Gedanken Pfarrer Hofius 27.04.2021

Wieso singen Menschen eigentlich?

Wie hat das angefangen?

Forscher meinen, Gesänge wären in der Frühgeschichte der Menschen entstanden, um den Zusammenhalt zu stärken. So singen Menschen, um einen Gleichklang zu erzielen, eine gleiche Gestimmtheit, die sie miteinander verbindet. Vor einem Kampf, nach einem Unglück, bei der Ernte, bei einem Fest. Denn Singen verändert. Es kann den Herzschlag beschleunigen oder beruhigen und auch Gänsehaut verursachen.

Die Mitglieder eines indigenen Stammes am Amazonas singen morgens und abends stundenlang miteinander, die Männer schon bei Sonnenaufgang. – Als ich das hörte, musste ich an die Stundengebete in Klöstern und Kommunitäten denken, mit denen Menschen sich mehrmals am Tag schweigend, hörend und singend mit Gott und miteinander verbinden, in einen Gleichklang kommen. Diese Lebensform ist vielen Menschen fremd und unverständlich. Für mich liegt aber ein Reiz darin. Am frühen Morgen, am Mittag, am Abend und zur Nacht innehalten, zusammenkommen, um sich auf den Ursprung des Lebens zu besinnen. Sich einreihen in den Grundklang des Lebens. Da muss man für ein paar Minuten nichts leisten, nichts denken, muss nicht individuell, schlau, witzig oder sonst etwas sein, sondern ist einfach da vor Gott, ist Teil eines großen Ganzen. Und das gilt zu jeder Zeit gleich, in Krisenzeiten genauso wie in ruhigen Zeiten.

Sich in diesem Bewusstsein dem Leben regelmäßig hinzugeben, nicht nur an Feiertagen, sondern sogar mehrmals am Tag, das hat eine große heilende Kraft. Unsere Vorfahren wussten das. Doch wir berauben uns zunehmend der guten und heilsamen Rhythmen des Lebens, der gemeinschaftlichen Formen, in denen für einen Moment Gleichklang gesucht wird, nicht einer den andern übertönen will, sondern etwas Gemeinsames entsteht.

Ich wünsche uns, dass wir diese verbindenden Formen in den Rhythmen unserer  Tage wieder  beleben können, dass wir ohne Leistungsdruck einfach sein können, miteinander, beieinander. Vor allem hörend - aufeinander.   Möglicherweise haben wir ja im zurückliegenden Jahr erlebt, dass es sich lohnt, dem Tag einen Rhythmus zu geben und die scheinbare Leere mit Tönen zu füllen, die ganz von Herzen kommen. Dass wir das bald wieder auch miteinander tun dürfen und können, darauf hoffe ich sehr.              

Ihr und Euer Pfr. Christoph Hofius.       

Gedanken Pfarrer Hofius 20.04.2021

In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich."

Der französische Philosoph Voltaire soll diesen Satz gesagt haben – wobei doch die Aufklärung gerade die Vernunft zur obersten Instanz ihres Denkens und Urteilens erklärte.

Aber stimmt dieser Satz - inhaltlich? Irrsinnig wirkt die Welt im Moment tatsächlich. Ein kleines Virus stellt alles auf den Kopf, stürzt die Menschheit in eine weltweite Krise. Wir erleben irrsinnige, ver_rückte Zeiten. Gerade weil unsere Lage und die sich uns stellenden Herausforderungen so unsicher und unklar und rasch verändernd sind. – Aber gerade darum stellt sich (mir) die Frage, was in solcher Situation hilft.

