Gedanken Pfarrer Hofius 15.01.2020

Viele Gemeinden begehen in diesen Tagen die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“, Die Texte hierfür wurden von den Kirchen in Malta vorbereitet. Denn die Geschichte des Christentums auf dieser kleinen Insel reicht in die Zeit der Apostel zurück. Nach der Tradition erreichte der Heilige Paulus die Küste Maltas im Jahr 6o nach Christus. Die Erzählung, die diese ereignisreiche und glückliche Episode beschreibt, wird uns in den letzten beiden Kapiteln der Apostelgeschichte überliefert:

Die Inselbewohner von Malta erwiesen denen, die Schiffbruch erlitten hatten, eine großzügige Gastfreundschaft: „Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich“ - heißt es in Apg 28,2.

In diesem offenen, vorbehaltlosen und gastfreundlichen Handeln ihrer Vorfahren sehen die maltesischen Christen die Wurzeln des christlichen Glaubens auf ihrer Insel. Jedes Jahr, nämlich konkret am 1o. Januar, erinnern sie darum mit einem Fest an diese Ereignisse.

Es gehört nicht viel dazu, um die Geschichte vom Schiffbruch des Paulus in den heutigen Kontext von Flucht und Migration zu stellen. Heute sehen sich viele Menschen auf demselben Meer denselben Schrecken gegenüber. Dieselben Orte, die in der Apostelgeschichte genannt werden, kommen in den Geschichten heutiger Flüchtlinge vor. – Doch nicht nur rund um das Mittelmeer, auch in anderen Teilen der Welt müssen Menschen fliehen. Sie begeben sich damit auf eine gefährliche Reise zu Land und zur See, um Naturkatastrophen, Krieg und/oder Armut zu entkommen. Diese Menschen sind besonders auf die Gastfreundschaft anderer angewiesen.

Das Beispiel aus der Apostelgeschichte macht deutlich, wie aus einer zufälligen Begegnung Gemeinschaft entstehen kann. Gemeinschaft über Grenzen hinweg mindert Not. Unsere Kirchen sehen sich in ökumenischer Geschwisterlichkeit in der Pflicht, solche Gemeinschaft zu fördern. Das wird auch uns umso mehr gelingen, je mehr wir untereinander Gemeinschaft pflegen und Versöhnung suchen.

 

Mögen die Liebe und der Respekt, die uns in der biblischen Überlieferung begegnen, unsere Gemeinschaft immer stärker prägen.

Gedanken Pfarrer Hofius 21.01.2020

Anfänge haben etwas Aufregendes und Unberührtes an sich:

Wir können noch einmal alles ganz neu sortieren …

… und hinter uns lassen, was belastet.

Eine beglückende Erfahrung: Ein neues Kapitel aufzuschlagen.

So muss das auch für den Evangelisten Johannes gewesen sein.

Vielleicht hat er die Evangelien von Lukas und Matthäus gekannt. Aber er will sein eigenes Evangelium anders beginnen lassen. Denn für Johannes ist klar: Gott hat einen neuen Anfang gemacht - mit Jesus, dem Christus. Damit sagt Johannes nicht, dass die vorhergehenden Anfänge nichts waren, dass sie abgewertet werden sollen; aber er erinnert sich daran, dass schon die Alten die Bibel mit den Worten begonnen haben: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde."

Also geht er ganz an den Anfang der Bibel zurück: Aus den Geschichten der Alten schöpft er die Kraft für das Neue. Denn mit Jesus hat Gott doch wieder einen neuen Anfang  gesetzt. – Und genau darum beginnt Johannes mit einem Loblied auf das Wort Gottes  …  und schafft damit die so ganz andere Weihnachtsgeschichte.

„Im Anfang war das Wort,

 und das Wort war bei Gott,

 und Gott war das Wort.

 In ihm war das Leben,

 und das Leben war das Licht der Menschen.

 Und das Licht scheint in der Finsternis,

 und die Finsternis hat's nicht ergriffen.“

Auch einen Monat nach dem Fest dieses Anfangs, nach Weihnachten, kommen wir von einem Anfang her; und der ist gut, sehr gut. - So hat die Bibel angefangen, und erzählt vom Anfang aller Anfänge, den Gott setzt. Das macht Hoffnung, gibt Mut, Neues zu wagen.

Doch was verbindet nun die Geburtsgeschichte von Lukas und Matthäus, was verbindet das Kind in der Krippe, Maria und Josef in Bethlehem, die Hirten auf dem Felde, die Weisen aus dem Morgenland … mit dem Loblied auf das Wort, das Johannes an den Anfang seines Evangeliums setzt? -  Ich denke: Mit der Geburt eines Kindes wird ein neuer Anfang gesetzt. Vor Gott sind Kinder nie nur das natürliche Produkt ihrer Eltern, sondern Geheimnisträger dessen, was kommen kann. Und so verbindet sich Johannes in seinem Evangelium mit Lukas und Matthäus.

„Im Anfang war das Wort,

 und das Wort war bei Gott, …“  und das ist gut. Denn das ist eine Zusage an uns Menschen. Ob wir jung sind oder alt. Wir haben es gern gemütlich, eingerichtet, es soll doch alles fertig und bereit sein; aber wann sind wir fertig?

Gott sei Dank sind wir nie fertig, mit der Welt und mit den Menschen.

Ich glaube, Gott gibt uns immer wieder die Kraft zu neuen Anfängen.

Davon erzählt auch die Jahreslosung aus Markus 9,24 für dieses Jahr 2o2o; aber das ist eine andere Andacht wert J ,     Herzlichst, Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius