Gedanken Pfarrer Hofius 07.07.2020

Ich glaube, ich bin schrecklich altmodisch.

So gehen zum Beispiel meine Frau und ich gerne in ein Restaurant. Preislich ist das Lokal weit entfernt von einer Studentenkneipe. Doch noch bevor wir richtig angekommen sind, ruft die junge Bedienung: „Sucht euch schon mal einen Platz!“ Kaum sitzen wir, fragt sie: „Und, habt ihr schon ausgesucht?" Mit meinen 54 Jahren kann ich mich nicht daran gewöhnen, einfach so geduzt zu werden. Meine Frau nimmt das - auch auf Grund ihrer Tätigkeit als Studierendenpfarrerin - deutlich lockerer.

Aber mir ist das zu nah, zu schnell. Ein freundliches ‚Sie‘ könnte nicht schaden- finde ich. Zum Ankommen bei anderen gehört für mich auch erst einmal ein bisschen Distanz. ‚Du‘, das ist Vertrautheit, das setzt irgendwo eine Geschichte mit einem anderen Menschen voraus.

Höfliche Umgangsformen sind einst bei Hof entstanden. Die Adeligen achteten auf die Etikette. Ein Etikett war nichts anderes als ein Zettel mit Benimmregeln für das Hofzeremoniell. Jeder wusste, was er zu tun und zu lassen hatte. Vieles ist davon aus unserem Alltag verschwunden, nicht nur bei den Royals. Bei manchen Höflichkeitsformen finde ich es nicht schlimm, manches verschwindet einfach, wenn es keinen Inhalt mehr hat. Doch manches ist durchaus noch sinnvoll. ‚Bitte‘ und ‚Danke’ zum Beispiel. Oder für mich der Unterschied zwischen einem vertrauten ‚Du‘ und einem höflichen ‚Sie‘ Im Bus oder Zug das Aufstehen, wenn ältere Menschen den Raum betreten und einen Platz suchen. Ein Lächeln für die Kassiererin, die trotz schlechtgelaunter Kunden die Ruhe bewahrt. „Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor“ übersetzt Luther den Satz des Paulus aus Römer 12,1o; die BasisBibel „Übertrefft euch gegenseitig an Wertschätzung.“ Es soll kein sportlich-verbissener Wettbewerb daraus werden; aber als Motto finde ich das gut.

 

Und Gott geht mit guten Beispiel voran: Er hört uns zu, wenn wir beten. Er lässt uns ausreden, auch wenn wir lange nach Worten suchen. Er sieht uns an, jeden Sonntag bekommen wir es im Gottesdienst zugesagt. – Und auch wenn er zu uns als seiner Kirche oder zu Ihnen und Euch und mir ‚Du‘ sagt als zu seinem geliebten Kind, nimmt er mich darin ernst, Und schenkt mir so von seiner Haltung … ein ‚Sie‘, ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ - Ich muss sie nur wollen, diese kleinen Zeichen der Ehrerbietung respektive Wertschätzung.

Gedanken Pfarrer Hofius 30.06.2020

Vor_Sorge

Aufgewachsen mit Bernhard Grzimek, Hans Hass, dem dichtenden Heinz Erhardt („Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde …) und auch Loriot finde ich manche Tiere ziemlich spannend. Doch will ich mich jetzt weder über besagte Made noch über die ‚Steinlaus‘ (Petrophaga lorioti) auslassen, sondern über die Moorspitzmaus (Sorex Palustris).

Diese besondere Art der Spitzmausfamilie zittert nämlich nicht erst dann, wenn sie friert; nein, sie zittert schon vorher. Das finde ich spannend: Noch bevor sie ins kalte Wasser springt, zittert sie sich gleichsam warm. Vorsorglich. – Und da es von Menschen und Mäusen vieles gibt, was uns gemeinsam ist, können wir Menschen eigentlich auch: „Vor_Sorgen“, also uns jetzt schon mal Sorgen machen; damit es uns dann, wenn wirklich was los ist, nicht gar so schlecht geht. – Manche Zeitgenoss/innen können das sogar ziemlich gut: Sich im Vorhinein schon mal einrichten in ihrer Angst vor irgendetwas Schrecklichem. Meist wird die Angst in den Griff bekommen oder gar ‚besiegt‘, indem man die Lösung der Probleme einer mächtigeren Person überträgt; einer Führungsperson, die ja schon qua Amt gleichsam immer recht hat. Da weiß man ja, woran man ist. – Aber stimmt das tatsächlich? Gehen nicht auch die ‚Mächtigen‘ und selbsternannten ‚Meinungsmacher‘ so manches Mal in die Irre … oder schicken uns in die Wüste?