 

‚Fakenews‘ oder ‚Lügenpresse‘, selbsternannte ‚Alternativen‘ oder doch etablierte Wissenschaft. Rational, also ‚vernünftig‘ betrachtet, finde ich ruhige und klare Informationen ohne alle Effekthascherei gut; und bin dafür gerne bereit, auch meinen finanziellen Beitrag zu leisten. Mit Vernunft und guten Argumenten überlegen und schauen, was für uns als Gemeinschaft richtig weil rettend ist. Dazu gehört für mich persönlich auch das Studium  biblischer  Belege.  Vernunft und Glaube sind meines Erachtens nämlich nicht gegeneinander ausspielbar; sie haben vielmehr gemeinsame Gegner: Die bewusste Unvernunft (also letztlich ‚Irrsinn‘) und den leugnenden Unglauben (der nichts anderes ist). In dieser verrückten Welt retten können beide Letztgenannten nicht. Ich vermute jedoch, wir werden weiterhin beide Erstgenannten brauchen. … Und bin gewiss, dass Gott auch eine noch so verrückte Welt nicht verloren gibt; das widerspräche aller Vernunft J .    Ihr/Euer Pfr. Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 13.04.2021

Vor 5oo Jahren rebelliert Martin Luther als einfacher Mönch gegen den Konsens in Wissenschaft und Politik.  „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ – soll er Kaiser Karl V. in Worms gesagt haben, als der ihn aufforderte, seine Position zu widerrufen.

Eine gefundene Steilvorlage für alle, die in diesen Tagen gegen Corona-Maßnahmen protestieren wollen. Doch als „Querdenker“ lässt sich der Reformator nicht vereinnahmen. Denn bei ihm verbinden sich Gewissensmut und Nächstenliebe.

Beispielhaft formuliert in „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Da heißt es:

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.

 Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“. Das klingt widersprüchlich - zugleich gänzlich frei und völlig abhängig sein von anderen? Luther löst diese Spannung auf, indem er zwischen einem inneren (Seele) und einem äußeren (Leib) Menschen unterscheidet. Die Seele richtet sich bei Luther aus auf Gott und erlangt Freiheit im Glauben. Als leibliches Wesen ist der "äußere Mensch“ jedoch auch Teil einer Gemeinschaft und trägt Verantwortung für alle Mitmenschen. Beide Teile bilden nun eine unlösliche Einheit; christlicher Glaube zeigt sich in tätiger Nächstenliebe. So sind ChristInnen in der Liebe zum Nächsten dienstbar (Knecht), im Glauben jedoch frei (Herr).

 

Dieses Verständnis der Freiheit in Gebundenheit ist für mich gerade heute aktuell: Seit über einem Jahr erleben wir hautnah die Spannung zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Wegen Covid-19 wird diese Freiheit durch Regeln und (Selbst)Beschränkungen aus Rücksicht auf andere bewusst eingegrenzt. „Ich kann nicht anders“, denn Freiheit braucht auch heute Verantwortung.

Denkt Pfr. Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 23.03.2021

Heute bejubelt, morgen fallen gelassen

Der Sonntag Palmarum gedenkt des Einzugs Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert; darum wird er – wie ein König – mit Jubel und Psalmzitaten sowie eben gerade geschwungenen Palmzweigen begrüßt. - Allerdings erwartete das Volk in ihm einen anderen König; einen, der nun endlich (nach so vielen Wundern und Zeichen) die ungeliebte Besatzungsmacht der Römer vertreiben möge.

Weil er das aber nicht tut, wenden sich wenig später alle von ihm, selbst seine Jünger.

Der Palmsonntag stellt uns als Gemeinde alljährlich vor die Frage, wie wir heute Jesus empfangen … und wie wir mit dieser Diskrepanz von Erwartung und augenfälligen Sein umgehen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu?

Denn die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind schon zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zum gellenden „Kreuzige“-Ruf, fröhliche Gesichter erstarren zu Fratzen. Und doch ist es Jesu Tod am Kreuz, der den Menschen wahres Leben bringt. - Heute bekennen wir das: Sein Weg ins Dunkel war ein Weg ins Licht. Im Geschlagenen, im Verachteten war Gott ganz nah. Nur wenige erkannten das damals – ob’s heute besser ist? 

