Gedanken Pfarrer Hofius 25.06.2019

Von wegen ‚Mittagshitze‘

Wir sollen das, was wir hören oder lesen mit wachem Verstand und kritischen Blick wahrnehmen; finde ich zumindest. Und das gilt sowohl im kirchlichen – und somit hoffentlich ‚theologischen‘ Bereich – wie auch im säkularen Bereich der Welt. Stimmt es wirklich? Ist es zu glauben, zu beherzigen? Oder irrt die redende Person? Selbst Pfarrerinnen und Pfarrer können ja irren, sie sind ja „auch nur“ Menschen.

So prüfen wir, was gepredigt und in der Welt geredet wird – und zwar in einem wohlwollenden Geist (vgl. Apg 17,11). Wir prüfen nicht, ob das, was der Redner sagt, auch in seinem Leben umgesetzt wird (denn das geht mich gar nichts an – vgl. Mt 23,3); sondern wir prüfen … und bewerten, ob das, was gesagt wird, mit der Lehre der Bibel … oder dem ‚gesunden Menschenverstand‘ übereinstimmt. Und da müssen wir tatsächlich alles prüfen.

Dieses denkend stoße ich zu Beginn dieser warmen Woche auf den Mythos ‚Mittagshitze‘; denn die wärmste Zeit des Tages sind ja doch gar nicht die Mittagsstunden!   Auch wenn Generationen von Eltern – mich eingeschlossen – das so und nicht anders ihren Sprößlingen eingetrichtert (welch verräterisches Wort!) haben. Die Mittagshitze ist reine Erfindung! So richtig heiß ist es meist zwischen 17und 18 Uhr. Das gilt für ganz Mitteleuropa, denn der Sonnenhöchststand findet hier überhaupt erst gegen frühen Nachmittag statt.

Und wer ist ‚schuld‘? Klar: Die Sommerzeit! Zum einen verschiebt sich durch sie bei uns der Zeitpunkt des Sonnenhöchststandes auf etwa 13.3o Uhr. Zum anderen erreicht die Temperatur ihr Maximum aber nicht zeitgleich mit dem Höchststand der Sonne, sondern etwas verzögert. Erst wärmt nämlich die Sonne die Luft und den Boden – und diese sich uferlos vermehrenden ‚Steingärten‘ – auf. Und die wandeln dann die kurzwellige Sonnenstrahlung in langwellige Wärmestrahlung um und strahlt sie ab; somit erleben wir die größte Hitze eigentlich erst gegen den späteren Nachmittag, also irgendwo zwischen 16 und 18 Uhr. Denn die Wärmespeicherung der Luft und der Erdoberfläche sorgen letztlich dafür, dass die Höchstwerte des Tages meist erst lange nach der sogenannten ‚Mittagshitze‘ erreicht werden.

Mir leuchtet das ein. – Aber prüfen Sie’s doch selbst nach (s.o.)!

Und wenn’s je nicht stimmen sollte, so ist es doch ein Trost an lauen Sommerabenden – jetzt, wo mit dem 21. Juni der längste Tag schon hinter uns liegt … und wir uns mit rasenden Schritten dem Dauerfrost nähern.

Aber das ist eine andere Geschichte J .  -  Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 18.06.2019

Am Donnerstag ist – neben Fronleichnam – der „Weltflüchtlingstag der UNO“.

Dazu passend gibt es fast ganz am anderen Ende der Republik – zumindest aus unserer Sicht – dem 4. Juni eine spannende und sehenswerte Ausstellung.

Denn schon immer sind Menschen geflüchtet, um in eine bessere Welt zu gelangen - auch übers Meer. Dieser Weg scheint ja jetzt wieder wie ein Brennglas unserer Gegenwartsprobleme. Manchmal hilft es, den Blick zu weiten und sich klarzumachen: Flucht übers Meer ist ein bedrückend aktuelles … und zugleich ein Jahrtausende altes Phänomen. Daher zeigt das Internationale Maritime Museum in Hamburg unter dem Titel „Flucht übers Meer: Von Troja bis Lampedusa“ bis zum 2. Februar 2o2o einen Überblick über große Fluchtbewegungen.

Eine ganz frühe Flucht über das Mittelmeer: Die Irrfahrt des Aeneas, der aus dem brennenden Troja (in der heutigen Türkei) mit seiner Familie nach Italien flieht. Er nimmt aus einer untergehenden Stadt seinen gebrechlichen Vater auf die Schultern und hat seinen halbwüchsigen Sohn dabei - also die Vergangenheit und die Zukunft. Seine Frau geht im Chaos des brennenden Troja verloren, der Vater stirbt auf der Flucht … und durch den Sohn entsteht dann das römische Imperium. So die Legende. Der übers Meer geflüchtete Aeneas wird somit letztlich zum Stammvater der Gründer von Rom; und dadurch zum Urvater unserer europäischen Zivilisation.

Das ist natürlich ein Bild, was sehr aufgeladen ist. Aber wenn man das auf heutige Zeiten oder spätere Fluchten übersetzt: Menschen flüchten mit dem Wichtigsten, was sie haben: Ihren Angehörigen. Sie versuchen, sich in eine bessere Welt zu retten, dort einen Lebensraum zu finden. Sie werden entweder aufgenommen oder müssen sich durchsetzen, müssen sich etwas erkämpfen. –

Über Jahrhunderte sind Menschen geflüchtet - aus guten Gründen, die einander erstaunlicher Weise gleichen: Wie etwa Krieg, Not, Hass, religiöse Unfreiheit, Unterdrückung, Diktatur.

All das gibt die Ausstellung in insgesamt elf Beispielgeschichten durch die Jahrhunderte wieder.

Da sind die „Pilgrim Fathers“, englischen Puritaner, calvinistische Protestanten, die 162o aus England weg wollen. Sie besteigen zwei Schiffe, eins fährt dann tatsächlich bis an die Nordküste Amerikas. Und dort gründen sie die Neu England-Staaten. Sie sind Glaubensflüchtlinge, die zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges vor diesem Krieg, vor Glaubensunterdrückung und religiöser Verfolgung den Ausweg über das Meer wählen. - Das findet sich auch wieder in unseren Zeiten.