Wenn schon „Vor_Sorge“, dann hätte ich da jemanden anzubieten. Nein, nicht die Moorspitzmaus, sondern jemanden, der überwältigend und mächtig allein durch seine bloße Gegenwart besticht. Da werden jedem die Knie weich, das kann ich ver-sprechen, und seine Ansage ist glasklar. Während wir bibbernd vor ihm stehen, sagt er einfach: „Fürchtet Euch nicht!“ 

 

Das ist keine Bitte, das ist eher schon ein Befehl; oder besser: Eine Ansage, die genau das bewirkt und bringt, was ihr Inhalt ist J . - Also halte ich mich an diese Ansage des Engels, der im Namen Gottes spricht, … und lasse alle  Furcht dahinfahren. … Oder ich mache es wie die Moorspitzmaus - und fang einfach schon mal an zu zittern; doch nicht aus Angst, sondern aus Ehr_furcht vor dem, der „gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (so der Wochenspruch aus Lukas 19,1o).

Gedanken Pfarrer Hofius 23.06.2020

„Das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an“ – heißt es in Genesis/1.Mose 8,21. -  Ein Satz wie ein Paukenschlag; nichts von wegen Kleinkinderunschuldsromantik. Keine Wertschätzung der großen menschlichen Möglichkeiten. – Nein, einfach nur die blanke Erkenntnis: Die Neigung zum Bösen steckt tief in uns – und zwar in uns allen! - drin.

Da muss man in unserer Welt nicht einmal weit schauen, um eine Bestätigung für diese überaus realistische Sicht auf den Menschen zu finden; die Bilder vom letzten Wochenende in Stuttgart lassen doch daran keinen Zweifel aufkommen.

Aber was heißt das nun wiederum für den Glauben an Gott? - Es heißt: Der größte Stolperstein des Glaubens bin ich mir selbst! Zwischen mir und Gott, zwischen mir und den anderen Menschen – egal welcher Religion, Konfession, politischen oder sexuellen Orientierung, Hautfarbe, Alter oder Geschlecht - steht oftmals nur einer im Weg: Nämlich ICH! – Beim unvoreingenommenen Nach_denken darüber ist mir mein eigenes Leben Beweis genug dafür, dass die Bibel mit dieser unbequemen Wahrheit Recht hat. Ich bemühe mich im Alltag mit meinen Mitmenschen geduldig umzugehen - und scheitere oft genug damit. Ich möchte meinen ökologischen Fußabdruck deutlich verringern - doch meine Bequemlichkeit kommt mir beständig dazwischen. Bekannten möchte ich ein guter Freund sein – aber die eigene Routine stehen dem oft genug im Weg. Manchmal kommt es mir so vor, als müsste ich an mir vorbei glauben; müsste bzw. sollte glauben, als wäre ich nicht da. Und es wäre besser allen Menschen zu begegnen als gäbe es mich gar nicht. Doch dann merke ich schnell: Das geht nicht. – Sowohl im Leben als auch im Glauben bin doch ich mit all meinen Stärken und eben gerade auch meinen Schwächen involviert. Da gibt es überall diese Lichtblicke und die Dunkelstellen. Es gibt aber nur ein ‚Ich‘, das glaubt und lebt: Mich. Ob es mir passt oder nicht; ob das angenehm ist …oder unangenehm.

Doch was mache ich jetzt mit diesem fehleranfälligen ‚Ich‘? Und mehr noch … und spannender: Was macht der Glaube damit?   Es geht nicht anders, als dass ich dieses hin- und hergerissene ‚Ich‘ immer wieder thematisiere, weil es ‚mich‘ ja nur so gibt … im Konzert all der anderen ‚Ich’s, denen es doch auch so geht (Heilige und Schein_heilige einmal ausgenommen). Es ist doch dieses ‚Ich‘, mein ‚Ich‘, das voller Neugier und Zuwendung die Begegnung mit anderen Menschen und mit der Schöpfung sucht … und dabei zuweilen irrt, sich verrennt oder versteigt. Und es ist dieses selbe ‚Ich‘, das einen Weg zu Gott sucht. Und auch hier gibt es in all diesem Suchen das Scheitern. Aber eben – Gott sei Dank – nicht nur; sondern so manches Mal auch einen Schimmer von Glück und Gelingen und Glück.

Darum hoffe ich darauf, dass wahr ist, was der Apostel schreibt: „Gott ist‘s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen“ (Philipper 2,13).

So halte ich mich beim Laufen und Stolpern im Leben wie im Glauben an dieser uralten Hoffnung fest, die mir vom Wegesrand her gereicht wird: Auch ich Stümper im Glauben darf auf Gottes Güte zählen.

Überlegt und sagt sich Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 21.06.2020

Auch wenn man es sich derzeit kaum vorstellen kann:

Es wird eine Zeit nach Corona geben.

Die Frage ist nur: Werden wir dann einfach so weitermachen wie vorher? - Krisen können doch neue Erkenntnisse bringen. Schon das Wort „Krise“ weist darauf hin.

„Krise“ stammt vom Griechischen „krinein“, was „unterscheiden“ bedeutet.