Gedanken Pfarrer Hofius 16.03.2021

Endlich Flagge zeigen

Nach dem Sonntag Lätare, der am vergangenen Sonntag gefeiert wurde, spitzt sich nun vom kommenden Sonntag Judika an die Passionszeit zu - auf das Leiden und Sterben Jesu.

Seinen Namen hat der Sonntag Judika (auf Deutsch: „Richte“) vom Anfang von Psalm 43:  „Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta"  / „Richte mich, Gott“  bzw. besser: „Gott, schaffe mir Recht“.

Jetzt beginnt die eigentliche Passionszeit. – Aus diesem Grund schweigt auch das „Ehre sei dem Vater“, das üblicherweise an jeden Psalm angefügt wird. bis zu Karsamstag.  Neuere Agenden für den Gottesdienst gehen leider recht blauäugig darüber hinweg.

Nach Lätare, wo die Hingabe Jesu bedacht wurde, betont nun der Sonntag Judika den Gehorsam Christi genauso wie auch unseren Gehorsam. Es geht nämlich um unsere Antwort auf Gottes Handeln und Gebot – und somit darum, dass endlich auch wir Flagge zeigen.

Aber wir erfahren immer wieder, dass wir zu solchem Gehorsam nicht fähig sind. – Darum sollte der Gottesdienst schlicht gehalten werden wegen des Mangels an Gottvertrauen auf menschlicher Seite. – Und doch können wir uns freuen im Blick auf Jesu Gehorsam, weil wir dadurch trotz dieses Mangels freien Zugang zu Gott haben.

Letztlich aber ist es bedrückend, zu wissen, dass wir es nicht aus eigener Kraft schaffen.

Die Texte des Sonntags stellen an Christen die Frage, inwieweit sie sich in den Dienst Gottes stellen. Was bin ich bereit zu geben, vielleicht auch aufzugeben?  

 

Gedanken Pfarrer Hofius 09.03.2021

         Mitten in der Passionszeit gibt es einen Freudensonntag, den Sonntag Lätare.

‚Laetare‘ / „Freut euch“ ist das erste Wort des Leitverses zum Sonntag aus Jesaja 66,10: „Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie liebhabt.“ Den Gedanken nimmt in der Liturgie Psalm 84 auf, in dem es heißt: „Der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.“

Mit diesem Sonntag ist die Hälfte der 40 Tage dauernden Passionszeit vorüber; da wird uns eine kleine Pause gegönnt und bei aller Trauer im Bedenken der „Nachfolge Jesu“ der Kopf gehoben. Denn wir gehen ja doch nicht nur auf den Karfreitag, sondern mehr noch auf Ostern zu – dieses Freudenfest des Sieges über den Tod.

Der Tod Jesu, das erzählt der Sonntag Lätare, ist unausweichlich, damit es neues Leben und ein Leben in der Nachfolge Jesu überhaupt erst geben kann. Jesus macht dies mit einem Gleichnis (Johannes 12,20–26) deutlich: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Das ist der Bibelvers, der als Wochenspruch auch die ganze Woche prägt.

Für Christen bedeutet dieses Gleichnis eine große Entlastung. Denn letztendlich liegt alles in Gottes Hand … und nicht an unseren eigenen Werken. Das Gleichnis kann darum auch eine Ermutigung zum Loslassen sein; zum Loslassen und Ersterben- Lassen von Dingen, an denen wir nur noch furchtsam festhalten, aber die uns daran hindern, dass wir uns Neuem öffnen.

 

Überlegt Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 02.03.2021

Der Name des kommenden Sonntags „Okuli“ geht zurück auf das erste Wort des lateinischen Eingangspsalms für diesen Sonntag (»Okuli mei semper ad Dominum«; dt.: » Meine Augen sehen stets auf den Herrn«).