Manchmal sind es auch Motivbündel wie Hunger und Not, etwa bei den Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Sudan heute. – Sie bilden eine Parallele zur Hungersflucht der Iren um 185o, wo etwa jeder achte Ire verhungert ist, weil die Kartoffelernte verfaulte. Etwa 1,2 Millionen Iren kamen auf die Idee, ihr Heil in Übersee zu suchen. Das war keine Emigration in normalen, friedlichen Umständen - das war eine Flucht vor dem Hunger. Und dann kam der religiöse Aspekt hinzu: die römisch-katholischen Iren treffen in den USA auf die Nachfahren der protestantischen „Pilgrim Fathers“; auch nicht leicht – bis heute. – Und genau das kann man auch in unserer klimagestressten Zeit in Afrika beobachten. Und es wird wahrscheinlich weitergehen.

Das große Ziel hinter dieser Ausstellung heißt dabei: „Mehr Empathie wagen“. Denn auch im gegenwärtigen Fluchtgeschehen muss man den Menschen mit Respekt begegnen und sie wegen ihrer Motive achten – und eben gerade nicht verunglimpfen! Man kann sie nicht einfach abtun als ‚Glücksritter‘, die blauäugig kommen und „unsere“ Sozialleistungen haben wollen. Wir als Europäer sind human - das ist unsere Zivilisation, die sich seit Aeneas entwickelt hat.

 

Im Sinne dieser Humanität sollten wir mehr agieren – findet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 04.06.2019

WO ist Gott?

Nein, die Überschrift ist kein Schreibfehler; auch wenn das Thema des BibelEntdeckerClubs vom kommenden Samstag lautet ‚WIE ist Gott?‘.

Doch die Frage nach dem „Wo“, sie ist gerade nach der Erfahrung der Himmelfahrt Jesu Christi eine überaus virulente. Die Jünger und Anhängerinnen Jesu hatten ja zuvor nach Ostern noch die befreiende und tröstliche Erfahrung gemacht, dass selbst der Tod die Nähe Gottes nicht auf Dauer zu unterbinden vermochte. … Aber jetzt; jetzt, wo man gar nichts mehr sieht, anfassen und hören kann, und nur die Leere und das Fehlen spürt? … „Wo ist Gott?“

Ich wage so zu fragen, denn eine Antwort darauf ist mir wichtig. Ich brauche sie, auch wenn es nur ein Hauch ist oder eine Spur. Ich brauche sie für meinen Glauben, mein Leben. Gott, wo bist Du? Wo bist Du jetzt, wenn ich dich suche?

Vor allem suchen viele ihn doch im Weinen, in der Traurigkeit. Aber halt mal, wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Diese Gefühle zwischen Weinen und Lachen, zwischen Herz und Schmerz? War das etwa Gott? Zuzutrauen wäre es ihm. Er kennt sich ja aus mit uns Menschen … und auch mit unserer Seele.

Ich denke an so manche Trauerfeier. Verschiedene Gefühle befinden sich im Raum: Tränen, Dankbarkeit, Sehnsucht. Manchmal auch Wut und Zorn - aber auch Glaube, Liebe und Hoffnung. „Alles hat seine Zeit“, lese ich vor. „Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit.“ Mit dem Weinen ist das bei einer Beerdigung nicht sonderlich schwierig. Aber das ist gut so; denn so kommt etwas ins Fließen. Mit dem Lachen ist es nicht ganz so leicht. Angeblich gehört sich das doch nicht, sagt man. Doch ich finde, auch das darf sogar hier bei der Trauerfeier seine Zeit haben. – Manchmal ist es die Musik, die der verstorbene Mensch mochte und sich ausdrücklich gewünscht hat, die vielleicht ein wenig schmunzeln lässt. – Doch das hält nicht lange an, eil die Gefühle des Verlustes und der Trauer scheinbar so übermächtig sind. Dagegen stelle wir als Christenmenschen in unserer Verkündigung das Tröstliche, dass die Verstorbenen nun voll und ganz bei Gott ist. … Und auch hier, in der Predigt, gibt es vielleicht das eine oder andere Schmunzeln und Lächeln. Es  wird  ja aus  dem  Leben  erzählt,  von  den  Eigenarten und Besonderheiten; nicht böse, sondern, um den Verstorbenen als Individuum plastisch bewußt zu machen.  Und  dann  lachen  wir gemeinsam über die Katzen: In manch schwerer Stunde haben sie zum Lachen gebracht. Nun streicheln andere diese Tiere und denken dabei lächelnd an die Verstorbene. Am Ende der Trauerfeier singen wir alle gemeinsam: „… Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.“ (EG 17o,4)  

Ohne Gefühle wäre die Welt vielleicht etwas berechenbarer - aber wesentlich ärmer.

„Wo ist Gott?“

Ist er nicht genau auch hier, in diesen Gefühlen? - Ja, ich danke Gott, für das Weinen und das Lachen. Für das, was er uns spüren lässt. Ich danke für Seine Spuren im Leben, für einen Hauch von Gott.  -  Den wahrzunehmen hoffe ich! Gerade jetzt an Pfingsten.                  

 

 Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 28.05.2019

Jetzt ist sie weg, … weg …

  und ich bin wieder … allein, … allein“ - singen die Fantastischen Vier; und das  seit über 2o Jahren. - Sie ist weg, und er ist nicht mehr der Kerl, der er zu sein glaubte. „Davor war‘s schöner allein zu sein.“

In dieser Woche ist Christi Himmelfahrt … und der auferstandene Jesus, der Christus, … ist … weg. Seine Jünger starren nach oben, als Jesus in einer Wolke verschwindet. - Gerade haben sie seinen Tod verkraftet, irgendwie. Dann war er auf einmal wieder da, ging mit ihnen nach Emmaus, half ihnen beim Fische-Fangen; und sie dachten: ‚Wie früher, hach, wie schön.‘ Sie aßen zusammen; und er sagte: „Ihr sollt in Jerusalem bleiben. Und mit dem Heiligen Geist getauft werden.“ -  Und die Jünger verstanden wieder mal gar nichts. Wie meistens. ‚Wie jetzt? Regierst Du jetzt nicht endlich? Bist Du jetzt nicht endlich König? Wir haben ja verstanden: Du bist jetzt anders. Aber nun greif zu. Es wird Zeit!‘ - - Und dann ist er einfach weg.

Himmelfahrt. So weit … so rätselhaft.