Krisensituationen führen also dazu, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Will sagen: Jede größere Krise lehrt uns etwas. In der Corona-Krise ist es die positive Wirkung der ‚Solidarität‘ – bzw. im ‚Kirchensprech‘ der ‚Nächstenliebe‘. - Solidarität ist bis heute die einzige Medizin, die wir gegen den Corona-Virus haben. Solidarisch sein setzt Einsicht und Klugheit voraus; hier speziell die Klugheit des Herzens. Solidarisch sein ist eine Frucht der Liebe zum Nächsten. Diese Liebe öffnet die Augen, bewegt das Herz, fördert das Nachdenken, stärkt die Hände zum Handeln. Das konnten wir in den letzten Monaten täglich erleben; Menschen helfen sich gegenseitig. Sogar Fremde, die sich noch nie begegnet sind. Die Menschen spüren: Ich kann etwas tun, um andere zu schützen. Der Mundschutz ist zu einem Symbol von wechselseitiger Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit geworden. Er erinnert den Einzelnen daran, dass er andere schützen kann. Durch Abstand, Rücksicht und Mitgefühl.

Hoffentlich lernen wir jetzt immer noch im großen Stil … und behalten es bei aller Begeisterung für die langsamen Lockerungsmaßnahmen bei … , wie erfüllend und sinnstiftend das sein kann - und wie wir dadurch letzten Endes alle gewinnen.

Solidarisches Handeln kann die Kultur in unserem Land wie auch weltweit verändern; der Ruf danach steckt ja doch auch in der Bewegung „black lives matter“.  Denn ‚every live matters‘ – ‚jedes Leben zählt‘ -  für uns … und eben besonders auch für unseren Schöpfer. Über ihn, der an unserer Seite ist und uns in Krisen auffangen will, hat Arno Pötzsch unübertroffen gedichtet:

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand,

            die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.

 Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod

            doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not.

 Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit

            und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.“  (EG 533)

 

Dem ist nichts hinzuzufügen  –  findet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 09.06.2020

Wie wollen wir leben … und wie gerade nicht?

Was ist uns wichtig … und worauf könnten wir verzichten?

Die Welt ist noch immer im Ausnahmezustand; und diese Zäsur könnte dazu dienen, Fragen zu stellen, für die im „Normalen“ so wenig Zeit ist.

Doch jetzt befinden wir uns seit Anfang Februar in einer Zeit, in der wir vor allem eins neu lernen müssen: Wie verwundbar wir sind. - Das schien uns im westlichen Europa und im reichen Deutschland alles so fern. Generationen, die nicht wissen, wie Krieg schmeckt. Ein Glauben an die Beherrschbarkeit einer Welt, die durch Forschung und Technik möglichst alles Unvorhersehbare eliminierte. Die Dämonen und Seuchen des Mittelalters lebten nur in den Bildern der Historienfilme. Und nun hat ein Virus all dies zutiefst in Frage gestellt. Ein Wendepunkt unserer Geschichte?

Der israelische Historiker Yuval Noah Harari meint ‚Ja‘. Er sagte Ende März in einem Interview: „Wir haben ein System aufgebaut, das die Möglichkeiten von Epidemien ignoriert. Wir haben sie beim Bau unserer Welt nicht berücksichtigt, weil wir glaubten, dass das Gesundheitssystem in der Lage sein werde, der Ausbreitung der Epidemie einen Riegel vorzuschieben. Wir sind mächtig und stark – aber eben nicht dermaßen mächtig und stark. Unsere komplexe Gesellschaft ist viel zerbrechlicher als diejenige im Mittelalter.“

Was uns vor allem vom Mittelalter unterscheidet? Zunächst einmal, dass es für uns einen Gott, der die Pest als Strafe über uns kommen lässt, nicht mehr gibt. Und das ist gut so. Denn der Gott, der in der Bibel beschrieben und der durch die Reformatoren neu entdeckt wurde, ist keine über allem schwebende Instanz, die uns als der Richter über Leben und Tod begegnet. Gott ist für uns vielmehr der, der mit uns dort ist, wo es am Dunkelsten und Schmerzhaftesten ist. Dort, in den Krankenstationen überall auf der Welt. Dort, wo Menschen einsam sterben müssen, weil ihre Verwandten nicht bei ihnen sein dürfen.  

Gott straft nicht; sondern Gott leidet mit. Die Allmacht, die Gott auszeichnet, ist eine Allmacht der Liebe.

Ein solcher Gott freilich ist ebenso verwundbar, wie wir selbst. Er ist verwundbar, weil er uns unendlich liebt; und wer liebt, macht sich anfechtbar und angreifbar.  --  Ein wichtiger Punkt, den wir in dieser Krisenzeit lernen müssen, ist, mit dieser neuen Erkenntnis zu leben: Wir sind verwundbarer, als wir es vielleicht für möglich gehalten haben. Diese Lektion ist notwendig, weil wir ohne sie unsere Zukunft nicht werden gestalten können. Und auch dieses ‚Gestalten‘ wird nicht ohne Verluste und Reibung vor sich gehen. – Umso wichtiger ist, dass wir uns und anderen die Chance geben, die Ängste und Sorgen zu thematisieren. Und zugleich in einem weiteren Schritt zu lernen, was mir persönlich gut tut an Bewegung, Ernährung, Nähe und Abstand, Wechsel von Arbeits- und Freizeit. – Gewiss kann manches dabei digital erfolgen; für mich persönlich aber merke ich, dass mir der reale Austausch mit einem konkreten Gegenüber – und sei es mit Sicherheitsabstand – immer noch besser gefällt.