     Im Wochenspruch aus Lukas 9,62 heißt es dann: »Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.« - Will sagen: Manche Entscheidungen im Leben verlangen uns viel ab: Kraft, Energie, Geld, Geduld, Tränen, manchmal auch Trennungen. Und trotzdem würden wir uns hoffentlich wieder genauso entscheiden. Weil es rückblickend richtig war, weil uns die Erfahrung reicher gemacht hat. - Die Bibel erzählt von Menschen, die Gott bis zum Äußersten gefordert hat: Jeremia - um Gottes Willen verspottet; Elia - auf der Flucht zu Tode erschöpft. Auch Jesus, für den der Verrat durch Judas erst der Anfang des Leidenswegs ist. Wer Jesus nachfolgen will, muss verzichten lernen, darf nicht zurückschauen. Wer Gott ernst nimmt, muss Entscheidungen treffen für ein Leben in Liebe und Hingabe.

     In seinem Buch (ISBN 978-3-945369-99-9) über den Oberlenninger Pfarrer Julius von Jan und dessen Bußtagspredigt vom 16.11.1938 illustriert Martin Stährmann dies eindrücklich. Denn es war nicht abzusehen, dass dieser stille und friedliebende Mann über sich hinauswachsen und den Nationalsozialisten die Stirn bieten würde. Er folgte, als es darauf ankam, seinem Gewissen und seinen christlichen Werten und nannte das Unrecht gegen die jüdische Bevölkerung laut beim Namen. Dafür zahlte er mit seiner Familie einen hohen Preis.

     Und doch erfahren sie alle: Gott ist bei mir. Er macht mich stark.

Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 23.02.2021

Erinnern / Reminiscere

Es ist gut, sich zu erinnern. Wie bin ich zu dem geworden, der ich heute bin?

Wie heiße ich? Warum heiße ich so? Wo stamme ich her? Wo bin ich zu Hause?

Ohne meine Erinnerungen wäre ich nicht derselbe.

Ich denke zurück an die Menschen, die mir wichtig sind und waren. An meine Eltern, an Großeltern und Geschwister, an Tanten und Onkel. Menschen, die mich lange Jahre begleitet haben und es noch tun. Meine Sandkastenfreundin, Schulkameraden, Studienfreunde, die Kollegin in der ersten Gemeinde.

Manchmal träume ich von den Häusern meiner Kindheit. Und verarbeite so erinnernd meinen Lebensweg. Meine eigene Geschichte. Sie hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Es tut gut, sich zu erinnern. Und die Demenz-Erkrankung zeigt, wie existentiell wichtig Erinnern ist. Denn Rückbesinnung löst vertraute Gefühle aus, vermittelt Geborgenheit. Erinnerungen können bereichern und stärken.

Manchmal tun Erinnerungen weh - wegen Verletzungen und Wunden: Gefühle von Verlassenheit und Kränkung. Misserfolge und Schicksalsschläge. Manches ist lange vernarbt und schmerzt nur noch, wenn das Wetter umschlägt. An anderen Stellen ist die Haut noch dünn. Vielleicht ist eine Wunde nie ganz geheilt.

Manchmal tauchen schmerzliche Erinnerungen erst im Alter wieder auf. – Als Pfarrer, als Mit_Mensch höre ich zu – ohne eine Antwort geben zu können. Ich kann nur die Fragen mit aushalten. „Wie kannst Du, Gott, das zulassen?“

Reminiscere. So ist der Name des kommenden Sonntags.

Reminiscere. „Erinnere dich. Gedenke.“

„Gedenke, Gott,

an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,

die von Ewigkeit her gewesen sind.“ (Psalm 25,6)

Wie gut, dass Gott mit dabei ist – beim Leben, im Leiden, beim Sterben.

 

Sich seiner Zusage zu erinnern, tut immer gut.                    Pfarrer Christoph Hofius .       

Gedanken Pfarrer Hofius 16.02.2021

Kaum sind Weihnachten und der Jahreswechsel hinter uns, … finden wir uns am Beginn der österlichen Bußzeit bzw. Passionszeit wieder: Noch 4o Tage / 5 ½ Wochen, dann ist Gründonnerstag bzw. Karfreitag … und dann schon Ostern.