Danach jedenfalls müssen seine Anhänger/innen alleine zurechtkommen. Bis dann der Pfingsttag kommt, zehn Tage später: Brausen vom Himmel. Wie ein gewaltiger Sturm. Zungen, zerteilt wie von Feuer, und alle fangen an zu reden, in allerlei Sprachen - phrygisch, pamphylisch und schwäbisch und wer weiß was noch, aber sie verstehen einander doch. Nüchtern und wach sind sie, keineswegs berauscht. … Und doch auch … selbst … irgendwie verändert. – Denn danach ziehen sie los; mutig; gar nicht mehr stumm und verschreckt; in ein Leben ohne Jesus. Ziehen los – versehen mit Geist. Das ist noch neu, aber es fühlt sich trotzdem auch an … wie früher.

So wie sich ein Leben neu sortiert, wenn sie - die Herzensfrau - plötzlich weg ist. Oder er. In der Wäsche noch ein Hemd, auf dem AB noch die Stimme. Jemand ist weg und doch noch da. In der Post an die alte Adresse. Im Gruß, der ausgerichtet werden soll. Im Gefühl, wenn man die Wohnung betritt … und am Tisch sitzt.

Jesus sagt nicht: „Ich habe mich verändert.“ Sondern Jesus verändert - die, die eben noch auf ihn warteten; und – Gott sei Dank – auch uns.

Himmelfahrt.

Jesus geht … und bleibt.

Er ist weg … und doch da.

Er ist weg … und wir sind doch nicht „… allein, … allein“.

Staunenswertes Geschenk!

 

 Überlegt dankbar Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 14.05.2019

Und? Was nehme ich mit?

Am Sonntag war großer Konfirmationsgottesdienst … und abends eine nette Abendandacht. – Viele Familienangehörige und Gäste begleiteten ‚unsere‘ zehn Zu-Konfirmierende. Dabei ging es im Kern um die Geborgenheit in Gott.

Ein schönes Bild (sonst hätte ich es als Pfarrer nicht ausgewählt J ); eines, das sehr gut in diese nach-österliche Zeit passt.

Denn auch jetzt haben die einzelnen Sonntage sehr sprechende und bedeutungsvolle Namen: Wie die Neugeborenen (Quasimodogeniti), erfüllt von der Güte bzw. Barmherzigkeit des Herrn (Misericordias Domini) [da fand der Katechismus-Gottesdienst statt], voll des Jubels (Jubilate) [das war der vergangene Sonntag – ‚Konfirmation‘] und erfüllt von neuen Liedern (Kantate) [das kommt nun am Sonntag]  - und betend (Rogate) [am 26. Mai 2o19; dann, wenn hoffentlich viele nicht nur beten, sondern auch ihre Stimme per Kreuzchen abgeben auf den zahlreichen Wahlzetteln! -- Und wer nicht Wählen geht, dem bleibt dann wohl auch nur noch ‚Beten‘!] : So lauten die Sonntage und mit ihnen die Aufgaben für uns Christenmenschen in diesen Wochen.

Ja, wahrlich: Schon jetzt weht von Ostern bis Pfingsten ein frischer Wind durch diese Sonntage, die uns hin zum Pfingstfest führen. So die Idee im Festkalender des Kirchenjahres. Was für ein Schwung, was für eine Energie steckt in den Namen der Sonntage. – Und ich behaupte: Auch als nicht in der Kerngemeinde verorteter Mensch, als nicht so regelmäßiger Kirchgänger (und das sind bei uns (leider!) die Allermeisten), bekommt man davon etwas mit. Schauen Sie sich doch einmal selber an: Die dunkleren Kleidungsstücke des Winters und Frühjahrs (kirchlich gesprochen: Die Farben der Passion, des Schmerzes und der Trauer rund um Jesu Leiden und Tod) weichen den frischeren und vielfältigen Farben des Frühlings und nahenden Sommers (kirchlich: Vom Dunkel hin zum leuchtenden Weiß, zum Licht der Auferstehung … und des neuen Lebens).

Dieses Leben – allem Dunkel zum Trotz – ist uns Christenmenschen geschenkt und zugesagt in der Taufe. Wie die Neugeborenen (Quasimodogeniti) wurden und werden viele Täuflinge in ein weißes Taufkleid gehüllt. Mit Gott an der Seite hat man …, nein, bekommt man eine „weiße Weste“.

Daran erinnert uns die liturgische Farbe der ‚Paramente‘, der farbigen Tücher am Altar und an der Kanzel: Sie sind jetzt ‚weiß‘ (außer an der Konfirmation; da waren sie ‚rot‘, weil es um den Heiligen Geist ging!).

Nach einem langen ‚Wochenende‘ bzw. ja richtiger ‚Wochenanfang‘ frage ich mich jedoch: Was bleibt von diesem Schwung und von der lichten Freude und Bewegung?

Wieviel österlicher Schwung geht in Wochen noch durch mein Leben? Ist der sonntägliche Gottesdienst für die nun Konfirmierten nun, da der ‚Druck‘ zum regelmäßigen Kirchgang weg ist, noch attraktiv oder gar wünschenswert? Oder wird der Ruf des Kopfkissens nun noch lauter wahrgenommen werden?

 

Ich hoffe und wünsche mir ganz egoistisch, dass wir als Gemeinde, als Christenmenschen hier in Gäufelden, wieder deutlicher und selbstbewußter aus unserem Geborgen-Sein in Gott leben und in Erscheinung treten, dass wir erkennbarer werden … und etwas von uns ausstrahlt auf die Menschen um uns herum (und damit auch auf uns in Gemeinschaft). – Wer die Konfirmierten an den vergangenen beiden Sonntagen erlebt hat, der konnte etwas von diesem ‚Strahlen‘ mitbekommen.  -  Mir hat das gutgetan!    Euer und Ihr Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 07.05.2019

MASANGANE  -  Aidswaisen erhalten vielfältige Unterstützung …

Über die »Evangelische Mission in Solidarität« (EMS), der auch die Brüdergemeine in Südafrika als Mitglied angehört, haben die diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden zum einen das Projekt »Masangane« (Umarmung) zu ‚ihrem‘ Projekt gewählt.