 

Empfindet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 26.05.2020

Das schönste Versprechen, das ein Mensch einem anderen geben kann, heißt:

Ich bin für dich da. - Das sagt die Mutter, die ihr Kind durch eine schwere Krankheit begleitet. … Das sagt sich zwei Partner, wenn sie einander ein gemeinsames Leben versprechen: In guten wie in schlechten Tagen bin ich für dich da. – Und das gilt sowohl für Mann und Frau wie auch für Männer respektive Frauen; ohne jeden Unterschied! … Und wenn eine Krise einen einmal so richtig durchschüttelt, wenn der Boden unter den Füßen schwankt, ist es gut, wenigstens einen Menschen zu haben, der einen spüren lässt: Du kannst mit mir rechnen; ich bin da für dich.

Wenn jemand in Not und Bedrängnis ist … und ein Mensch sagt: „Ich bleibe bei dir. Ich lasse dich nicht im Stich. Ich bin für dich da", dann handelt er wie Gott. Das lässt sich aus der Bibel so herauslesen:

In einer Geschichte am Anfang der Bibel wird erzählt, dass Mose in der Wüste einen  Dornbusch sieht, aus dem helle Flammen schlagen. Der Busch brennt, aber er verbrennt nicht. In seinem Feuer ist Gott verborgen. Als Mose ihn nach seinem Namen fragt, gibt Gott ihm die rätselhafte Antwort: ‚Ich bin  der "Ich  bin  da". (Exodus 3,14)

Ich meine, besser kann niemand sagen, wer und wie Gott ist. Gewiss hat Gott viele Namen … und sein Geheimnis ist nicht einzufangen in Definitionen. Das eine ist aber sicher: Er ist der, der da ist. Er ist da … als die Mitte unserer Sehnsucht … und als Kraft für einen neuen Anfang. Er ist da … in jedem Atemzug, den wir tun.

Darum sprich der Beter von Psalm 139 die wunderschönen Worte: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir." – Gott immer und überallmit seiner Begleitung, seinem Geleit und Schutz an meiner, an unser aller Seite; auch dann, wenn wir ihn nicht sehen. Auch da, wo er verborgen zu sein scheint, weil wir so gar nichts von ihm erkennen zu können meinen. – Doch gerade auch dort, im Dunkel  unserer Vergangenheit wie auch im Ungewissen unserer Zukunft ist Gott da und verspricht: „Ich bin da.

Das ist die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens, dass Gott ganz für uns da ist – und zwar so sehr, dass er selbst Mensch geworden ist. Auch die letzten Worte Jesu im Matthäusevangelium geben Zeugnis davon: Habt keine Angst. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Alle Tage – und damit eben auch heute; so schön oder beschwerlich es mir gerade sein mag. Überall geht Gott mit; durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens.  -  S.D.G – soli Deo gloria – allein Gott sei Dank/Ehre/‘Anbetung‘ … denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius..

Gedanken Pfarrer Hofius 18.05.2020

Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich.

Alljährlich gibt es eine „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ – was ich schon spannend finde in diesem Jahr vor dem Hintergrund von Corona, wo die innerdeutsche Einheit der Akzeptanz von Einschränkungen täglich rasanter zu bröckeln scheint.

Die diesjährige Gebetswoche startet offiziell an Christi Himmelfahrt und bezieht sich auf Apostelgeschichte 27 + 28, wo es in 28,2 heißt: „Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich“. Denn es wird erzählt, wie der Apostel Paulus und seine Mitreisenden Schiffbruch vor Malta erleiden. Die Schiffbrüchigen werden von der einheimischen Bevölkerung gastfreundlich aufgenommen und versorgt.

Die maltesischen Christen sehen in dieser Geschichte die Wurzeln des christlichen Glaubens auf ihrer Insel. Alljährlich am 1o. Januar erinnern sie mit einem Fest an diese Ereignisse. – Gewiß fällt auch Ihnen in Hinblick auf die Geschichte vom Schiffbruch des Paulus die heutige Situation von Flucht und Migration ein; denn nur dadurch, dass sich bei uns alles um Corona dreht, sind die weltweiten Gründe von Flucht und Migration ja nicht plötzlich weg. Auch heute sehen sich viele Menschen auf demselben Meer denselben Schrecken gegenüber. Dieselben Orte, die in der Apostelgeschichte genannt werden, kommen in den Geschichten heutiger Flüchtlinge vor. – Doch nicht nur im Mittelmeer, auch in anderen Teilen der Welt müssen Menschen fliehen. Sie begeben sich damit auf eine gefährliche Reise zu Land und zur See, um Naturkatastrophen, Krieg und/oder Armut zu entkommen. Diese Menschen sind besonders auf die Gastfreundschaft anderer angewiesen.

