Gedanken Pfarrer Hofius 16.02.2021

Kaum sind Weihnachten und der Jahreswechsel hinter uns, … finden wir uns am Beginn der österlichen Bußzeit bzw. Passionszeit wieder: Noch 4o Tage / 5 ½ Wochen, dann ist Gründonnerstag bzw. Karfreitag … und dann schon Ostern.

Wir treten ein in eine Zeit, in welcher der Leiden Christi gedacht wird.

Spannend finde ich, dass sich die Namen der nächsten Sonntage von den jeweils ersten Worten des jeweiligen „Introitus“, des eröffnenden Psalmverses, ableiten:

Invokavit                   Ps 91,15

Reminiscere             Ps 25,6

Okuli                          Ps 25,15

Laetare                      Jes 66,10

Judika                                   Ps 43,1

Palmarum                 Joh 12,12ff

Mit einer kleinen Eselsbrücke lassen sich die Namen in ihrer Reihenfolge merken:

In rechter Ordnung lerne Jesu Passion".

 

Der erste Sonntag ist „Invokavit“ - wörtlich übersetzt: „Er hat gerufen.“

 

Gott, du bist die Quelle meines Mutes.

Du bist das Haus, in dem ich sicher wohne.

Du bist der Grund meiner Hoffnung.

Errette mich vor dem, was lauernd mich bedroht,

vor dem, was mich entkräftet und krank macht.

Bewahre meinen Weg, damit ich nicht in die Tiefe stürze.

A m e n .  

Gedanken Pfarrer Hofius 09.02.2021

Nicht allein

Seit einem Jahr leben wir nun mit bzw. unter Corona und den damit einhergehenden Veränderungen unseres Lebens und Verhaltens. – Auch wenn momentan an vielen Orten die Inzidenzwerte fallen, lassen Sorge und Angst uns doch nicht los. Viele fühlen sich der Situation immer noch hilflos ausgeliefert. Denn das, was da über uns hinwegrollt, war für uns bisher unvorstellbar. Unserer Pläne, unsere Freiheit schienen unumstößlich.

Seit einem Jahr müssen wir uns dieser Situation stellen, aber nicht allein, keiner muss das alleine auskämpfen, selbst wenn wir nicht, wie gewohnt, zusammenkommen können. Vielleicht sollten wir uns darauf besinnen, dass wir Menschen sind, die sich einer Gefahr stellen können, die sich entscheiden können und dem Ganzen nicht einfach nur ausgeliefert sind. Denn veränderte Umstände und geändertes Verhalten kann auch unser Denken und Tun ändern; oder? – Nehmen wir uns doch auch und gerade jetzt, wo der Ruf nach Veränderung so laut wird, die Zeit, um jemanden anzurufen oder einen Brief zu schreiben, um Sorgen zu teilen, einander zu trösten. Wer hat, kann auch die sozialen Medien nutzen, um die Verbindung zu anderen Menschen zu halten, sich einander mitzuteilen. Wichtig ist, dass wir uns nicht auf uns selbst zurückziehen, dazu ist der Mensch einfach nicht gemacht. Wir sind, so ist mein Glaube, aus der Liebe des dreieinigen Gottes hervorgegangen, das ist unser Ursprung. Das ist im tiefsten unser Wesen, das nach Gemeinschaft ruft und nicht allein sein will. – Dazu segne und behüte Gott Sie und die Menschen, mit denen Sie in Verbindung stehen.        

 

 

                                                            Ihr / Euer Pfr. Christoph Hofius 

Gedanken Pfarrer Hofius 02.02.2021

Die Neuseeländer haben ein erstaunliches Wort: Whanaungatanga.

Das kommt aus der Sprache der Maori und bezeichnet einen starken Gemeinschaftsgeist. - Es heißt: Ich fühle mich tief verbunden mit meinen Mitmenschen. Ich spüre, dass ich aus gutem Grund mit ihnen zusammenlebe und kümmere mich deshalb um jeden einzelnen von ihnen. Ich werde umso glücklicher und gesünder, je mehr Beziehungen ich zu anderen Menschen habe und je positiver und bedeutungsvoller ich sie gestalte.