In Südafrika gibt es über eine Million AIDS-Waisen, die ohne Eltern oder nahe Erwachsene selber durchkommen müssen. Oft leben sie bei entfernten Verwandten oder in Kinderhaushalten.  Mit ihrem AIDS-Programm „Masangane“ unterstützt die Evangelische Brüder-Unität (MCSA) an vier Standorten in der Ostkapregion betroffene Kinder durch ganztägige Betreuung und Verpflegung in Kindergärten. Das Projekt war eines der ersten derartigen Projekte in Südafrika, das für viele spätere Projekte in Staat und Kirche Vorbildcharakter besaß. Es vereint präventives bzw. pädagogisches Vorgehen mit der Sorge für die infizierten und erkrankten Menschen sowie mit der sozialen Begleitung und Unterstützung von Waisen und anderen Hinterbliebenen: Bei Schulkindern kommt „Masangane“ für Schulgebühren, Schuluniformen und Alltagsgüter wie Lebensmittel, Kleider, Seife und Petroleum auf.

Frauen, die selbst HIV-positiv sind, dienen dabei im Rahmen des Möglichen als Mutterersatz. Sie erhalten dadurch zum einen selbst eine Überlebensperspektive und sind zum anderen ein ermutigendes Beispiel, dass es trotz der Krankheit möglich ist, ein weitgehend normales Leben zu führen. AIDS-Aufklärung, Trauerbegleitung und seelsorgerliche Unterstützung für Kinder und Frauen gehören selbstverständlich dazu.

 Helfen auch Sie mit, dass Masangane weiter helfen kann. So kosten Schulgebühr und Schuluniform für ein Kind jährlich lediglich 30 Euro, an einer weiterführenden Schule nur 40 Euro.

Bitte unterstützen Sie das Projekt der Konfirmanden 2016 in Südafrika mit Ihrer Spende!

Spendenkonto:

Evangelische Mission in Solidarität

Evangelische Bank eG

IBAN: DE85 5206 0410 0000 0001 24

BIC: GENODEF1EK1

 … und Brunnenbau im SÜDSUDAN

Das zweite, gleichbewertete Projekt, kümmert sich um den Bau von Brunnen im Südsudan. Der Alltag vieler Menschen dort ist leider immer noch geprägt durch kriegerische Auseinandersetzungen, Hunger und Trockenheit. Allein deshalb sind gut ein Drittel der Menschen im eigenen Land auf der Flucht.

Dem EJW-Weltdienst ist es in jahrzehntelanger Arbeit gelungen, diesen Menschen in ihrer Heimat eine Lebensgrundlage zu bieten: An geeigneten Stellen wurden und werden Brunnen gebaut. Wo Brunnen sind, ist Leben möglich. Dorthin ziehen die Menschen; und damit auch die Kinder. Wo Kinder sind, werden von der Regierung Schulen gebaut. Und bei einer entsprechenden Größe dann auch Krankenstationen.

Und all das beginnt … mit einem ‚Loch‘ in der Erde! – Die Mitarbeitenden vor Ort tun ihre Arbeit aus der tiefen Überzeugung, dass Jesus Christus das Lebenswasser ist (vgl. die Jahreslosung 2o18!).

 Spendenkonto:

Evangelisches Jugendwerk in Württemberg

EJW-Weltdienst

Evangelische Bank (EB)

IBAN: DE24 5206 0410 0400 4054 85

BIC: GENODEF1EK1

Projekt-Nr. SUD108 Sudan – Wasser und Schulen

Beide Projekte sollen je mit der Hälfte des Gottesdienstopfers vom 12. Mai … sowie von den privaten Gaben der Konfirmierten unterstützt werden.

Ich finde, unsere diesjährigen Konfirmand/innen haben hierbei unsere Unterstützung verdient! 

 

Darum bittet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 31.04.2019

Nach Schule und Konfirmation ging’s so weiter: Lehr und ‚Wander’jahre“ – so hieß das früher bei der Großeltern-Generation unserer jetzigen Konfirmandinnen und Konfirmanden.

Einerseits zu Recht; andererseits klingt das aber auch so, als ob es immer nur voran, aufwärts, weiter ginge. Und als ob das immer und überall so sein müsse.

Zum ‚immer weiter‘ möchte ich gerne eine illustrierende „Gegengeschichte“ erzählen: Mit dem alten Auto wollen wir in die Berge fahren. Ein paar Tage Urlaub machen. Frische Luft  atmen.  Der  Wagen  läuft gut, wir  genießen  die  Reise.  Nach langer   Fahrt   geht   es   schließlich   bergauf.   Mit   jedem   Höhenmeter   steigt   auch   die

Motortemperatur.  Eine  Pause  ist  nicht  drin.  Bevor  es dunkel  wird,  müssen  wir  beim geplanten Ziel  sein.  Also  weiter.  Doch  irgendwann  erreicht  der  Temperaturzeiger  den  roten  Bereich.  Es dampft unter der Haube - der Motor ist heiß gelaufen. Kühlwasser fehlt. Nichts geht mehr.

Immer weiter machen. Keine Pause einlegen. Nicht mehr runterkühlen. Heiß laufen. Das kennen auch viele Menschen. Bis dahin, dass irgendwann nichts mehr geht.

In der Schöpfungsgeschichte der Bibel wird berichtet: „Und Gott ruhte am siebenten Tag von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.“ Das ist  erstaunlich.  Ist  Gott, der Allmächtige, nach sechs Tagen Arbeit der Ruhe bedürftig? Die Bibel lässt das offen.  Doch  sie  macht  unmissverständlich  klar:  Mit  dem  siebten  Tag  hat  Gott  einen  Rhythmus geschaffen. Den Rhythmus von Arbeit und Ruhe. „Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte  ihn,  weil  er  an  ihm  ruhte  von  allen  seinen  Werken,  die  Gott  geschaffen  und gemacht hatte“ heißt es weiter in Genesis 2,3.

Arbeit   und   Ruhe   gehören   wechselseitig   zusammen.   Wir   müssen   unsere   Arbeit unterbrechen,  um  körperlich  und  seelisch  aufzutanken.  Ohne  Ruhe  werden  wir  nur  noch angetrieben  und  treiben  uns  selbst  an.  Schließlich  wollen  wir  etwas  erreichen.  Wollen unseren  Wert  und  unsere  Identität  durch  Arbeit  verdienen.  Dadurch  drohen  wir  heiß  zu laufen.