Das Beispiel aus der Apostelgeschichte macht deutlich, wie aus einer zufälligen Begegnung Gemeinschaft entstehen kann. Gemeinschaft über Grenzen hinweg mindert Not. Unsere Kirchen sehen sich in der Pflicht, solche Gemeinschaft zu fördern. Das wird auch uns umso mehr gelingen, je mehr wir untereinander Gemeinschaft pflegen und Versöhnung suchen.

Im Kleinen kann das vor Ort - also bei uns - auch geschehen. Wenn wir in Not Geratenen helfen und sie unterstützen. … Doch manchmal ist das gar nicht so einfach, die Not der anderen zu entdecken, da wir Meister/innen im Verschleiern sind. – Aber das ist doch gar nicht nötig!

è Wenn SIE in Not sind,

è wenn SIE Hilfe brauchen,

è wenden SIE sich doch vertrauensvoll an Ihren Pfarrer oder Ihre Pfarrerin; denn bei denen gilt …

à a) sie unterliegen der Schweigepflicht ,

à b) sie können entweder selber helfen (Stichwort ‚Pfarramtskasse‘)

à c) oder sie können Hilfe vermitteln (Stichwort ‚Diakonie‘).

Auf dass IHNEN geholfen werde … und es von unseren Gemeinden auch heißen möge „Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich.“

 

Denkt Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 28.04.2020

Schon ein komisches Gefühl: Nach Wochen des ‚shutdown‘, in denen die einen nicht zur Arbeit aus dem Haus durften bzw. sollten, in denen viele im ‚homeoffice‘ tätig waren … und andere sich – zumal in Krankenhäusern und Pflegheimen sowie in der Lebensmittelbranche – kaum vor Arbeit zu helfen wussten, … kommt nun diese Woche der „Tag der Arbeit“ am 1. Mai.

Eigentlich ja ein Tag, an dem die meisten nicht arbeiten müssen. Also einer, den man genießen kann. - Für uns Pfarrer’innen  ist das sogar einer der wenigen Feiertage, an denen wir auch frei haben – denn der erste Mai ist ja kein klassischer kirchlicher Feiertag.  „Ich mach heute mal nix. Und ich werde das auch mal genießen!“, das denke ich an diesem Tag seit Jahren; aber ich ahne schon: So richtig lang halte ich das „nichts machen“ nicht aus. Irgendwie fällt mir dann schon etwas ein, was ich noch machen könnte …oder möchte … oder sollte.

Unser evangelischer ‚Weisheiten-Notnagel‘ für alle Fälle, der nie um einen Aphorismus verlegene Reformator Martin Luther hat einmal gesagt:

            „Die Arbeit gehört zum Menschen

              wie zum Vogel das Fliegen!

Etwas tun, das sinnvoll erscheint – einem selbst … und auch anderen.

Erleben, dass etwas durch mich entsteht oder sich verändert – zum Besseren.

Und manchmal darunter leiden, dass die ganze Arbeit und Mühe gerade aus irgendeinem Grund vergeblich war.

Das ist „Arbeit“ – egal, ob man dafür bezahlt wird oder nicht.

Doch dieses Verständnis ‚bröselt‘ in den letzten Jahren mehr und mehr; und für mich gefühlt in den zurückliegenden Jahren, Monaten und eben gerade den Wochen der sogenannten „neuen Normalität“ (ich mag den Begriff gar nicht!) um so schneller. Denn in vielen Fällen verändert sich durch die Digitalisierung vieler Arbeitsvollzüge ihr Charakter. Manche moderne Arbeitsplätze nehmen sich wie Computer mit angeschlossenem Menschen aus. Und die Transformation in zu einer weiteren ‚Elektronisierung‘ von Arbeit wie Produkten führt zu massiven Rückgängen in der Beschäftigungsquote. – Das, was wir dieser Tage aus der Presse über die Personalüberlegungen des Autobauers mit Stern erfahren, ist da ja ‚nur‘ die Spitze des Eisberges, auf den wir seit Jahren mit unverminderter Kraft und unseres einmal gewählten Kurses sicher zusteuern.  Eine aktuelle Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sagt vorher, dass die Zahl der Erwerbstätigen in den kommenden Monaten um eine halbe Millionen sinken wird. Wie es danach weitergeht, ist unabsehbar. Sprich: Der Wandel der Arbeitsgesellschaft ist dramatisch.