Das klingt – zumal in Zeiten unter Covid-19 - wunderbar … und wird von den Neuseeländern an vielen Orten großgeschrieben: In Schule, Kindergarten, der lokalen Gemeinde. – Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Ob wir bei uns nicht auch davon profitieren können? Immerhin ist Whanaungatanga ja auch ein Oberbegriff für das, was wir in Gäufelden  mit Vereinen und Kirchengemeinden, mit Gemeinderat oder Diakonieverein praktizieren … oder vor einen Jahr mit den „Helfenden Händen“ aus der Taufe gehoben haben. Wer Anregungen braucht, nehme gerne die verteilte ‚Jubiläumsschrift der Gemeinde Gäufelden‘ zur Hand.

Aber unsere Gemeinschaft kann sich hier noch verbessern, weil wir alle miteinander verbunden sind und nur miteinander existieren können. Eigentlich ist es ganz einfach, dieses Gefühl der Verbundenheit wiederzufinden. Mir persönlich geht es so: Jedes Mal, wenn ich jemandem helfe, geht es mir hinterher besser. Es scheint sogar sowas wie ein Gesetz zu geben, dass alles Gute, das ich für andere tue, um ein Vielfaches vermehrt zu  mir  zurückkommt. So gesehen gäbe es ja eigentlich nichts Egoistischeres, als etwas für andere zu tun. Das wirkt vielleicht erst einmal ungewohnt, wenn man den Anderen gar nicht kennt; aber durch das Helfen wird man ja miteinander bekannt J .

Und in jedem Gottesdienst gedenken wir der anderen – der fernen … wie auch der näheren. Mir geht’s dabei so, dass die Verbundenheit mit Gott und allen Menschen Unruhe und Angst durch Geborgenheit ersetzt - Whanaungatanga eben.

 

Daran will ich arbeite.                                Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 26.01.2021

Ein Blick ins Kirchenjahr zeigt, dass mit dem kommenden Sonntag – „Letzter Sonntag nach Epiphanias“ – der erste Abschnitt mit der Weihnachts- und der sich anschließenden Epiphaniaszeit zu Ende geht. Wie ein Leitmotiv durchziehen die Menschwerdung Gottes und das Licht als Symbol für den erscheinenden Christus diese Wochen. – In der Epiphaniaszeit ging und geht es um die Anbetung der Weisen, Jesu Taufe im Jordan durch Johannes und um sein erstes Zeichen, die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana. In all diesem Geschehen wird Jesus als der erwartete Messias erkennbar.

Nach außen hin sichtbar mag der Wechsel zum zweiten großen Abschnitt des Kirchenjahres dadurch sein, dass nun zum 2. Februar (Mariä Lichtmess als Ende des Weihnachtfestkreises) der weihnachtliche Schmuck am 40. Tag nach Weihnachten definitiv entfernt wird. -  Diese  Ordnung  lehnt  sich  an die  Praxis  der Church  of  England an.

Mitte der kommenden Woche markiert die beginnende Vorfastenzeit den Übergang von der festlichen Epiphaniaszeit zur ernsten Fastenzeit … und damit den Weg des Osterfestkreises bis hin zum Pfingstfest. 

Man kann gespannt sein, wann die ersten Osterartikel im Handel erscheinen werden!

Stichwort: „FASTENzeit“!                       

 

                                                         Lächelt Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 19.01.2021

Alles, was wir tun, denken, und sogar alles, was wir glauben, hat Einfluss auf uns und das, was uns umgibt. Dass alles mit allem verbunden und verschränkt ist, erfahren wir seit geraumer Zeit hautnah. Denn alles, was wir tun oder nicht tun hat eben Folgen für all das, was wir erleben werden. Wenn wir das berücksichtigen, können wir nicht mehr nach Gutdünken für den eigenen kurzfristigen Vorteil alle uns störenden Aspekte ausblenden - wir müssen uns anstrengen, die globalen Zusammenhänge begreifen zu wollen und danach zu handeln.

Und wir müssen immer mehr der Verantwortung – religiös, politisch und ökonomisch - gerecht werden, die wir wage zu erkennen beginnen.

Das alles ist nicht einfach; doch Gott gibt uns die Freiheit, es zu probieren, unsere Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen. Dabei ist er nicht der strenge Vater, der uns hinterherläuft und uns mit finsterer Miene vorhält, was wir seiner Meinung nach falsch gemacht haben; er ist eher ein Vater, der seinen Kindern etwas zutraut und helfend eingreift, wenn wir darum bitten.

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho sagt: „Gott lässt seine Kinder nie im Stich, doch seine Ratschlüsse sind unergründlich, und Er baut den Weg mit unseren Schritten.“

Himmlische Hilfe empfangen zu können, setzt unsere Bereitschaft dazu voraus. Dazu gehört das Aufeinander-Zugehen, das Einander-Vergeben, die Hoffnung, der Glaube, das Vertrauen. Es gehört Gemeinschaft dazu und die Übernahme von Verantwortung für andere Menschen. – Und dann kann sich etwas ändern.

Darum kann ich - im Wissen darum, dass Gott da ist und mitgeht – auf das Leben zugehen und nach und nach wieder sicheren Grund unter die Füße bekommen.

Hoffentlich wird uns das dann eines Tages mit dem Wochenspruch dieser dritten Woche sagen lassen: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“   (Johannes 1,16)                          Denkt Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 12.01.2021

 

Epiphanias

Die Epiphaniaszeit ist untrennbar mit den ‚drei heiligen Königen‘ verbunden. Sie sind die Vertreter der Welt, die das Jesuskind sehen und die Botschaft von diesem Kind mit in die Welt nehmen.

Anfang der sechziger Jahre veröffentlichte Edzard Schaper aufbauend auf einer russischen Legende seinen Roman „Der vierte König“.  – Darin geht es um einen Mann, der eine besondere Sternenkonstellation sieht … und sich deshalb auf den Weg macht. Auch er will das Kind in der Krippe anbeten. Und er hat kostbare Geschenke dabei. Doch anders als die bekannten Drei kommt er nie an der Krippe an. Denn immer wieder sieht er unterwegs Menschen, denen er helfen will: Ein ausgesetztes Kind bringt er in einem Waisenhaus unter. Einer Mutter kauft er ein Haus. Er sorgt für Kranke, gibt Pferd, Mantel und Schmuck her; ja, er übernimmt sogar Strafarbeiten für andere. Oft verzweifelt er, verliert dabei den Stern aus den Augen, und sucht doch weiter nach Zeichen. Erst dreißig Jahre später schafft er es – inzwischen gänzlich ohne Geschenke - zu Jesus zu gelangen, als dieser ans Kreuz von Golgatha geschlagen wird.

Auf den ersten Blick ist der vierte König ein Antiheld: Er scheitert an dem, was er sich vorgenommen hat. Er kommt vom geplanten Weg ab; sogar mehrfach. - Aber eigentlich ist er natürlich doch der Held der Geschichte, denn er hat sich um das gekümmert, was wesentlich ist: Er hat aus Liebe heraus gehandelt.

Darum ist dieser vierte König ein guter Botschafter für dieses noch junge Jahr: Es ist gut, aufzubrechen und Pläne zu machen. Es ist gut, ein Ziel vor Augen zu haben und nicht in alten Strukturen zu verharren. Aber es ist auch gut, sich bei der Verfolgung der Ziele berühren zu lassen, Hilfe zu geben, sich (Mit-)Menschlichkeit auch etwas kosten zu lassen – wenn man sich denn von der Liebe leiten lässt.

 

Nicht das schlechteste Vorbild – findet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.