Wir treten ein in eine Zeit, in welcher der Leiden Christi gedacht wird.

Spannend finde ich, dass sich die Namen der nächsten Sonntage von den jeweils ersten Worten des jeweiligen „Introitus“, des eröffnenden Psalmverses, ableiten:

Invokavit                   Ps 91,15

Reminiscere             Ps 25,6

Okuli                          Ps 25,15

Laetare                      Jes 66,10

Judika                                   Ps 43,1

Palmarum                 Joh 12,12ff

Mit einer kleinen Eselsbrücke lassen sich die Namen in ihrer Reihenfolge merken:

In rechter Ordnung lerne Jesu Passion".

 

Der erste Sonntag ist „Invokavit“ - wörtlich übersetzt: „Er hat gerufen.“

 

Gott, du bist die Quelle meines Mutes.

Du bist das Haus, in dem ich sicher wohne.

Du bist der Grund meiner Hoffnung.

Errette mich vor dem, was lauernd mich bedroht,

vor dem, was mich entkräftet und krank macht.

Bewahre meinen Weg, damit ich nicht in die Tiefe stürze.

A m e n .  

Gedanken Pfarrer Hofius 09.02.2021

Nicht allein

Seit einem Jahr leben wir nun mit bzw. unter Corona und den damit einhergehenden Veränderungen unseres Lebens und Verhaltens. – Auch wenn momentan an vielen Orten die Inzidenzwerte fallen, lassen Sorge und Angst uns doch nicht los. Viele fühlen sich der Situation immer noch hilflos ausgeliefert. Denn das, was da über uns hinwegrollt, war für uns bisher unvorstellbar. Unserer Pläne, unsere Freiheit schienen unumstößlich.

Seit einem Jahr müssen wir uns dieser Situation stellen, aber nicht allein, keiner muss das alleine auskämpfen, selbst wenn wir nicht, wie gewohnt, zusammenkommen können. Vielleicht sollten wir uns darauf besinnen, dass wir Menschen sind, die sich einer Gefahr stellen können, die sich entscheiden können und dem Ganzen nicht einfach nur ausgeliefert sind. Denn veränderte Umstände und geändertes Verhalten kann auch unser Denken und Tun ändern; oder? – Nehmen wir uns doch auch und gerade jetzt, wo der Ruf nach Veränderung so laut wird, die Zeit, um jemanden anzurufen oder einen Brief zu schreiben, um Sorgen zu teilen, einander zu trösten. Wer hat, kann auch die sozialen Medien nutzen, um die Verbindung zu anderen Menschen zu halten, sich einander mitzuteilen. Wichtig ist, dass wir uns nicht auf uns selbst zurückziehen, dazu ist der Mensch einfach nicht gemacht. Wir sind, so ist mein Glaube, aus der Liebe des dreieinigen Gottes hervorgegangen, das ist unser Ursprung. Das ist im tiefsten unser Wesen, das nach Gemeinschaft ruft und nicht allein sein will. – Dazu segne und behüte Gott Sie und die Menschen, mit denen Sie in Verbindung stehen.        

 

 

                                                            Ihr / Euer Pfr. Christoph Hofius 

Gedanken Pfarrer Hofius 02.02.2021

Die Neuseeländer haben ein erstaunliches Wort: Whanaungatanga.

Das kommt aus der Sprache der Maori und bezeichnet einen starken Gemeinschaftsgeist. - Es heißt: Ich fühle mich tief verbunden mit meinen Mitmenschen. Ich spüre, dass ich aus gutem Grund mit ihnen zusammenlebe und kümmere mich deshalb um jeden einzelnen von ihnen. Ich werde umso glücklicher und gesünder, je mehr Beziehungen ich zu anderen Menschen habe und je positiver und bedeutungsvoller ich sie gestalte.