Als Gegenmaßnahme schafft der Schöpfer diesen wunderbaren Tag zum „Runterkühlen“, den  Sonntag.  Wenn  wir  den  wöchentlichen  Ruhetag  einhalten,  bekommen  wir  Abstand zum  Alltag.  Wir  erfahren:  Unser  Wert,  unsere  Identität  hängt  nicht  an  der  Arbeit,  die  wir verrichten.  Sie  hängt an  Gott,  der  uns  gewollt  und  geschaffen  hat.  Unsere  Seele braucht diese Zusage. Immer wieder. Deshalb ist der Ruhetag ein Gottesdiensttag. Leib und Seele kommen zu ihrem Recht.

Auch wenn wir am kommenden Sonntag Katechismus-Gottesdienst … und die Woche drauf Konfirmation feiern, hoffe ich für Euch Konfis, daß Ihr dennoch dabei bleiben könnt: Immer mal wieder etwas Runterkühlen, Zeit für Besinnung und Ruhe, Zeit zur Konzentration auf das Wesentliche, zum Freuen und Aufatmen.

 

Herzliche Einladung zum ‚Mit-Ruhen‘; Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 28.03.2019

Am Altar unserer Stephanskirche, der vom ortansässigen Künstler Lutz Ackermann geschaffen wurde, entdeckt man bei genauem Hinsehen in den beiden oberen Ecken der Stirnseite jeweils drei große alte Nägel. Ich war zunächst verwundert. Aber ja, Nägel gehören zu unserem Glauben, zu unserer Kirche, und besonders zu dieser Kirchenjahreszeit: Sie gehören zur Passionszeit.

Jesus ist ja doch ans Kreuz genagelt worden. – So gesehen stellen die drei Nägel wohl auch die drei Kreuze von Golgatha dar.

Die Nägel mit ihren Spitzen stehen auch dafür, dass Menschen sich gegenseitig verletzten. Sie stehen für Gewalt und Tod.

Die Nägel an unserem Altar wollen mich gewiss auch an meine Wunden erinnern. An mein „Festgenagelt-Sein“ und daran, dass ich andere festnagele: Auf Meinungen, die sie nie geäußert haben, oder auf Fehler, die sie nie begangen haben.

Die Nägel erinnern an Schmerzen. - Manchmal spüren wir die Stiche auch in unserem Herzen. Denn auch Worte können wie Nägel sein: Hart, kalt, spitz, eingeschlagen für die Ewigkeit: „Du bist nicht der Richtige.“ „Du gehörst nicht hierher.“ „Das machst du eh falsch.“

Daraus resultieren Erfahrungen, die einen nicht mehr losgelassen. Und man fühlt sich wie vernagelt.

Dieses Wort „vernagelt“ kommt übrigens aus dem Mittelalter. Die Kanonen waren schwer. Und wenn die Soldaten vor dem Feind fliehen mussten, konnten sie nicht mitgenommen werden. Aber man wollte sie dem Gegner auch nicht funktionsfähig überlassen. Darum trieb man einen Nagel in das Zündloch; so wurde die Waffe unbrauchbar. Sie war „vernagelt“. So gesehen eine gute Aktion.

Denn wie sähe unsere Welt aus, wenn alle Waffen ‚vernagelt‘ wären!?!

Waffenstillstand für immer.

Und wie sähe unsere Welt aus, wenn wir dazuhin allen Streit und alle bösen, verletzenden Wort sein ließen?  -  Noch ist es - leider - nicht so weit gediehen. Noch leben wir mit unseren Schmerzen, mit unseren Verwundungen … und unserer Hoffnung auf ein Ende aller Gewalt. Und gehen doch zugleich in dieser Passionszeit auf den Karfreitag zu. Aber - Gott sei Dank - auch darüber hinaus.

 

 

Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 19.03.2019

Nebringer KURRENDE

Singen von und mit Kindern ist wichtig – für sie und uns!

Kommt herbei, singt dem Herrn,

ruft ihm zu, der uns befreit.

Singend lasst uns vor ihn treten,

mehr als Worte sagt ein Lied.“

Mit der Gründung von Kantoreien in der reformatorischen Kirche erhielt die kirchenmusikalische Arbeit (spätestens seit 1524 mit Johann Walter in Torgau, der sozusagen der ‚Ur-Kantor‘ der Reformation war) eine große pädagogische Komponente. Setzten sich die Kantoreien zunächst vornehmlich aus (Latein-) Schülern zusammen, die von früher Jugend an die Bibeltextvertonungen aus Vergangenheit und Gegenwart und ganz besonders an das neu entstehende Liedgut der evangelischen Kirche herangeführt wurden und dies in die evangelischen Gottesdienste trugen, so entwickelte sich doch schon ‚bald‘ eine Laienmusikbewegung: Chorvereinigungen, Kirchengesangsvereine, Kirchenchöre und auch Kinderchöre. Diese haben vor allem in Deutschland, und hier in besonderer Weise in Süddeutschland, zu einer nahezu unvergleichlichen Blüte der Kirchenmusik in der Breite und Spitze geführt. – Solches Singen oder Musizieren geistlicher Musik war schon immer eine Sprachschule des Glaubens, ob für Kinder (Lateinschüler früher … und heute Grundschüler/innen) oder Erwachsene.

Die regelmäßige Beschäftigung mit Bibeltextvertonungen und geistlichen Dichtungen aus Vergangenheit und Gegenwart, mit Glaubenserfahrungen und Glaubensäußerungen führen zu einem Schatz, einem Fundus an Bibeltexten, der Menschen befähigen kann, ihren Glauben in diesen und eigenen Worten auszudrücken und sich darin aufgehoben zu wissen.

Oft wird heute in unserer Kirche beklagt, dass Gemeindeglieder nicht über ihren Glauben sprechen können, dass die „Kirche des Wortes“ die Sprache verloren habe. Die kirchenmusikalische Arbeit trägt mit ihrem unerhörten Schatz aus Vergangenheit und Gegenwart dazu bei, eine Sprachfähigkeit – auch mit Tönen – wieder zu erlangen.-Wer als Kind oder als Jugendlicher geistliche Musik erlebt, erlernt und gesungen hat, hat – neben vielen, das eigene Leben und das Leben in einer Gemeinschaft bereichernden Erlebnissen - für seinen Glauben Grundlagen erfahren, die ihn dazu befähigen, seinen eigenen Glauben zu finden.