Gerade deshalb bedarf es mit Blick auf die Zukunft weiterer Überlegungen und eines gesamtgesellschaftlichen Austauschs, was denn ‚Arbeit‘ ist; und welche Arbeit wie wertgeschätzt und honoriert wird (ich nenne nur den Bereich der Kranken- und Altenpflege, der Erziehenden, der ‚zu Hause‘-Tätigen bei kleinen Kindern, Pflegebedürftigen  oder alten Eltern).

Denn seien wir doch ehrlich: Gar nichts zu tun, das Leben nur zu genießen,… das geht vielleicht wenige Tage gut; aber dann reicht es auch schon. - Etwas „schaffen“,

darauf sind wir im Innersten programmiert – eben wie der Vogel zum Fliegen gemacht ist.

Vielleicht nutzen wir daher den ersten Mai in diesem Jahr bewusster dazu zu überdenken, wie dankbar man sein kann, wenn man etwas zu tun hat, was man gerne macht.

 


Einen guten ersten Mai wünscht Ihnen und Euch Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 14.04.2020

Meinem Gott gehört die Welt, /

meinem Gott das Himmelszelt, /

ihm gehört der Raum, die Zeit, /

sein ist auch die Ewigkeit.           (EG 408)

 

 

Seit frühester Jugend begleitet mich dieses Lied – ein Lied, das in guter evangelischer Tradition Bekennen und Glauben verbindet, das lernen und  verinnerlichen lässt.

Hinter allem, was wir vermeintlich kennen … oder aber gerade nicht kennen und darum fürchten, hinter allem ist ER, ist Gott. Raum. Zeit. Raum und Zeit. Hinter allem oder über allem, oder in allem - wenn ihm alles gehört, dann ist das so. Größer als die unendlichen Weiten (sowohl des Alls bzw. der Galaxien, des weltweiten Webs und auch so manch unerwarteten Pandemie) ist Gott.

Im Dialog mit diesem Lied entwickelt sich mein Glaube – bis heute. Ich lerne glauben, lerne nachdenken über das Leben …und so manche theologische Begrifflichkeit. -  Und ich begreife: Ganz weit weg ist Gott … und zugleich ganz nah. Das beruhigt.

 

Die Worte dieses angeblich so schlichten (Kinder-)Liedes stammen von Arno Pötzsch. Geboren im Jahr 1900 wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. Er meldete sich als 17 jähriger freiwillig im ersten Weltkrieg zur Kriegsmarine. Das Ende des Krieges brachte ihn in eine tiefe Lebens- und Glaubenskrise. Mit fast dreißig Jahren entschloss er sich, Theologie zu studieren.- Denn er fragt sich, wie Menschen mit Lebenskrisen umgehen können. Wie sie Hilfe zum Leben bekommen können, vor allem dann, wenn ihnen unbegreiflich ist, wie Gott die Dunkelheiten ihres Lebens zulassen kann. Die Rätsel, die im Blick auf Gott bleiben, beschäftigen ihn immer wieder. - Und Pötzsch ist sich sicher, dass es keine Zeit und keinen Ort ohne Gottes Gegenwart gibt. Er, der dann als Pfarrer auch den zweiten furchtbaren Weltkrieg erlebt hat, schreibt dennoch gerade deshalb in seinen Lieder und Gedichten von dieser Gewissheit: So, wie ich Gott gehöre, so gehört ihm auch Raum und Zeit, und über alles hinaus die Ewigkeit. Er widmet mir seine ganze Zuwendung und Fürsorge!

 

Täglich gibt er mir das Brot, /

täglich hilft er in der Not, /

täglich schenkt er seine Huld /

und vergibt mir meine Schuld.       - heißt es in der vierten Strophe … in enger Anlehnung an das Vater-Unser-Gebet Jesu. – Erst nach dem Studium ist mir während des Singens einmal aufgegangen, dass Jesus/‘Jeschua‘ übersetzt ja heißt: ‚Gott hilft‘, ‚Gott rettet‘. So begegnet also Jesus in dem Lied als der "Täglich-hilft-er-in-der-Not"; und das nicht nur im Gebet, nicht nur am Gründonnerstag, am Karfreitag oder an Ostern, sondern eben “täglich“ – immer wieder unverfügbar, neu und rettend.

 

 

Leb ich, Gott, bist du bei mir, /

sterb ich, bleib ich auch bei dir, /

und im Leben und im Tod /

bin ich dein, du lieber Gott! – so die sechste und letzte Strophe.    

Gott, letzter Halt und Grund und letztes Ziel allen Lebens - diese Gedanken und Worte haben auch eine ‚politische‘ Dimension. – Denn wer bestimmt darüber, wie ich mich und mein Leben wahrnehme und sehe? Von wem oder was lasse ich mich bestimmt sein? Und welche „Einschränkungen bin ich bereit hinzunehmen, wenn ich mich doch zugleich von dem einzig Entscheidenden wahrgenommen und gehalten weiß – und das in Zeit und Ewigkeit?