Das klingt – zumal in Zeiten unter Covid-19 - wunderbar … und wird von den Neuseeländern an vielen Orten großgeschrieben: In Schule, Kindergarten, der lokalen Gemeinde. – Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Ob wir bei uns nicht auch davon profitieren können? Immerhin ist Whanaungatanga ja auch ein Oberbegriff für das, was wir in Gäufelden  mit Vereinen und Kirchengemeinden, mit Gemeinderat oder Diakonieverein praktizieren … oder vor einen Jahr mit den „Helfenden Händen“ aus der Taufe gehoben haben. Wer Anregungen braucht, nehme gerne die verteilte ‚Jubiläumsschrift der Gemeinde Gäufelden‘ zur Hand.

Aber unsere Gemeinschaft kann sich hier noch verbessern, weil wir alle miteinander verbunden sind und nur miteinander existieren können. Eigentlich ist es ganz einfach, dieses Gefühl der Verbundenheit wiederzufinden. Mir persönlich geht es so: Jedes Mal, wenn ich jemandem helfe, geht es mir hinterher besser. Es scheint sogar sowas wie ein Gesetz zu geben, dass alles Gute, das ich für andere tue, um ein Vielfaches vermehrt zu  mir  zurückkommt. So gesehen gäbe es ja eigentlich nichts Egoistischeres, als etwas für andere zu tun. Das wirkt vielleicht erst einmal ungewohnt, wenn man den Anderen gar nicht kennt; aber durch das Helfen wird man ja miteinander bekannt J .

Und in jedem Gottesdienst gedenken wir der anderen – der fernen … wie auch der näheren. Mir geht’s dabei so, dass die Verbundenheit mit Gott und allen Menschen Unruhe und Angst durch Geborgenheit ersetzt - Whanaungatanga eben.

 

Daran will ich arbeite.                                Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 26.01.2021

Ein Blick ins Kirchenjahr zeigt, dass mit dem kommenden Sonntag – „Letzter Sonntag nach Epiphanias“ – der erste Abschnitt mit der Weihnachts- und der sich anschließenden Epiphaniaszeit zu Ende geht. Wie ein Leitmotiv durchziehen die Menschwerdung Gottes und das Licht als Symbol für den erscheinenden Christus diese Wochen. – In der Epiphaniaszeit ging und geht es um die Anbetung der Weisen, Jesu Taufe im Jordan durch Johannes und um sein erstes Zeichen, die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana. In all diesem Geschehen wird Jesus als der erwartete Messias erkennbar.

Nach außen hin sichtbar mag der Wechsel zum zweiten großen Abschnitt des Kirchenjahres dadurch sein, dass nun zum 2. Februar (Mariä Lichtmess als Ende des Weihnachtfestkreises) der weihnachtliche Schmuck am 40. Tag nach Weihnachten definitiv entfernt wird. -  Diese  Ordnung  lehnt  sich  an die  Praxis  der Church  of  England an.

Mitte der kommenden Woche markiert die beginnende Vorfastenzeit den Übergang von der festlichen Epiphaniaszeit zur ernsten Fastenzeit … und damit den Weg des Osterfestkreises bis hin zum Pfingstfest. 

Man kann gespannt sein, wann die ersten Osterartikel im Handel erscheinen werden!

Stichwort: „FASTENzeit“!                       

 

                                                         Lächelt Ihr/Euer Pfarrer Christoph Hofius

Gedanken Pfarrer Hofius 19.01.2021

Alles, was wir tun, denken, und sogar alles, was wir glauben, hat Einfluss auf uns und das, was uns umgibt. Dass alles mit allem verbunden und verschränkt ist, erfahren wir seit geraumer Zeit hautnah. Denn alles, was wir tun oder nicht tun hat eben Folgen für all das, was wir erleben werden. Wenn wir das berücksichtigen, können wir nicht mehr nach Gutdünken für den eigenen kurzfristigen Vorteil alle uns störenden Aspekte ausblenden - wir müssen uns anstrengen, die globalen Zusammenhänge begreifen zu wollen und danach zu handeln.