Durch die Verbindung von Text und Musik gehen Inhalte weniger über eine kognitive, verstandesmäßige Vermittlung als über ein emotionales Erleben ein. Nahezu unauslöschlich können sich Musik-Erlebnisse einprägen und mit ihnen die mit der Musik verbundenen Texte. – Darum bin ich mir sicher, dass eine intensive Kinderchorzeit viele Texte unvergessen macht. Aber auch bei Erwachsenen kennen wir das: Musik assoziiert Text, Text assoziiert Musik, Räume (z.B. Kirchen) erinnern an gemeinsame Probenarbeit und kirchenmusikalische Aufführungen. Welche Musik und welche Texte dabei ‚hängen bleiben‘, war schon immer unterschiedlich. In einer Zeit des immer noch zunehmenden Individualismus tun wir aber wohl gut daran, uns in Toleranz zu üben. Man muss nicht jeden Text, jede Musik, jeden Stil mögen. Doch gerade darum liegt große Verantwortung bei denen, die für ihren Chor und die Gemeinde Musik aussuchen.

Dazu ein letzter Gedanke: Obwohl wir seit 1996 das bisher einzige, auf demokratischem Wege zustande gekommene Gesangbuch haben, werden viele Lieder aus früheren Epochen derzeit hinterfragt oder gar abgelehnt. Die Lebens- und Glaubenswelt scheint fremd geworden. Neu an dieser Beobachtung ist, dass wenig bis keine Bereitschaft mehr dazu besteht, den Ausdruck und die Sprach- und Liedform zurückliegender Epochen verstehen zu wollen, darauf zu hören, was Dichter und Melodieschöpfer damit ausdrücken wollten. Dies lässt uns als Christen vielleicht aktuell erscheinen, vereinzelt uns jedoch und koppelt uns ab von der Gemeinschaft der Heiligen über alle Zeiten hinweg. Und auf was greifen wir zurück, wenn das manchmal kurze Haltbarkeitsdatum aktueller Ausdrücke abgelaufen ist?

Darum liegt mir, liegt uns im Kirchengemeinderat so viel an der verdienstvollen Arbeit in der Nebringer Kurrende wie auch im Kirchenchor; denn ohne diese Chöre … und ohne entsprechend engagierte Chorleitungen … wird unsere Kirche und werden wir als Gemeinde und als Christenmenschen ärmer und eintöniger. – Das muss doch nicht sein!

 

Darum suchen wir händeringend für beide Chöre nach neuen Chorleitenden! – Meldungen bitte an Ihren und Euren Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 12.03.2019

Am vergangenen Montag habe ich mit meiner dritten Klasse angefangen über die Passionszeit zu sprechen. . Seit Mittwoch letzter Woche befinden wir uns in dieser Passionszeit, die vierzig Tage und vierzig Nächte dauert. Zeit, um inne zu halten, um nachzudenken, um unsere Sicht zu überprüfen, um neu zu sichten.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, so sagt bzw. singt man ja in einigen Landstrichen. Was das „alles“ ist, … und was damit „vorbei“ ist? – Zunächst einmal das lustige Treiben, das Verkleiden, das Auf-den-Putz-Hauen, der Spaß. Denn es beginnt eine andere Zeit. In den Gemeinden unserer katholischen Mitchristen ist es Brauch, dass Menschen zu Beginn dieser anderen Zeit gesegnet werden. Sie bekomme ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gezeichnet. Asche als Zeichen. Erinnerung an unsere Vergänglichkeit. Gezeichnet auf die Stirn werden sie, um wach zu werden für das, was gerade passiert. Asche ist ja doch nicht das Letzte. Aus Asche kann Neues entstehen.

Asche im Kamin reinigt übrigens wunderbar Kaminfenster. – Und dazu fällt mir folgende Geschichte ein: Ein Ehepaar zieht in ein neues Haus. Beim Frühstück sieht die Frau ihre Nachbarin draußen. Diese hängt gerade Wäsche auf. „Die Wäsche ist nicht besonders sauber“, sagt sie, „sie weiß wohl nicht, wie man richtig wäscht. Vielleicht braucht sie auch ein besseres Waschmittel.“ Ihr Mann sieht hin, bleibt aber still. Jedes Mal, wenn ihre Nachbarin die Wäsche zum Trocknen aufhängt, macht die Frau die gleichen Bemerkungen. - Einen Monat später sieht sie plötzlich im Nachbargarten schöne saubere Wäsche an der Leine. Überrascht sagt sie zu ihrem Mann: „Guck mal, endlich hat sie gelernt, wie man  richtig wäscht! Ich frage mich, wer ihr das beigebracht hat.“ Darauf entgegnet ihr Mann trocken: „Heute Morgen bin ich früh aufgestanden und habe unsere Fenster geputzt.“ J

Ich mag diese kleine Geschichte. Denn sie sagt so viel über uns. Und sie passt in diese Kirchenjahreszeit: Manchmal hilft es, den Blickwinkel zu ändern; die verrußten Scheiben der Seele zu putzen, sich eigene Begrenztheit einzugestehen, ehrlich mit uns und anderen zu sein.

Die Passionszeit, diese Zeit vor Ostern, kann uns dazu verhelfen, klar zu sehen, den Durchblick zu bekommen. Es gibt bewährte und erprobte Mittel. Fasten zum Beispiel reinigt Körper und Seele. Sich beim Essen und Trinken und auch bei unseren Gedanken und Worten auf das Wesentliche und Notwendige zu beschränken. Denn so können wir auch bei dem, was wir tun, einen anderen Blick - für uns und sicher auch für unsere Nachbarn - bekommen.

 

Meint Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 05.03.2019

Eine der großen Erfindungen der Menschheit ist die Fernseh-Fernbedienung. 

Ohne das Sofa verlassen zu müssen zappt man von einem Kanal zum anderen.

Manchmal sehe ich dabei zufällig etwas, das ich so gar nicht zu sehen erwartet hatte.

So wurde mir kürzlich ein junger Unternehmer aus der Schweizer vorgestellt, der in der ganzen Welt unterwegs und quasi zuhause ist. Irgendwann hatte er daraus die Konsequenzen gezogen und entschieden: Ich brauche keinen festen Wohnsitz mehr. Er reduzierte sein gesamtes „Hab und Gut“ auf dreiundsechzig Gegenstände. Diese hatte er fortan immer bei sich. - Trotz des erst einmal spontan einsetzenden inneren Kopfschüttelns war meine Neugier geweckt. Dann erzählte der Weltenbummler, was ihm hilft, Ordnung in sein Leben zu bringen. Es gibt ein festes Ritual, das ihm Halt gibt. Alle drei Monate nimmt er sich Zeit und schreibt sich selbst eine ausführliche eMail:

Im ersten Teil hält er Rückschau auf das, was in den vergangenen drei Monaten war und was er erreicht hat.