 

In den und die Hände(n) dieses Gottes ist auch Arno Pötzsch gestorben, als er am 19. April 1956 in Cuxhaven starb. – Ob wir ihm zu Ehren und zum Gedenken am kommenden Sonntag eines seiner Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG) singen? Im Gottesdienst hätte ich es (gerne) gemacht; vielleicht ja auch Sie zu Hause. Es „lohnt“ sich!          

 

 

                                               Verspricht Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 07.04.2020

Verwirrende Zeitansage

„Wann geschieht das Entscheidende?“ - fragen sich nicht nur in CORONA-Zeiten viele.  - „Wann fängt der Tag eigentlich an?“ – auch so eine Frage, über die man sich trefflich unterhalten kann.

„Wann fängt der Tag an?“ – für die allermeisten ist das ganz klar: am frühen Morgen. Oder eben – mit der Uhr am Arm oder im Smartphone … ganz knapp nach Mitternacht…. Und ich lege noch eine Frage dazu: „Wann beginnt die neue Woche?“ Ein Blick in heutige Kalender scheint nur eine Antwort zu liefern: ‚Natürlich‘ am Montagmorgen, denn dann geht das ‚Gewusel‘ und ‚Geschaffe‘ wieder los – zumindest in ‚normalen‘ Zeiten.

 

Und doch gibt es auch eine ganz andere Sicht auf das  Leben:

Nach christlichem Verständnis startet die  Woche  mit  dem  Sonntag,  dem Tag der Befreiung (in Anlehnung an den Ostermorgen), dem Ruhetag.

Unsere Tage beginnen eigentlich mitten der Nacht um 0 Uhr; nach jüdischem Verständnis aber bereits am ‚Vorabend‘, nämlich bei Sonnenuntergang. Wenn das Gestirn weg ist, das den Tag bestimmt - die Sonne - , dann beginnt etwas Neues; und das startet zunächst – wie bei der Erschaffung der Welt – mit Dunkelheit und den damit verbundenen Gefahren und dem Chaos.

Das Verwirrende dieser Zeitansage – wir leben und feiern es ganz selbstverständlich  an Weihnachten, diesem für viele hellsten Fest des Kirchenjahres. Wer denkt da schon daran, dass wir Weihnachten mitten in der dunkelsten Jahreszeit feiern?

Kaum einer denkt darüber nach; und doch steckt ‚System‘ dahinter! Denn die Frage dahinter lautet: Wann geschieht im Leben das Entscheidende?

Geschieht es im Hellen, wenn ich wach bin, … oder im Dunkeln, wenn ich schlafe?  Für uns, als ständig um sich selbst kreisende Menschen, scheint die Antwort auf der Hand zu liegen und klar: Das Entscheidende geschieht ‚natürlich‘ am Tag, wenn ich aktiv bin. – Aber ist das wirklich so ‚natürlich‘?

 

Die Abwertung des Schlafes  als bloße  Erholungszeit … ist so einfach und stimmig auch nicht. – Wir mögen ruhen; aber doch wohl (zumindest: „auch“) so, wie Felder und Gärten im Winter. Doch unter der Erde, im Dunkeln, keimen die Weizenkörner und andere Samen bereits  zu kleinen  Pflanzen. Wenn  sie  ans  Licht  kommen,  sind  sie  schon perfekt, müssen nur noch wachsen. – So doch auch wir Menschen: Ein Baby braucht neun Monate. Wenn es ans Licht kommt, ist es schon vollkommen, ein Wunder.

Mit Blick auf diese Karwoche und dann das Osterfest … denke ich:

Wir sprechen … bzw. schreiben … von Finsternis, von Leid und Tod. – Und doch  sprechen wir dabei und darunter immer zugleich auch von dem Leben, das durch  die  Finsternis  ans  Licht  bricht; für und in dem Christus …und durch ihn auch für und an uns. Neues Leben inmitten und trotz aller Dunkelheit und Bedrohung. Neues Sein als unverdientes Geschenk – aus lauter Liebe und Gnade.

DAS ist Ostern.

DEM sollten wir  mehr vertrauen.

GOTT dürfen wir vertrauen … und danken für das Geschenk des Lebens.

Seine Zeitansage ist besser und gewisser als jede Sommerzeit oder durch uns bemessene Zeit mit ‚vor‘ oder ‚nach CORONA‘; seine Zeit bemisst sich an der Ewigkeit. -  Und wo beginnt bzw. endet die?       

 

Denkt Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius. 

Gedanken Pfarrer Hofius 15.01.2020

Viele Gemeinden begehen in diesen Tagen die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“, Die Texte hierfür wurden von den Kirchen in Malta vorbereitet. Denn die Geschichte des Christentums auf dieser kleinen Insel reicht in die Zeit der Apostel zurück. Nach der Tradition erreichte der Heilige Paulus die Küste Maltas im Jahr 6o nach Christus. Die Erzählung, die diese ereignisreiche und glückliche Episode beschreibt, wird uns in den letzten beiden Kapiteln der Apostelgeschichte überliefert:

Die Inselbewohner von Malta erwiesen denen, die Schiffbruch erlitten hatten, eine großzügige Gastfreundschaft: „Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich“ - heißt es in Apg 28,2.