Und wir müssen immer mehr der Verantwortung – religiös, politisch und ökonomisch - gerecht werden, die wir wage zu erkennen beginnen.

Das alles ist nicht einfach; doch Gott gibt uns die Freiheit, es zu probieren, unsere Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen. Dabei ist er nicht der strenge Vater, der uns hinterherläuft und uns mit finsterer Miene vorhält, was wir seiner Meinung nach falsch gemacht haben; er ist eher ein Vater, der seinen Kindern etwas zutraut und helfend eingreift, wenn wir darum bitten.

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho sagt: „Gott lässt seine Kinder nie im Stich, doch seine Ratschlüsse sind unergründlich, und Er baut den Weg mit unseren Schritten.“

Himmlische Hilfe empfangen zu können, setzt unsere Bereitschaft dazu voraus. Dazu gehört das Aufeinander-Zugehen, das Einander-Vergeben, die Hoffnung, der Glaube, das Vertrauen. Es gehört Gemeinschaft dazu und die Übernahme von Verantwortung für andere Menschen. – Und dann kann sich etwas ändern.

Darum kann ich - im Wissen darum, dass Gott da ist und mitgeht – auf das Leben zugehen und nach und nach wieder sicheren Grund unter die Füße bekommen.

Hoffentlich wird uns das dann eines Tages mit dem Wochenspruch dieser dritten Woche sagen lassen: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“   (Johannes 1,16)                          Denkt Ihr / Euer Pfarrer Christoph Hofius.

Gedanken Pfarrer Hofius 12.01.2021

 

Epiphanias

Die Epiphaniaszeit ist untrennbar mit den ‚drei heiligen Königen‘ verbunden. Sie sind die Vertreter der Welt, die das Jesuskind sehen und die Botschaft von diesem Kind mit in die Welt nehmen.

Anfang der sechziger Jahre veröffentlichte Edzard Schaper aufbauend auf einer russischen Legende seinen Roman „Der vierte König“.  – Darin geht es um einen Mann, der eine besondere Sternenkonstellation sieht … und sich deshalb auf den Weg macht. Auch er will das Kind in der Krippe anbeten. Und er hat kostbare Geschenke dabei. Doch anders als die bekannten Drei kommt er nie an der Krippe an. Denn immer wieder sieht er unterwegs Menschen, denen er helfen will: Ein ausgesetztes Kind bringt er in einem Waisenhaus unter. Einer Mutter kauft er ein Haus. Er sorgt für Kranke, gibt Pferd, Mantel und Schmuck her; ja, er übernimmt sogar Strafarbeiten für andere. Oft verzweifelt er, verliert dabei den Stern aus den Augen, und sucht doch weiter nach Zeichen. Erst dreißig Jahre später schafft er es – inzwischen gänzlich ohne Geschenke - zu Jesus zu gelangen, als dieser ans Kreuz von Golgatha geschlagen wird.

Auf den ersten Blick ist der vierte König ein Antiheld: Er scheitert an dem, was er sich vorgenommen hat. Er kommt vom geplanten Weg ab; sogar mehrfach. - Aber eigentlich ist er natürlich doch der Held der Geschichte, denn er hat sich um das gekümmert, was wesentlich ist: Er hat aus Liebe heraus gehandelt.

Darum ist dieser vierte König ein guter Botschafter für dieses noch junge Jahr: Es ist gut, aufzubrechen und Pläne zu machen. Es ist gut, ein Ziel vor Augen zu haben und nicht in alten Strukturen zu verharren. Aber es ist auch gut, sich bei der Verfolgung der Ziele berühren zu lassen, Hilfe zu geben, sich (Mit-)Menschlichkeit auch etwas kosten zu lassen – wenn man sich denn von der Liebe leiten lässt.

 

Nicht das schlechteste Vorbild – findet Ihr und Euer Pfarrer Christoph Hofius.