Im zweiten Teil der eMail hält er Ausblick auf das, was er in den nächsten drei Monaten erreichen möchte. - Dabei geht es ihm nicht nur um unternehmerischen Erfolg, sondern auch um ganz private Dinge.

Diese Mail vertraut er sodann einem Dienstleister an, der sie ihm nach genau drei Monaten wieder zuschickt. Und nun beginnt „das Spiel“ erneut: Er schaut auf das, was vor drei Monaten noch Zukunftsmusik war … und hält sodann Rückschau, was er davon verwirklichen konnte. Mit diesem geschärften Blick plant er dann für die kommenden drei Monate.

Mich hat das fasziniert; auch wenn ich nicht glaube, dass ich die Disziplin für so etwas aufbringen könnte. – Doch dann fällt mir ein, dass ich auch schon etwas Ähnliches getan habe – auf Auszeiten für den Pfarrberuf. Eine Woche (oder auch mehr) raus aus dem Alltag und den festen Aufgaben. In diesen Tagen schrieb auch ich mir einen Brief bzw. mehrere. Mit einer ganz ähnlichen Zielsetzung wie der junge Unternehmer: Was liegt in deinem Glauben, in deinem Leben, bei deinen Aufgaben und Anforderungen gerade offen? Wo sind die Stellen, die weh tun … und was ist gerade gut? – Diese klassischen, auf Papier geschriebenen Briefe wurden uns Teilnehmenden nach einer festgelegten Frist per Post zugesandt – ein Brief von mir an mich mit meinen Gedanken, Sorgen, Wünschen, Hoffnungen, Plänen.

Immer mal wieder hole ich mir den einen oder anderen Brief wieder hervor. Manches hat sich geklärt, manches ist plötzlich drängender geworden oder wirkt aus diesem späteren Blickwinkel fast albern und unverständlich.

Und trotzdem: „Schreib mal wieder“ - und zwar dir selbst.

Mit dem Blick aus der Vergangenheit lassen sich Gegenwart und Zukunft manches Mal ganz anders angehen.

 

Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 12.02.2019

Unser SeniorenNachMittag braucht „Kümmerer“

Im Dezember letzten Jahres haben wir langgediente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres zweimonatlichen SeniorenNachMittages geehrt und von ihrer übernommenen Verantwortung entbunden.

Seitdem konnten trotz intensiver Bemühungen aber leider (noch) keine neuen Mitarbeiter/innen bzw. „Kümmerer“ gefunden werden. – Das ist schade … und eigentlich ein Armutszeugnis für unsere Gemeinde mit gut 15oo Mitgliedern!

Warum?

Nun, ‚Kirche‘, das ist doch nicht nur das Gebäude unserer Stephanskirche; ‚Kirche‘ sind doch vor allem auch die Menschen – wir alle.

Die Stephanskirche lebt durch Gott. Und Gott wirkt durch Menschen.

Diese Menschen – also Sie, Ihr, wir alle - geben ihr Geld, ihre Zeit, ihre Begabungen, ihre Kontakte … für ein gelingendes Leben der Gemeinschaft ‚Kirche‘.

Und gerade dieses Stichwort „Gemeinschaft“ ist bei den SeniorenNachMittagen groß geschrieben: Gemeinsames Singen, eine Andacht zu Beginn, dann das gemütliche Beieinander-Sein in großer Runde (wo doch leider auch bei uns „auf dem Land“ viel zu viele Seniorinnen und Senioren alleine zu Hause sitzen), dazu leckerer Kuchen und Kaffee, und letztlich dann auch immer noch ein inhaltlicher Teil, der die kleinen grauen Zellen anregt und seinerseits für gemeinsamen Gesprächsstoff sorgt.

Soll das alles nun der Vergangenheit angehören?

Ich fänd’s schade … und darum bemühe ich mich um den Erhalt des SeniorenNachMittages! – Nur: Alleine oder zu zweit kommen wir da nicht weit.

Aus diesem Grund suchen wir weitere „Kümmerer“ (das Wort gibt’s leider nicht in der weiblichen Form; aber gesucht werden MÄNNER – ja, auch die! – und FRAUEN J )!

 

Wer mag helfen, den Kaffee zu richten?

Wer mag beim Auf- und Abbau der Tische und Stühle aushelfen?

Wer kann sich praktisch beim Kuchenbacken einbringen?

Wer hat Lust, im inhaltlichen Teil mitzuarbeiten?

Wer engagiert sich bei maximal 6 Terminen im Jahr, um den SeniorenNachMittag auch in Zukunft attraktiv zu machen?

Wer hat die Gabe der Predigt und Gottesdienstleitung? Wer mag sich dazu ausbilden lassen?

 

Wir suchen „Kümmerer", die die Stephanskirche und unsere Gemeinde sowie das Gelingen „im Auftrag des Herrn“ lieben und sich dafür ehrenamtlich einbringen wollen.

Im Gegenzug bieten wir Freude, Gemeinschaft und Sinn.

Bisher sind wir alle zwei Monate an einem Donnerstag-Nachmittag beieinander. Das hat sich so eingebürgert, ist aber m.E. nicht für alle Ewigkeit festgeschrieben. Veränderung rüttelt manchmal ja auch wach.

Wenn SIE Lust und Interesse, Zeit und Liebe haben, dann melden Sie sich bitte bei Pfarrer Hofius oder im Pfarramt (Tel.: 07032-75567). Alles Weitere wird sich finden. Danke! Wir freuen uns auf Sie / auf Dich.

 

Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 05.02.2019

Der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten."

Aus manchen krummen Wegen können gerade werden, davon handelt die Bibel, dieses Buch des Lebens immer wieder. Gerade im ersten Teil der Bibel, im Alten Testament, wird gerne erzählt; und es kommen dabei so viele Seiten von Gottes Geschichte mit uns Menschen in den Blick. Insofern finde ich es einen Gewinn, dass in der neuen Leseordnung der evangelischen Kirche für die Sonntage der Anteil der alttestamentlichen Texte verdoppelt wurde.

Eine dieser neu hinzugekommenen Geschichten ist die von Rahab in Jericho; sie steht in Josua 2,1-21 und ist für den 17. Sonntag nach Trinitatis vorgesehen – aber das ist erst am 13. Oktober 2o19. – Ich erzähle sie Ihnen und Euch trotzdem heute schon:

 

Rahab ist eine Frau, die die Grenzen in mehrfacher Hinsicht überschreitet. Eine Fremde, eine Prostituierte, eine, die geschickt verhandelt und sich nicht auf das Säbelrasseln und die Gewalt einlässt. Später wird sie sogar als Stammmutter im Stammbaum Jesu aufgeführt. – Und so erzählt das Josuabuch: Als Josua mit dem Volk Israel in das Gelobte Land einzieht, scheint Jericho uneinnehmbar. Aber eine mutige und listige Frau aus Jericho - eben Rahab - macht es möglich, dass die Stadt ausgekundschaftet wird. Sie versteckt die Spione auf ihrem Dach, nachdem der König von Jericho und seine Männer ihnen auf die Spur gekommen waren. Rahab führt die Verfolger geschickt in die Irre. Die Kundschafter schmuggelt sie an einem roten Seil aus der Stadt. Und am roten Seil im Fenster erkennen die Israeliten schließlich die Verbündete, als die Stadt später eingenommen wird.

Der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten." So sagt Rahab. Das ist ihr roter Faden … und zugleich das erste Bekenntnis zu dem einen Gott nach den fünf Büchern Mose, von einer Fremden ausgesprochen. Nicht Heer oder Macht, nicht Krieg und Gewalt, sondern Weitblick und Verhandlungsgeschick retten sie. Damit unterbricht ihre Geschichte und durchbricht ihr Glaube auch die Spirale der Gewalt inmitten der Eroberungsgeschichten um sie herum.

Ein guter roter Faden, finde ich: Eine große Portion Gottvertrauen im Rücken zu spüren … und dann an dieser Welt mit zu gestalten ohne die Sprache der Gewalt. Das ist manches Mal überraschend. Alle vier Frauen aus dem Stammbaum Jesu - Tamar, Rut, Batseba und eben Rahab - waren Fremde oder haben Befremdliches getan. Und sind doch Vorbilder des Lebens und des Glaubens geworden.

 

Von ihnen zu hören, von ihnen zu lernen, mit ihnen zu bekennen, das tut  uns gut. – Das tut mir gut!  Findet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 08.01.2019

In dieser ersten ganzen Woche des neuen Jahres steht in meinem Kalender unter dem Datum „Sonnabend, 12.01.“ das Stichwort „ 1982 Lima-Erklärung “.

Was hat es damit auf sich?

Die sogenannte „Konvergenzerklärung über Taufe, Eucharistie und Amt“ oder kurz „Lima-Erklärung“ (englisch heißt sie „Baptism, Eucharist and Ministry“ / BEM) wurde von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im Januar 1982 in Lima (Peru) verabschiedet. Sie war und ist das „Ergebnis“ eines über 3o-jährigen Gesprächsprozesses des Ökumenischen Rates (ÖRK), der zum damaligen Zeitpunkt etwa 3oo Mitgliedskirchen vertrat – heute sind es um die 35o. Dabei ist der ÖRK (World Council of Churches / WCC) nach seiner Verfassung „eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes".

Gegründet am 23. August 1948 in Amsterdam und heute mit Sitz in Genf, gilt der ÖRK als zentrales Organ der ökumenischen Bewegung. Die Mitgliederbasis des ÖRK umfasst inzwischen mehr als 500 Millionen Christen in Kirchen, Denominationen  und kirchlichen Gemeinschaften in aller Welt: Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen. Während die meisten ÖRK-Gründungsmitglieder europäische und nordamerikanische Kirchen waren, setzt sich die heutige Mitgliedschaft vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum zusammen. – Die römisch-katholische Kirche ist bezeichnender Weise kein Mitglied des ÖRK, wird aber gleichberechtigt beteiligt und würdigt die Arbeit des ÖKR durch Besuche der letzten Päpste (zuletzt am 21. Juni 2o18).

Diese Kirchen repräsentieren eine reiche Vielfalt von Traditionen und kulturellen Prägungen, feiern in Dutzenden von Sprachen Gottesdienst und leben unter den verschiedensten Systemen politischer Ordnung. Und doch haben sie sich alle verpflichtet, im christlichen Zeugnis und Dienst eng zusammenzuarbeiten und zugleich danach zu streben, gemeinsam das Ziel der sichtbaren Einheit der Kirche zu verwirklichen.

Die Lima-Erklärung nun zeigt die Übereinstimmungen im Verständnis von Taufe, Eucharistie (Abendmahl) und Amt in den verschiedenen Mitgliedskirchen des ÖRK auf:

Während bei der gegenseitigen Anerkennung der Taufe zwischen den Kirchen und Konfessionen große Fortschritte gemacht wurden, hat sich die Hoffnung auf eine gemeinsame Feier des Abendmahls gerade zwischen der römisch-katholischen Kirche und den evangelischen Kirchen bisher nicht erfüllt. Im Verständnis des Amtes des Priesters / Geistlichen / Ordinierten gibt es noch zu große Unterschiede.

Dahinter steht das grundsätzlich unterschiedliche Kirchenverständnis (Ekklesiologie), das vor allem die Kirchen der Reformation von den orthodoxen und katholischen Kirchen unterscheidet. Der aktuelle Stand der ökumenischen Suche nach einem gemeinsamen Verständnis findet sich in einer Erklärung zum Kirchenverständnis, die auf der 9. ÖRK-Vollversammlung 2oo6 in Porto Alegre, Brasilien, verabschiedet wurde.

Es gibt auch eine Liturgie für die Eucharistie / das Abendmahl, die so genannte Lima-Liturgie, die auf der Lima-Erklärung beruht. Sie wurde erstmals am 15. Januar 1982 und dann auch noch einmal im großen Rahmen auf der 6. ÖRK-Vollversammlung 1983 in Vancouver (Kanada) gefeiert. Die Lima-Liturgie gibt Kirchengemeinden, die das Abendmahl bewusst ökumenisch feiern wollen, eine konkrete Anleitung in die Hand.

 „Suche Frieden und jage ihm nach“ – sagt die Jahreslosung 2o19 mit Psalm 34,15.

Die „ Lima-Erklärung 1982 “ ist für mich eine wichtige Wegmarke hin zum Frieden, der wir weiter folgen / „nachjagen“ sollten.

 

Findet Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.