In diesem offenen, vorbehaltlosen und gastfreundlichen Handeln ihrer Vorfahren sehen die maltesischen Christen die Wurzeln des christlichen Glaubens auf ihrer Insel. Jedes Jahr, nämlich konkret am 1o. Januar, erinnern sie darum mit einem Fest an diese Ereignisse.

Es gehört nicht viel dazu, um die Geschichte vom Schiffbruch des Paulus in den heutigen Kontext von Flucht und Migration zu stellen. Heute sehen sich viele Menschen auf demselben Meer denselben Schrecken gegenüber. Dieselben Orte, die in der Apostelgeschichte genannt werden, kommen in den Geschichten heutiger Flüchtlinge vor. – Doch nicht nur rund um das Mittelmeer, auch in anderen Teilen der Welt müssen Menschen fliehen. Sie begeben sich damit auf eine gefährliche Reise zu Land und zur See, um Naturkatastrophen, Krieg und/oder Armut zu entkommen. Diese Menschen sind besonders auf die Gastfreundschaft anderer angewiesen.

Das Beispiel aus der Apostelgeschichte macht deutlich, wie aus einer zufälligen Begegnung Gemeinschaft entstehen kann. Gemeinschaft über Grenzen hinweg mindert Not. Unsere Kirchen sehen sich in ökumenischer Geschwisterlichkeit in der Pflicht, solche Gemeinschaft zu fördern. Das wird auch uns umso mehr gelingen, je mehr wir untereinander Gemeinschaft pflegen und Versöhnung suchen.

 

Mögen die Liebe und der Respekt, die uns in der biblischen Überlieferung begegnen, unsere Gemeinschaft immer stärker prägen.

Gedanken Pfarrer Hofius 21.01.2020

Anfänge haben etwas Aufregendes und Unberührtes an sich:

Wir können noch einmal alles ganz neu sortieren …

… und hinter uns lassen, was belastet.

Eine beglückende Erfahrung: Ein neues Kapitel aufzuschlagen.

So muss das auch für den Evangelisten Johannes gewesen sein.

Vielleicht hat er die Evangelien von Lukas und Matthäus gekannt. Aber er will sein eigenes Evangelium anders beginnen lassen. Denn für Johannes ist klar: Gott hat einen neuen Anfang gemacht - mit Jesus, dem Christus. Damit sagt Johannes nicht, dass die vorhergehenden Anfänge nichts waren, dass sie abgewertet werden sollen; aber er erinnert sich daran, dass schon die Alten die Bibel mit den Worten begonnen haben: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde."

Also geht er ganz an den Anfang der Bibel zurück: Aus den Geschichten der Alten schöpft er die Kraft für das Neue. Denn mit Jesus hat Gott doch wieder einen neuen Anfang  gesetzt. – Und genau darum beginnt Johannes mit einem Loblied auf das Wort Gottes  …  und schafft damit die so ganz andere Weihnachtsgeschichte.

„Im Anfang war das Wort,

 und das Wort war bei Gott,

 und Gott war das Wort.

 In ihm war das Leben,

 und das Leben war das Licht der Menschen.

 Und das Licht scheint in der Finsternis,

 und die Finsternis hat's nicht ergriffen.“

Auch einen Monat nach dem Fest dieses Anfangs, nach Weihnachten, kommen wir von einem Anfang her; und der ist gut, sehr gut. - So hat die Bibel angefangen, und erzählt vom Anfang aller Anfänge, den Gott setzt. Das macht Hoffnung, gibt Mut, Neues zu wagen.

Doch was verbindet nun die Geburtsgeschichte von Lukas und Matthäus, was verbindet das Kind in der Krippe, Maria und Josef in Bethlehem, die Hirten auf dem Felde, die Weisen aus dem Morgenland … mit dem Loblied auf das Wort, das Johannes an den Anfang seines Evangeliums setzt? -  Ich denke: Mit der Geburt eines Kindes wird ein neuer Anfang gesetzt. Vor Gott sind Kinder nie nur das natürliche Produkt ihrer Eltern, sondern Geheimnisträger dessen, was kommen kann. Und so verbindet sich Johannes in seinem Evangelium mit Lukas und Matthäus.

„Im Anfang war das Wort,

 und das Wort war bei Gott, …“  und das ist gut. Denn das ist eine Zusage an uns Menschen. Ob wir jung sind oder alt. Wir haben es gern gemütlich, eingerichtet, es soll doch alles fertig und bereit sein; aber wann sind wir fertig?

Gott sei Dank sind wir nie fertig, mit der Welt und mit den Menschen.

Ich glaube, Gott gibt uns immer wieder die Kraft zu neuen Anfängen.

Davon erzählt auch die Jahreslosung aus Markus 9,24 für dieses Jahr 2o2o; aber das ist eine andere Andacht wert J ,     Herzlichst, Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius