern in Dutzenden von Sprachen Gottesdienst und leben unter den verschiedensten Systemen politischer Ordnung. Und doch haben sie sich alle verpflichtet, im christlichen Zeugnis und Dienst eng zusammenzuarbeiten und zugleich danach zu streben, gemeinsam das Ziel der sichtbaren Einheit der Kirche zu verwirklichen.

Die Lima-Erklärung nun zeigt die Übereinstimmungen im Verständnis von Taufe, Eucharistie (Abendmahl) und Amt in den verschiedenen Mitgliedskirchen des ÖRK auf:

Während bei der gegenseitigen Anerkennung der Taufe zwischen den Kirchen und Konfessionen große Fortschritte gemacht wurden, hat sich die Hoffnung auf eine gemeinsame Feier des Abendmahls gerade zwischen der römisch-katholischen Kirche und den evangelischen Kirchen bisher nicht erfüllt. Im Verständnis des Amtes des Priesters / Geistlichen / Ordinierten gibt es noch zu große Unterschiede.

Dahinter steht das grundsätzlich unterschiedliche Kirchenverständnis (Ekklesiologie), das vor allem die Kirchen der Reformation von den orthodoxen und katholischen Kirchen unterscheidet. Der aktuelle Stand der ökumenischen Suche nach einem gemeinsamen Verständnis findet sich in einer Erklärung zum Kirchenverständnis, die auf der 9. ÖRK-Vollversammlung 2oo6 in Porto Alegre, Brasilien, verabschiedet wurde.

Es gibt auch eine Liturgie für die Eucharistie / das Abendmahl, die so genannte Lima-Liturgie, die auf der Lima-Erklärung beruht. Sie wurde erstmals am 15. Januar 1982 und dann auch noch einmal im großen Rahmen auf der 6. ÖRK-Vollversammlung 1983 in Vancouver (Kanada) gefeiert. Die Lima-Liturgie gibt Kirchengemeinden, die das Abendmahl bewusst ökumenisch feiern wollen, eine konkrete Anleitung in die Hand.

 „Suche Frieden und jage ihm nach“ – sagt die Jahreslosung 2o19 mit Psalm 34,15.

Die „ Lima-Erklärung 1982 “ ist für mich eine wichtige Wegmarke hin zum Frieden, der wir weiter folgen / „nachjagen“ sollten.

 

Findet Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.